Kritische Straßennamen

Die Stadt Graz hat am Mittwoch den Endbericht zur Umbenennung kritischer Straßenamen präsentiert. Auf 1.500 Seiten werden darin alle Verkehrsflächen wissenschaftlich aufgearbeitet und historisch eingeordnet, die nach Personen benannt sind. Jetzt sind Zusatztafeln geplant.

06.05.2026 13.08

Online seit heute, 13.08 Uhr

In Graz gibt es knapp 740 personenbezogene Straßennamen. Der Bericht soll eine fundierte Grundlage für den weiteren Umgang mit historisch belasteten Straßennamen schaffen und verdeutlichen, wofür die jeweilige Namensgeberinnen und Namensgeber standen, hieß es im Rahmen einer Pressekonferenz der Stadt Graz am Mittwoch.

Kurzer Lebenslauf und Grund für Straßenbenennung

Der Endbericht liefert detaillierte biografische Analysen und historische Einordnungen. Die Ergebnisse zeigen laut Stadt, dass viele Namensgeberinnen und Namensgeber unter anderem auch in Bezug zum Nationalsozialismus, zu Antisemitismus oder demokratiefeindlichen Haltungen stehen. Die mehrjährige wissenschaftliche Arbeit sei in enger Zusammenarbeit mit der Universität Graz, dem Ludwig-Boltzmann-Institut für Kriegsfolgenforschung und einer Expertenkommission für Straßennahmen durchgeführt worden.

Die Stadt Graz präsentierte den Endbericht zur Umbenennung der Grazer Straßennamen

Foto Fischer

Historiker Stefan Karner, Vizebürgermeisterin Judith Schwentner, Leiterin Ludwig-Boltzmann-Institut für Kriegsfolgenforschung Barbara Stelzl-Marx, Elke Achleitner, Abteilungsleiterin vom Stadtvermessungsamt (v.l.n.r)

Den Vorsitz dieser Kommission führte der anerkannte Historiker und ehemalige Leiter des Ludwig-Boltzmann-Institutes für Kriegsfolgenforschung Stefan Karner: „Die Kommission hat alle Straßennamen überprüft und sich einstimmig für Zusatztafeln entschieden, auch bei belasteten Straßennamen“, betonte Karner. Diese Zusatztafeln sollen den Lebenslauf der Persönlichkeit kurz beschreiben, ebenso den Grund der Straßenbenennung und eine allfällige Belastung des Namensgebers.

Digitaler Stadtplan zum Anklicken

Die aktuelle Leiterin des Ludwig-Boltzmann-Institutes für Kriegsfolgenforschung, Barbara Stelzl-Marx ergänzte: „Straßennamen sind ein wichtiges Instrument von Geschichtspolitik und Erinnerungskultur und sie sind politische Symbole.“ Die Entscheidung, wem eine Straße gewidmet wurde und wem nicht, welche Straße umbenannt wird, gibt laut Stelzl-Marx Aufschluss über den Umgang einer Gesellschaft mit ihrer Geschichte.

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Die Zusatztafeln werden über die gesamte Stadt verteilt. Bis 2028 sollen pro Jahr rund 80 dieser Tafeln im Grazer Stadtgebiet angebracht werden, die historische Hintergründe zu Straßennamen erklären. Parallel zur Veröffentlichung des 1.500 Seiten starken Berichtes wird eine neue digitale Kartendarstellung präsentiert. Damit können Straßennamen direkt im Stadtplan angeklickt und Informationen zu den jeweiligen Namensgebern abgerufen werden. Damit soll das Wissen dokumentiert, sondern auch im Alltag zugänglich gemacht werden.

Mehr Straßen nach Frauen benennen

„Wer durch Graz geht, bewegt sich auch durch Geschichte. Wir wollen, dass diese Geschichte in all ihren Facetten sichtbar und verständlich wird“, sagte Vizebürgermeisterin Judith Schwentner (Grüne) am Montag bei der Präsentation des Endberichtes.

Ein besonderer Fokus bei der Straßenbenennung liegt künftig laut Stadt Graz auf einer ausgewogenen Sichtbarkeit von Frauen im öffentlichen Raum. Derzeit seien weniger als zehn Prozent der Grazer Straßen nach Frauen benannt. Bereits umgesetzt oder beschlossen wurden unter anderem folgende Umbenennungen.

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