Nicht nur die Opposition übt scharfe Kritik gegen die Stadt Wien nach dem jüngsten StRH-Bericht, sondern auch eine Initiative von vier privaten Kindergartenträgerinnen. Zur Erinnerung: es wurde bekannt, dass die Stadt für drei Jahre keine Daten zur Finanzierung der Plätze hat sowie die privaten Träger nur anhand Schätzungen finanziert werden.
WIEN. Nachdem der Stadtrechnungshof (StRH) in einem Prüfbericht (MeinBezirk berichtete) gezeigt hat, dass die Stadt Wien keine Daten für drei Jahre zur Finanzierung von städtischen Kindergartenplätzen hatte und Kosten für private Trägervereine nur geschätzt wurden, wird scharfe Kritik am zuständigen Bildungsressort geübt.
Die ÖVP Wien sprach von „fehlender Transparenz“ und „mangelhafter Kostenkontrolle“, weshalb man eine komplette Neuaufstellung der MA 10 (Kindergärten) fordert. Ähnlich sehen es auch die FPÖ und die Grünen – siehe unten mehr.
Unterschiede bei Gehältern
Das Büro von Bildungsstadträtin Bettina Emmerling (Neos) teilte gegenüber MeinBezirk mit, dass man seit Anfang des Jahres an einem neuen Fördersystem basteln würde, mithilfe einer externen Firma. Weiter heißt es, die Unterschiede zu privaten Kindergärten werden damit erklärt, dass städtische Einrichtungen teurer strukturiert sind. Etwa wegen mehr Personal, Inklusion und längerer Öffnungszeiten.

Zudem wird beim städtischen Kindergartenpersonal das Gehaltsschema der Stadt Wien angemeldet, während im privaten Bereich der Kollektivvertrag der Sozialwirtschaft Österreich (SWÖ) gilt, der eine geringere Bezahlung vorsieht. Im Schnitt sei das ein Unterschied von rund 300 Euro brutto monatlich bei vergleichbarer Einstufung, so das Emmerling-Büro gegenüber MeinBezirk.
Initiative: „Strukturelles Ungleichgewicht“
Am Tag danach haben sich vier private Träger zu Wort gemeldet und scharfe Kritik an der Stadt geübt. In einer Aussendung berichtet die „Träger*inneninitiative Elementare Bildung Wien“, die die „Diakonie Bildung“, „Kinderfreunde Wien“, „Kinder in Wien“ (KIWI) und die St. Nikolausstiftung beinhaltet, über ein „strukturelles Ungleichgewicht zulasten der privaten Trägerinnen und Träger“. Ein Platz in einem städtischen Kindergarten kostet durchschnittlich 13.767 Euro pro Jahr, bei privaten Trägerinnen und Träger lediglich 9.088 Euro pro Kind.
„Die als Begründung genannten knapp 1.500 Inklusionsplätze fallen bei über 30.000 von der Stadt Wien betreuten Kindern rechnerisch kaum ins Gewicht, sodass sich eine nicht zu rechtfertigende finanzielle Differenz ergibt. Bis 2020 war es privaten Trägerinnen und Träger überhaupt nicht möglich, sogenannte „Integrationsgruppen“ zu führen. Ab 2020 wurden vereinzelt Integrationsgruppen seitens der Behörde genehmigt“, heißt es.

Die Differenz sei für die vier Träger „politisch nicht länger vertretbar“: „Wir leisten tagtäglich dieselbe pädagogische Arbeit mit deutlich weniger Mitteln – und halten dennoch höchste Qualität und Einsatz aufrecht. Dieses System ist weder fair noch nachhaltig.“
Rasche Gespräche gefordert
Mit Nachdruck fordere man: ein rasches, transparentes und faires neues Fördersystem, gleiche Rahmenbedingungen für alle Träger, kleinere Gruppen sowie einen besseren Personalschlüssel und zu guter Letzt eine gleiche und faire Bezahlung aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Zudem fordert man einen „sofortigen und ernsthaften Dialog“ mit der Stadt, weil man Lösungen benötige. „Jedes Kind in Wien muss der Stadt gleich viel wert sein. Ein Zwei-Klassen-System in der elementaren Bildung darf es nicht länger geben.“
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