Ausstellung "Jeewi Lee - Where Fragments Linger by the Sea" in Wilhelmshaven

AUDIO: Kunsthalle Wilhelmshaven beschäftigt sich in Ausstellung mit Sand (4 Min)

Stand: 06.05.2026 10:50 Uhr

Am Strand gibt es ihn zuhauf, aber auch auf der Baustelle oder im Wald: Sand. Ihm ist in der Kunsthalle Wilhelmshaven aktuell eine Ausstellung gewidmet. „Jeewi Lee – Where Fragments Linger by the Sea“ läuft bis zum 21. Juni.

von Frank Jakobs

An den Stränden der Welt hat die Künstlerin Jeewi Lee die Sandkörner gefunden, die sie zu Skulpturen und abstrakten Sandmalereien verarbeitet. Auf Mallorca, in Korea, den USA, Portugal – und in Wilhelmshaven.

„Wir fanden es spannend, die Sandkörner unter dem Mikroskop uns anzuschauen, um zu entdecken, wie unglaublich komplexe Formen dahinterstecken und wie unterschiedlich jedes Sandkorn ist“, erzählt die Künstlerin.

Künstlerin schafft Riesenkörner aus Sand

Zusammen mit dem Geometriewissenschaftler Phillip C. Reiner hat Jeewi Lee die Millimeter kleinen Sandkörner mit einem CT-Scan durchleuchtet, einer Art Röntgengerät. Bis zu neun Stunden dauert ein solcher Scan. Auf den gescannten Bildern fanden sie diese ungewöhnlichen Strukturen. Die haben sie vergrößert und so Riesenkörner aus Sand geschaffen: mit einem aufwändigen 3-D-Druck-Verfahren, so Reiner.

„Die kommen nicht eins zu eins so aus dem Drucker. Man muss diesen Sand danach infiltrieren, also mit Kunstharz einsprühen. Dann verhärtet das. Man muss teilweise Bewährungsstäbe einsetzen, Kanten verfugen – das ist ein großer Prozess mit einer Vielzahl an Materialien“, erklärt der Wissenschaftler.

Prozess dauert mehrere Monate

Mehrere Monate dauert dieser künstlerische Prozess vom echten kleinen Sandkorn bis zur fertigen Plastik. Die so entstandene Sandkorn-Skulptur aus Wilhelmshaven hat einen Durchmesser von etwa einem Meter und wiegt 180 Kilo. Sie erinnert an eine Mondkugel mit Kratern und kleinen Hügeln. Eine Nachbildung eines mallorquinischen Sandkorns sieht aus wie ein Stab mit einer Art Kuppel am Ende. Die Skulptur ist von kleinen Tunneln im Inneren durchzogen.

Doch nicht nur Skulpturen finden sich in der Ausstellung, sondern auch abstrakte Sandmalereien, die Künstlerin Jeewi Lee hergestellt hat. Die Symbolik, die in einem Sandkorn steckt, hat die Künstlerin angesprochen.

Südkoreanerin Jeewi Lee: „Sand ist immer in Bewegung“

Sand ist immer in Bewegung. Von Strand zu Strand von Küste zu Küste. Vielleicht auch indirekt mit meiner Biografie zusammenhängend, weil ich als Kind und Jugendliche viel umgezogen bin. Meine Eltern sind Künstler und ich hab mich immer gefühlt wie ein Sandkorn, das an neuen Orten angespült wird.

Künstlerin Jeewi Lee

Jeewi Lee ist in Südkorea geboren. Heute lebt und arbeitet sie in Berlin und Seoul. Auch sie ist für ihre Kunst immer viel unterwegs, wie ein Sandkorn. Doch es gibt noch mehr, das sie mit ihren Sand-Skupturen und Gemälden ausdrücken will.

„Ich fand es spannend, dass Sand nach Wasser die meistgenutzte Ressource von uns Menschen ist, und wir sehr abhängig von Sand sind. Weil nicht nur Beton, Glas, Mikrochips, ohne Sand nicht existieren würden. Aber auch das ganze Wasser, womit wir duschen oder trinken, ist mit Sand gefiltert. Sogar die Jeans, die wir anhaben, würde es ohne Sand nicht geben.“

Eine Skulptur einer halb liegenden Meerjungfrau in Grün.

Die Ausstellung „We are all Mermaids“ in der Kunsthalle Wilhelmshaven wirft einen neuen Blick auf den Meerjungfrauen-Mythos.

Mensch verbraucht täglich etwa 18 Kilo Sand

Jeder Mensch verbraucht demnach etwa 18 Kilo Sand am Tag. Auch in Wilhelmshaven spielt der Sand am Strand und als Baustoff eine wichtige Rolle. Schließlich musste der einstige Geniusstrand für den Jade-Weser-Port weichen, bei dessen Bau Unmengen Sand verarbeitet wurden. Auch jetzt wird am Jadebusen für die Energiewende viel gebaut.

Den Bezug zu Wilhelmshaven stellt Jeewi Lee in ihren Werken auch immer wieder her. Diese ungewöhnlichen und doch alltäglichen Sandskulpturen und Bilder können Besucher in der Kunsthalle Wilhelmshaven noch bis Ende Juni bestaunen.

Eine Skulpturengruppe. Equipo Crónica, Spanische Prinzessin, Edelleute, Hofnarren und Hund, 1981

In Wilhelmshaven präsentieren Sammler ihre Lieblingsstücke. Mit dabei: Kettensägen, Haarspangen und Quietscheenten.

Direktorin der Kunsthalle Emden Ina Grätz (1.v.r.) führt Olaf Lies, Elke Büdenbender, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Falko Mohrs durch die Ausstellung.

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