Eineinhalb Jahre nachdem sie den giftgrünen Brat-Summer einleutete, feiert Popikone Charli xcx mit ihrer Mockumentary Europaprämiere bei der Berlinale. Tickets für „The Moment“ waren heißbegehrt – und dementsprechend schnell vergriffen. Zum Glück lässt sich jetzt im Kino nachholen, was man verpasst hat.

Außerdem im Kino: Ein mal wieder äußerst blutrünstiger Mads Mikkelsen in „Dust Bunny“ und ein abgedrehter Lars Eidinger im noch abgedrehterem „Sie glauben an Engel, Herr Drowak?“.

1 Dust Bunny

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Wollmäuse sind eine lästige Angelegenheit. Für die zehnjährige Aurora (Sophie Sloan) sind sie weit mehr als das. Zu Beginn von „Dust Bunny“ weht ein Staubgespinst durchs Fenster herein, vereinigt sich mit anderen und wird zu einer flusig-gruseligen Hasengestalt, die dem Mädchen einen gellenden Schrei entlockt.

Unter dem Bett sei etwas, sagt sie mit zittriger Stimme den herbeieilenden Erziehungsberechtigten. Aber die können nichts entdecken. Die Erwachsenen können nie sehen, was Aurora sieht, nicht wissen, was sie weiß: Dass der Staubhase sich zu einem ausgewachsenen Monster entwickeln und die Pflegeeltern mit Haut und Haaren verspeisen wird.

Und tatsächlich sind am Morgen nach dem vermeintlichen Albtraum die Eltern spurlos verschwunden. In ihrer Not wendet Aurora sich an den mysteriösen Nachbarn (Mads Mikkelsen) und beauftragt ihn, das Monster zu töten.

Der Mann im Apartment 5B, von Beruf Auftragskiller, glaubt, dass die Mörder der Pflegeeltern es eigentlich auf ihn abgesehen hatten – und fühlt sich sehr zum Unwillen seiner Auftraggeberin Laverne (Sigourney Weaver) für den Schutz des Mädchens verantwortlich.

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In seinem Kinodebüt verbindet Regisseur Bryan Fuller („Hannibal“) Elemente des Märchens, des Horror- und Actionfilms fruchtbar miteinander. Im Kern geht es weniger um den skurrilen Action-Plot als um kindliche Traumabewältigung. Denn Aurora hat sich das Monster selbst herbeigewünscht, um ihre Eltern, die „nicht besonders nett“ zu ihr waren, aufzufressen.

Erst als die Erwachsenenwelt das Monster mit eigenen Augen sieht und (an)erkennt, kann Aurora ihren Umgang mit dem Ungeheuer finden. Und so feiert „Dust Bunny“ auch indirekt die Kraft eines Kinos, das Bilder für unverstandene Gefühle findet und Empathie als Kunst begreift. (Martin Schwickert)

USA 2025, 107 Min., R: Bryan Fuller, D: Mads Mikkelsen, Sophie Sloan, Sigourney Weaver

2 Souleymanes Geschichte

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Zwei Tage bleiben Souleymane (Abou Sangaré), um sich auf das Gespräch für seinen Asylantrag in Frankreich vorzubereiten. Dafür lernt er eine Geschichte von politischer Verfolgung auswendig, doch eigentlich ist er aus Guinea geflüchtet, um seine psychisch kranke Mutter zu unterstützen.

Nun lebt er in Paris im Obdachlosenasyl und schlägt sich mit prekären Jobs durch. Weil er keinen Ausweis und daher keine Arbeitserlaubnis hat – in Frankreich werden diese Menschen „Sans-Papiers“ genannt –, arbeitet er unter dubiosen Umständen als Fahrradkurier.

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Dabei ist er Gewalt, Ausbeutung und der herablassenden Behandlung seiner Kunden ausgesetzt, die er sich nicht gefallen lassen will, aber meist hat er keine Wahl. „Wir sind nicht Ihre Sklaven“, ruft er einem respektlosen Gastwirt entgegen.

Abou Sangaré hatte keine Schauspielerfahrung und kam selbst ohne Papiere nach Frankreich. Auch deshalb spielt er den Protagonisten so überzeugend. Mit dokumentarischer Präzision erzählt „Souleymanes Geschichte“ unsentimental, aber bewegend vom Los unzähliger Menschen, die unter ähnlichen Umständen leben. (Emma Rotermund)

F 2024, 93 Min., R: Boris Lojkine, D: Abou Sangaré, Alpha Oumar Sow

3 Sie glauben an Engel, Herr Drowak?

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Diese Geschichte ist seit „Heidi“ oft erzählt worden: Wir haben einen fiesen alten Kerl und eine sonnige junge Person, die den Grantler zurück ins Leben lockt.

So abgehalftert wie Drowak (Karl Markovics) war der Alm-Öhi allerdings lange nicht. Das „Amt für Ruhe und Ordnung“ hat ihn zu einer Resozialisierungsmaßnahme gezwungen, und mithilfe eines Bolzenschneiders gelangt Lena (Luna Wedler) in die Wohnung, in der Tausende leere Flaschen und ein solider Vorrat an Pissbomben die Einrichtung bilden.

Sie soll Drowak zum kreativen Schreiben anleiten, aber er entpuppt sich als literarisches Genie. Spoiler: Ein Happy End gibt’s nicht, aber etwas Nähe in einer abgefuckten Welt ist mehr, als beide noch vom Leben erwartet hatten.

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Ein beeindruckender Film, visuell wie inhaltlich, vielleicht gibt Regisseur Steiner dem Affen etwas arg viel Zucker. Das Ergebnis ist ein bisschen wie „Die fabelhafte Welt der Amélie“ auf Droge.

Da gibt es unter anderem einen sprechenden Mond vor dem Fenster, der sich mit Dantes Inferno auskennt, Engel in der Mülltonne, gruselige Rattenzombies … Und einen Spitzencast, mit Lars Eidinger als durchgeknalltem Amtsleiter. Düster, poetisch, ungewöhnlich. (Antje Scherer)

D 2025, 127 Min., R: Nicolas Steiner, D: Karl Markovics, Luna Wedler

4 Dead Of Winter – Eisige Stille

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Zugegeben, der Plot ist schon irre: Eine Dame, Mitte, Ende 60, ohne Waffe und Handy, dazu noch angeschossen, legt sich in der einsamen Schneewüste Minnesotas mit einem Verbrecherpaar an, das in einer Holzhütte eine junge Frau gefangen hält. Dieser soll später auf einem improvisierten OP-Tisch ein Organ entnommen werden, damit die schwer kranke Kriminelle überleben kann.

Zugegeben aber auch: Trotz anfänglicher Skepsis ob dieser irren Geschichte wächst sich da ein ansehnlicher Thriller mit den üblichen Versatzstücken heraus (abgeschnittene Außenwelt, Handyakku leer, die erhofften Retter, die kommen, sind unfähig), der bis zum blutigen Showdown am See von einer famosen Emma Thompson zusammengehalten wird.

Wie sich die zweifache Oscar-Gewinnerin („Wiedersehen in Howards End“) selbst die Schusswunde am Arm näht, das hat schon was von John Rambo. Chapeau!

Interessant auch der Produktionshintergrund: Der mit deutschen Fördergeldern finanzierte Film wurde in Finnland gedreht. Und zwar so spektakulär, dass man sich kaum vorstellen kann, ein Dreh in Minnesota hätte ähnlich viel bedrohliche Einsamkeit hervorgebracht. (Markus Ehrenberg)

USA/D 2025, 98 Min., R: Brian Kirk, D: Emma Thompson, Judy Greer

5 The Moment

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Das Nachdenken über Ruhm prägt die Karriere von Charli xcx. In einem Song vergleicht sich der Popstar mit einem noch größeren: Taylor Swift. Was, wenn sie so wäre wie die? Einen glitzernden Bodysuit tragen und am Ende ihrer Konzerte im Konfettiregen stehen?

Das zumindest will Regisseur Johannes Godwin (Alexander Skarsgård) von ihr. Doch Charli xcx steht für Strobo-Lichter, Kokain und Club-Feeling, nicht für familienfreundliches Pop-Spektakel. Oder ist sie bereit, Prinzipien über Bord zu werfen?

„The Moment“ ist klug genug, nicht alles auf die böse Musikindustrie zu schieben. Aber es ist nicht nur Druck von außen, dem sich diese fiktive Version von Charli xcx beugt.

Es ist auch die Künstlerin selbst, die den „Brat“-Hype erhalten will. Und dafür Freundschaften und Integrität aufs Spiel setzt. Charli xcx spielt souverän und uneitel diese überzogene Version ihrer selbst, am stärksten aber ist sie in leisen Momenten, wenn die Maske fällt.

Nicht alles geht auf, Alexander Skarsgård ist etwas zu drüber als Regiehippie. Aber „The Moment“ ist ein spannender Einblick in den Kopf dieses hyperreflektiven Popstars. (Inga Barthels)

Eine vollständige Rezension des Films lesen Sie hier.

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GB/USA 2026, 104 Min., R: Aidan Zamiri, D: Charli xcx, Alexander Skarsgård

6 Cold Storage

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Mit Weltraumschrott gelangt ein parasitärer Alien-Pilz auf die Erde, der Mensch und Tier in willenlose Zombies verwandelt und sich rasant ausbreitet. Das Militär kann den Ausbruch eindämmen und versiegelt die Überreste in einer unterirdischen Basis. Jahrzehnte später ist daraus ein nachlässig geführter Storage geworden, in dessen Katakomben der fiese Fungus lauert.

Der Brite Jonny Campbell inszeniert in seiner zweiten Kino-Regiearbeit eine turbulente Science-Fiction-meets-Horror-Farce, die sich freimütig bei Genre-Klassikern wie „Alien“, „Dawn of the Dead“ oder „Outbreak“ bedient.

Angenehmerweise will „Cold Storage“ nicht mehr sein, als es ist: ein kurzweiliger Kinospaß in Form eines konzise erzählten B-Movies mit ein paar originellen Twists, ekligen Effekten und schwarzem Humor.

Mehr zum ThemaFilmemacherin Monika Treut gratuliert dem Teddy Award zum 40. Geburtstag Vom Underground zur weltweiten Anerkennung Eva Trobisch und ihr Berlinale-Film „Etwas ganz Besonderes“ „Ich fühle mich nicht ostdeutsch“ Filme drehen als Akt des Widerstands „Jede Besatzung ist ein Angriff auf die Menschlichkeit“

Gelungen ist auch die Besetzung: So findet Fanfavorit Joe Keery nach dem Finale von „Stranger Things“ eine sinnvolle Anschlussverwendung und bildet mit Georgina Campbell („Barbarian“) ein angenehm unheroisches Protagonistenpaar. Liam Neeson darf mal wieder den knarzigen Hardliner geben, und die 89-jährige Vanessa Redgrave hat ein hübsches Cameo als lebensmüde Storage-Mieterin. (Jörg Wunder)

USA 2026, 99 Min., R: Jonny Campbell, D: Joe Keery, Georgina Campbell