
Ein Showroom von BYD in Stuttgart.
picture alliance / imageBROKER | Michael Weber
Chinesische Automarken haben ihren Marktanteil in Europa innerhalb von drei Jahren von 2,1 auf über acht Prozent gesteigert – bei Elektroautos sogar auf über 13 Prozent. Das berichtet das „Handelsblatt“.
Statt Fahrzeuge aus China zu exportieren, setzen die Hersteller zunehmend auf lokale Produktion in Europa: BYD startet sein Werk in Ungarn, Chery beginnt die Fertigung in Spanien, Geely investiert in regionale Forschungs- und Designzentren.
Laut Analyst Matthias Schmidt werden sich langfristig vor allem BYD, SAIC und Chery auf dem europäischen Markt durchsetzen.
Chinesische Autohersteller gewinnen auf dem europäischen Markt rasant an Boden. Wie aus einer Auswertung von Dataforce-Daten durch das „Handelsblatt“ hervorgeht, haben die 21 größten chinesischen Automarken im ersten Quartal mehr als acht Prozent aller in Europa verkauften Neuwagen ausgemacht. Vor drei Jahren seien es lediglich 2,1 Prozent gewesen. Besonders deutlich zeige sich der Trend bei Elektroautos: Chinesische Anbieter kämen dort mittlerweile auf einen Anteil von über 13 Prozent, verglichen mit knapp sieben Prozent im selben Zeitraum vor drei Jahren.
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Lokale Produktion statt reiner Export
Die führenden chinesischen Konzerne planen, ihre Expansion in Europa weiter zu intensivieren. Geely-Manager Victor Yang habe dem „Handelsblatt“ gesagt, man wolle „weiter in Europa investieren“. Chery-Chef Yin Tongyue habe kürzlich erklärt, die Investitionen in Europa – „vor allem in Deutschland“ – erhöhen zu wollen. Der chinesische Marktführer BYD wolle in den jeweiligen Zielmärkten zu einer „stärkeren lokalen Marke werden“, wie Vizechefin Stella Li erklärt habe.
Dabei verfolgen die Hersteller laut der Zeitung eine neue Stoßrichtung: Statt Fahrzeuge vorwiegend aus China zu exportieren, streben sie zunehmend eine Produktion direkt in Europa an. Erste Werke seien bereits in Betrieb oder kurz davor. So solle das BYD-Werk in Ungarn nach einem laufenden Testbetrieb noch in diesem Jahr in die reguläre Fertigung gehen, die Produktion von Chery in Spanien stehe ebenfalls kurz vor dem Start. Parallel dazu würden europäische Hersteller wie VW oder Volvo erwägen, chinesischen Unternehmen Teile ihrer Produktionskapazitäten zu überlassen.
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Ambitionierte Ziele
Geely setze nach einer ersten Expansionsphase, die auf Exporte und Beteiligungen – etwa die Volvo-Übernahme 2010 – gesetzt habe, nun auf Kooperation und lokale Vernetzung. Mit Forschungs- und Designzentren in Göteborg, Coventry, Frankfurt und Mailand sowie der Zusammenarbeit mit europäischen Zulieferern wolle Geely bis 2027 mehr als eine Million Fahrzeuge jährlich außerhalb Chinas absetzen.
Changan wiederum habe seinen „Großen Ozeanplan 2.0“ vorgestellt, der eine stärkere lokale Verankerung anstelle bloßer Globalisierung vorsehe. Bis 2030 sollen bis zu 1,8 Millionen Fahrzeuge im Ausland verkauft werden.
Analyst Matthias Schmidt vom gleichnamigen Beratungsunternehmen erklärte der Zeitung: „In Europa dürften sich langfristig vor allem drei Hersteller durchsetzen: BYD, SAIC und Chery.“
jm