Auch Christoph Vitali bekommt einen Ballon. Geschmückt mit der Kissen-Primel und verbunden mit dem Stern Wega. In dem Kunstwerk „Connections“ hatte die New Yorker Künstlerin Rosemary Mayer (1943 bis 2014) große Heliumballons mit Widmungen zu Ehren besonderer Personen, samt je einer heimischen Pflanze und einem Sternbild versehen. Diese Aktion kommt nun als „Connections (Frankfurt)“ (1978/2026) in die Frankfurter Schirn Kunsthalle, am 9. und 10. Mai ist sie zu erleben.

Eines von vielen Geburtstagsgeschenken an das Publikum an diesem Wochenende: Die Schirn feiert ihr vierzigjähriges Bestehen. Etwas spät, eröffnet worden ist die Kunsthalle am Römerberg am 28. Februar 1986. Aber der Frühling eignet sich besser zum Feiern. Erst recht auf dem Areal rund um den Interimsstandort der Schirn, die Dondorf-Druckerei gleich neben dem Bockenheimer Depot, exakt auf der Grenze zwischen den Stadtteilen Westend und Bockenheim.

Das untermauert gewissermaßen die Feststellungen des Direktors der Schirn, Sebastian Baden, der nicht nur die Architektur und Umgebung am Interimsstandort schätzt. Das Ende 1985 fertiggestellte Schirn-Gebäude, heute mitten in der „Neuen Altstadt“, damals ein Solitär, wird grundlegend saniert und soll nichts weniger als ein Vorbild für energetische Sanierung und Barrierefreiheit werden. Unterdessen sei die Schirn in Bockenheim „phantastisch angekommen“, so Baden. Es sei eine gute Nachbarschaft, und die Schirn versuche bewusst, im Sinne des Kulturcampus kulturelle Unterstützung für eine Stadtteilentwicklung und „Community-Arbeit“ zu leisten. Außerdem verbinde die Schirn nun die Stadt auch geographisch neu. Die vielfältigen Kooperationen, das offene Foyer, das sei die „Erprobung eines neuen Vorbilds“, vieles werde man gern an den Römerberg mit zurücknehmen. Daher auch die Idee mit der Ballon-Kunst.

Viele im Stadtteil Bockenheim ansässige Vereine, wie Infrau, das Mädchenbüro Milena und andere widmen einen Ballon ihnen besonders wichtigen Personen. Die Verbindung zu Blumen und Sternen schaffen die Nachbarn Palmengarten und Physikalischer Verein. Die Schirn selber ehrt mit Vitali den Mann, der vor 40 Jahren als Gründungsdirektor die „Kulturschirn“ am Römerberg eröffnet hat. Vitali, der die Schirn als Teil der städtischen Kulturgesellschaft leitete, zu der etwa auch das Theater am Turm gehörte, verband auch dort die Künste. „Die Maler und das Theater im zwanzigsten Jahrhundert“ hieß seine Eröffnungsausstellung, die Leute kamen in Scharen.

Einer der spektakulärsten Kunstraube der Geschichte

In den 40 Jahren sind bedeutende Ausstellungen gezeigt worden, Kandinsky, Chagall, Magritte, aber auch Ausstellungen zur Geschichte hat es gegeben, später zog die feministische Kunstgeschichte ein, mit Neuentdeckungen und Blockbustern wie Frida Kahlo und Yoko Ono. Und mit der Ausstellung „Goethe und die Kunst“ ereignete sich am 28. Juli 1994 einer der spektakulärsten Kunstraube der Geschichte: Zwei Gemälde von William Turner und eines von Caspar David Friedrich blieben jahrelang verschwunden. Die bewegte Geschichte verknüpft nun die Performance-Künstlerin Lili Reynaud-Dewar in dem eigens produzierten Buch „Perfekte Leben“ mit ihrem eigenen Lebenslauf, diese mit Fotos bestückte künstlerische, aber auch institutions- und gesellschaftskritische Doppel-Biographie, von den Schirn-Freunden unterstützt, wird zum Jubiläum gedruckt vorliegen und mit Lesungen vorgestellt.

Kameraleute filmenn nach dem Kunstraub die leere WandKameraleute filmenn nach dem Kunstraub die leere WandLutz Kleinhans

Der Name „Kulturschirn“ sei ein Arbeitstitel, hatte der damalige Baudezernent Hans-Erhard Haverkampf in der Debatte um das umstrittene Gebäude beschwichtigt, das manche als „Kegelbahn“ bezeichneten. Doch der Titel, auf Schirn verkürzt, blieb, in Erinnerung an die offenen Marktstände des Mittelalters, die einst dort gewesen sind. Eine Art Kulturmarkt hätte die Schirn auch werden sollen, so Hoffmanns Ursprungsidee. Eine internationale Ausstellungshalle, aber eben auch Treffpunkt, Musikschulstandort, Seniorenanlaufstelle und vieles mehr. Ein früher Baustein in Hoffmanns Vorhaben, unter dem Motto „Kultur für alle“ so etwas wie die Kulturhauptstadt Deutschlands zu schaffen. Die Öffnung hin zum Stadtteil knüpft nun daran an.

Zugleich sieht Baden heute, auch dank der Vorarbeit seiner Vorgänger Vitali, Hellmut Seemann, Max Hollein und Philipp Demandt, die Schirn als Mitspieler im internationalen Kunstbetrieb. Die Herausforderung sei wie im Fußball: „Man muss in jeder Saison hohe Leistung bringen, wir haben ausreichend Ideen.“ Dafür braucht es Förderer und Sponsoren jenseits der städtischen Mittel, das bleibe „herausfordernd“, so Baden, er sei aber optimistisch und spürt „internationales Interesse, über Frankfurt hinaus“ auch bei Unterstützern. Für die wird es nach dem Wochenende noch eine Extrafeier geben.