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Sarah Engels aus dem TV-Studio-Vorort Hürth bei Köln war bislang in der leichten Muse unterwegs: DSDS, Musical-Hauptdarstellerin – und als Ex-Ehefrau von Skandalnudel Pietro Lombardi ein Dauerthema in den deutschen Boulevardmedien. Nun haben sich die Dimensionen verändert. Wien, Scheinwerfer auf „unsere“ Kandidatin vor einem Millionenpublikum beim ESC 2026.

Zwischen Leichtigkeit und politischem Druck

Plötzlich muss sich Engels auch politisch äußern. „Für mich ist der ESC ein Ort, an dem Musik verbindet und Menschen zusammenbringt – unabhängig von Herkunft oder politischen Themen. Es geht darum, Geschichten durch Musik zu erzählen und für einen Moment etwas Positives zu schaffen. Genau darauf möchte ich meinen Fokus legen“, sagte sie im Interview mit der FAZ auf die Frage, wie sie zur grassierenden Cancel Culture gegen Pop-Acts aus Israel steht.

Engels entscheidet sich bewusst dagegen, Teil jedweder Eskalation zu werden. Sie räumt ein, dass „schlimme Dinge“ in der Welt passieren, zieht für sich jedoch eine klare Linie: Der ESC sei nicht die richtige Arena für „harte politische Auseinandersetzungen“.

Während sie für Leichtigkeit plädiert, wird genau diese Leichtigkeit angegriffen. Nach ihrem Sieg beim ESC-Vorentscheid schlägt ihr in sozialen Netzwerken Häme und Wut entgegen. Der Hass gehe nicht spurlos an ihr vorbei, sagt sie – ein Preis für ihre unbedarfte Mainstream-Glamour-Vergangenheit. Nun steht sie mitten im Feuer.

Schließlich war sie Kandidatin bei „Deutschland sucht den Superstar“, eine Powerfrau der eher seichten Unterhaltung – eine, von der man flotte Hits erwartet, aber keine Haltung.

Zwischen Bühnenprofi und Buchmacher-Prognosen

„Sie hat eine eigene, ganz neue Marke für sich entwickelt“, diagnostiziert immerhin Kölschrock-Kollege Stephan Brings von der Band Brings („Superjeile Zick“). Der ESC verzeihe keine Unsicherheiten: „Der erste Schuss muss sitzen.“

Während Europa zuschaut, nörgeln die heimischen Kritiker. Die Buchmacher sehen sie bereits auf den hinteren Plätzen, irgendwo zwischen 21 und 29. Hämische Prognosen, die wie ein Echo klingen: niedlich, aber kaum relevant.

Krankheit, Comeback und das Privatleben im Scheinwerferlicht

Parallel dazu läuft ein persönliches Drama mit. Kurz vor der Abreise kursierte ein Foto am Infusionstropf – ein streikender Körper, während die ESC-Maschine weiterläuft. Dann das schnelle Comeback: zurück ins Training, in die Choreografie. Schwäche als kurze Unterbrechung, kein Zustand.

Am Donnerstag, den 7. Mai, ist für Engels die erste Probe in der Wiener Stadthalle.

Julian Engels: der Mann im Hintergrund

Im Hintergrund hält jemand diese Konstruktion stabil. Julian Engels: Ex-Fußballer aus Westfalen, zeitweise in der Major League Soccer aktiv, danach in den unteren deutschen Ligen. Heute Vater ihres zweiten Kindes, Manager, Organisator – einer, der weiß, was es heißt, wenn ein Karriereplan abrupt endet. Er will dafür sorgen, dass hier nichts mehr ins Wanken gerät.

Die Sängerin wurde einst von Klatschreportern am Spielfeldrand gesichtet. Gemeinsame Fotos aus einem Ägyptenurlaub sorgten für Schlagzeilen. Im Jahr 2020 machten die beiden ihre Beziehung offiziell. Julian wechselte zum Bonner SC, um näher bei Sarah sein zu können, erlitt dort einen Kreuzbandriss, der seine aktive Laufbahn beendete – im Juni 2021. Zuvor, im Herbst 2020, erfolgte die Verlobung; 2021 folgte die weithin dokumentierte Hochzeit. Den Klatschreportern fiel dabei ein Detail auf: Julian nahm den Namen seiner Frau an und heißt seither Julian Engels – ein Schritt ins Showbiz-Familienglück.

Raum für jemand Nettes?

So ergibt sich neben ihrer Musik ein Spannungsfeld, das sich kaum auflösen lässt.

Denn egal, wie ihr Choreografie-Song „Fire“ am Ende abschneidet: Sarah Engels steht in Wien nicht nur für Performance-Schlager, sondern für die Frage, ob es in einer überhitzten Öffentlichkeit überhaupt noch Raum für jemanden wie sie gibt – für jemanden, der bewusst nett sein will.

Oder ob der Versuch, das bewusst Unpolitische zu verteidigen, längst selbst zur hoch kontroversen Position geworden ist – bei der es schwerfällt, heiter und unbeschwert zu bleiben.