Wiens Altbauten prägen nicht nur das Stadtbild, sondern sind auch ein wichtiger Faktor für leistbares Wohnen. Um diesen Bestand langfristig zu sichern, setzt die Stadt verstärkt auf Kontrolle und klare Regeln.
WIEN/PENZING/WÄHRING. Die Offensive Altbautenschutz ist mittlerweile in 13 Bezirken Wiens aktiv geworden und startet jetzt auch in Penzing und in Währing. Das Ziel ist es, gleichermaßen die Bausubstanz des Wiener Altbaus aktiv zu schützen, als auch den leistbaren Wohnraum in den Gründerzeithäusern zu bewahren.
Das konsequente Vorgehen gegen den schleichenden Verfall von Altbauten zeige Wirkung und entzieht potentiellen Spekulationsobjekten proaktiv den Nährboden. Bei einem Medientermin am Mittwoch, 6. Mai, im Penzinger H.C. Artmann-Park wurde über die neuesten Entwicklungen informiert und Bilanz gezogen.
Außerdem wurden Einblicke in die tägliche Praxis der verschränkten Arbeit im Magistrat ermöglicht, die baurechtliche Situation beleuchtet und die direkte Bedeutung für lebendige Grätzln veranschaulicht. MeinBezirk war mit dabei:
Wohnbaustadträtin Elke Hanel-Torsch (SPÖ) betonte dabei die doppelte Bedeutung der Maßnahmen: „Der Schutz unserer Altbauten ist nicht nur eine Frage des Stadtbilds, sondern auch ein wesentlicher Beitrag zur Sicherung von leistbarem Wohnraum.“
Seit dem Start der Offensive im April 2023 wurden bereits tausende Gebäude überprüft. Konkret fanden in mehreren Bezirken gemeinsame Screenings der Baupolizei und der Gruppe Sofortmaßnahmen statt. Insgesamt wurden mehr als 7.000 Häuser kontrolliert, wobei zahlreiche Mängel festgestellt wurden – von feuerpolizeilichen Problemen bis zu baulichen und sanitären Defiziten.
Kontrollen werden ausgeweitet
Penzings Bezirksvorsteherin Michaela Schüchner (SPÖ) sieht darin einen wichtigen Schritt: „Gerade in einem wachsenden Bezirk ist es entscheidend, bestehenden Wohnraum zu erhalten und die Lebensqualität im Grätzl zu sichern.“
Die Kontrollen erfolgen systematisch und unangekündigt. Dabei werden Gebäude umfassend geprüft – nicht nur baulich, sondern auch hinsichtlich Sicherheit und Hygiene. „Wir gehen Haus für Haus vor und schaffen so eine solide Grundlage für Verbesserungen“, erklärt Walter Hillerer von der Gruppe Sofortmaßnahmen.
Ein Großteil der festgestellten Mängel betrifft den Brandschutz, gefolgt von baulichen Problemen. Diese werden dokumentiert und an die zuständigen Stellen weitergeleitet. Ziel ist es, Missstände rasch zu beheben und langfristig vorzubeugen.
Neues Gebäudepickerl bringt Kontrolle
Neben den Screenings setzt die Stadt auf eine weitere Maßnahme: das sogenannte Bauwerksbuch, oft auch als „Gebäudepickerl“ bezeichnet. Eigentümer sind künftig verpflichtet, den Zustand ihrer Gebäude regelmäßig zu dokumentieren. Die Fristen für diese Dokumentation laufen gestaffelt bis 2030. Auch strengere gesetzliche Vorgaben zeigen bereits Wirkung: Seit der Novelle der Bauordnung wurde kein Antrag auf „wirtschaftliche Abbruchreife“ mehr genehmigt.

MeinBezirk sprach abschließend mit Rainald Löscher von der MA37-Baupolizei über die neuen Altbau-Kontrollen. Eigentümer seien verpflichtet, Mängel zu beheben – finanzielle Argumente gelten dabei kaum. Diverse Förderungen seien jedoch möglich, um notwendige Sanierungen zu unterstützen.
Laut Löscher gebe es Probleme quer durch Wien, oft weil zu wenig investiert wird. Besonders drastisch war ein Fall, bei dem Migranten illegal in Büros untergebracht und als Wohnungen vermietet wurden – ohne Infrastruktur. Die Baupolizei griff ein, solche Verstöße können mit Strafen bis zu 100.000 Euro geahndet werden.
Die Stadt verfolgt somit einen klaren Ansatz: Kontrolle, Unterstützung und langfristige Planung sollen gemeinsam dazu beitragen, Wiens Altbaucharakter zu bewahren.
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