Nach dem Hantavirus-Ausbruch soll die „Hondius“ in wenigen Tagen bei den Kanarischen Inseln ankommen – doch die dortige Regierung will das Kreuzfahrtschiff nicht einlaufen lassen. Mittlerweile wurde der genaue Virustyp identifiziert.
Der Präsident der Kanarischen Inseln, Fernando Clavijo, hat die Entscheidung der spanischen Zentralregierung kritisiert, dem Kreuzfahrtschiff „MV Hondius“ mit einem Hantavirus-Ausbruch an Bord das Anlaufen der Inselgruppe zu erlauben. „Ich kann nicht zulassen, dass das Schiff auf den Kanaren einläuft“, sagte Clavijo dem Radiosender Onda Cero.
Zur Begründung erklärte der Regionalpräsident, den Behörden auf den Kanaren seien bislang nicht genügend Informationen übermittelt worden. Clavijo, der sich derzeit in Brüssel aufhält, kündigte an, er wolle Ministerpräsident Pedro Sánchez in Madrid so schnell wie möglich treffen, um die Angelegenheit zu besprechen.
Zuvor war bekannt geworden, dass das Kreuzfahrtschiff „Hondius“ sich darauf vorbereite, von den Kapverdischen Inseln zu den Kanarischen Inseln zu fahren. Die Fahrt nach Gran Canaria oder Teneriffa dürfte drei bis vier Tage dauern. Das Gesundheitsministerium in Madrid erklärte, man komme einer Bitte der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der EU nach. Der Inselstaat Kap Verde vor der Nordwestküste Afrikas sei nicht in der Lage, die Situation zu bewältigen. Auf den Kanaren sollen die rund 150 Passagiere und Besatzungsmitglieder unter strengen Sicherheitsvorkehrungen untersucht, behandelt und in ihre Heimatländer zurückgebracht werden.
Bei dem Ausbruch auf dem Luxusschiff gab es bislang sieben bestätigte Fälle oder Verdachtsfälle. Drei Menschen starben, darunter ein deutscher Staatsbürger und ein niederländisches Ehepaar. Ein schwer erkrankter Brite wird auf einer Intensivstation in Südafrika behandelt.
Südafrika weist Anden-Virustyp bei Kreuzfahrtschiff-Passagieren nach
Die Gesundheitsbehörden in Südafrika wiesen inzwischen bei zwei Passagieren den sogenannten Anden-Typ des Erregers nach. Diese Erkenntnisse stammen aus Tests an Passagieren des Schiffs, die nach Südafrika ausgeflogen worden waren. Der Anden-Typ des Hantavirus kann von Mensch zu Mensch übertragen werden.
Einer der untersuchten Passagiere, ein britischer Staatsbürger, wird derzeit auf der Intensivstation eines südafrikanischen Krankenhauses behandelt. Bei einer weiteren Passagierin wurden die Tests postmortal vorgenommen, nachdem sie in Südafrika gestorben war.
Unterdessen wurde ein weiterer ehemaliger Passagier der „Hondius“ in der Schweiz positiv auf den Erreger getestet. Das teilten die Schweizer Behörden am Mittwoch mit, machten aber keine Angaben darüber, wann genau sich der Patient an Bord des Schiffs befand. In der Mitteilung des Bundesamts für Gesundheit hieß es lediglich, der Mann sei nach einer Reise auf dem Kreuzfahrtschiff in die Schweiz zurückgekehrt.
Kreuzfahrtpassagiere werden in Kabinen isoliert
Noch vor der Abfahrt zu den Kanaren liefen medizinische Evakuierungen an. Ein schwer erkrankter Schiffsarzt aus den Niederlanden sollte nach spanischen Angaben ausgeflogen und in Spanien behandelt werden. Das niederländische Außenministerium bereitete zudem die Rückholung von drei Personen in die Niederlande vor. Nach Angaben der Reederei Oceanwide Expeditions benötigen zwei Besatzungsmitglieder dringend medizinische Hilfe.
Der Nachrichtenagentur AP liegen Aufnahmen vor, die die menschenleeren Decks und Aufenthaltsbereiche des Schiffes zeigen sollen. Zudem hätten medizinische Teams Schutzausrüstung an. Panik herrsche an Bord aber nicht.
Mit an Bord ist auch Helene Goessaert (61). Sie sagte dem belgischen Sender VRT: Man rechne bei einer Reise nicht damit, „dass einer der Mitreisenden es nicht schaffen wird“. Alle an Bord kennen die Risiken, „deshalb hält jeder Abstand“.
Nach WHO-Angaben wurden Passagiere und Besatzung „mit maximaler räumlicher Distanz“ in ihren Kabinen isoliert.
Normalerweise wird das Hantavirus durch Kontakt mit infizierten Nagetieren oder deren Ausscheidungen übertragen. Die WHO geht jedoch davon aus, dass es auf dem Schiff zu einer der seltenen Übertragungen von Mensch zu Mensch gekommen sein könnte. Dies betreffe enge Kontaktpersonen wie das niederländische Ehepaar, das gemeinsam eine Kabine bewohnte.
Als weitere mögliche Infektionsquelle nannte die WHO Landausflüge zur Vogelbeobachtung auf Inseln, auf denen auch Nagetiere leben. Der WHO wurde mitgeteilt, dass es an Bord keine Ratten gebe. Das Risiko für die Allgemeinheit bleibe gering.
Das Kreuzfahrtschiff hatte seine als Naturexpedition beworbene Reise Ende März im südargentinischen Ushuaia begonnen und unter anderem die Antarktis angesteuert. Die Preise für eine Kabine lagen zwischen 14.000 und 22.000 Euro.
Der erste erkrankte Passagier, der Niederländer, starb bereits am 11. April. Seine Leiche blieb bis zum 24. April an Bord und wurde dann auf der Insel St. Helena im Südatlantik an Land gebracht. Seine Frau, die zu diesem Zeitpunkt bereits Magen-Darm-Symptome zeigte, starb zwei Tage später nach einem Flug nach Johannesburg in einer dortigen Notaufnahme.
Reuters/AP/jm/ll