Die ersten Delegationen der 35 teilnehmenden Länder sind schon in Wien gelandet, auch die internationalen Songcontest-Fans werden in Kürze unübersehbar in der Stadt unterwegs sein. Und spätestens am kommenden Sonntag (10. Mai) mit dem „Turquoise Carpet“, über den die Sängerinnen und Sänger aller ESC-Länder über den Rathausplatz ins Rathaus einziehen, hat der Song Contest die Stadt stimmungsmäßig und optisch fest in der Hand.
Die Zahl der sogenannten Side-Events bis zum Finale am 16. Mai ist dabei unüberschaubar groß und selbst für die größten Hardcorefans nicht bewältigbar: Ein kleines Best of der Song Contest-Feierlichkeiten in Wien.
Es wird bunt, es wird laut, es wird sehr voll: Für alle ESC-Fans und Menschen, die die traditionell sehr gute ESC-Stimmung miterleben wollen, ist ein Besuch am Rathausplatz zweifellos Pflicht: Am Sonntag (10. Mai) wird das dortige Eurovision Village eröffnet, bei der „Opening Ceremony“ können (wegen des Einzugs der ESC-Stars über besagten türkisen Teppich) „nur“ 10.000 Fans dabei sein, an den anderen Tagen ist Platz für 15.000 Gäste. Bei den drei Live-Shows (also den beiden Halbfinal-Shows am Dienstag und Donnerstag sowie dem Finale am Samstag) wird außerdem der Universitätsring auf Höhe des Rathausplatzes gesperrt, damit können hier sogar bis zu 30.000 Besucherinnen und Besucher feiern und den ESC verfolgen.
Abgesehen von Wiens mit Abstand größtem Public Viewing mit gleich 15 Bildschirmen und viel Gastro (wie man sie vom Filmfestival im Sommer kennt) gibt es auch an den anderen Tagen im Eurovision Village Clubbings, Karaoke, Konzerte (u.a. früherer ESC-Sieger wie Lordi und Erika Vikman) und vieles mehr, darunter, vielleicht ein wenig überraschend, auch ein „interreligiöser Pavillon“: Die Erzdiözese Wien will damit unter dem Motto „United in Humanity – Connected by Music“ interkulturellen und -religiösen Austausch ermöglichen. Am Projekt sind zahlreiche Religionsgemeinschaften von Buddhismus über Judentum bis Islam beteiligt.
Wichtig: Wegen der angespannten Sicherheitslage sind die Kontrollen in diesem Jahr sehr streng, es gibt (nur) vier Zugänge, an denen alle Taschen durchsucht, alle Besucher mit Handscannern kontrolliert werden. Bei der Opening Ceremony am 10. Mai und beim Finale (16. Mai) gilt überhaupt eine „No Bag Policy“: Taschen sind also gar nicht erlaubt (außer sie sind transparent und maximal im A6-Format, also richtig klein), an den anderen Tagen darf die Tasche maximal im A4-Format sein. Und wer nicht großen Wert auf eine Live-Übertragung legt oder das Finale verpasst: Am Sonntag (17. Mai) wird hier das ESC-Finale (ab 14.30 Uhr) während einer Après-Show-Party noch einmal gezeigt.
Wer die drei Song Contest-Shows in der (größeren) Gruppe schauen möchte, aber sich nicht in die Massen auf dem Rathausplatz stürzen will: Wien hat tatsächlich eine sehr feine Auswahl an durchaus überraschenden Public-Viewing-Orten: Das Public Viewing im MAK ist leider schon ausgebucht, wer den übergroßen Gesangsbewerb aber gern im kulturellen Setting erleben will: Die Volksoper lädt ebenfalls zum Public Viewing der Finalshow (16. Mai). 1.300 Gratis-Karten werden (ab 9. Mai, 10 Uhr) ausgegeben: Online über volksoper.at oder an den Volksoper-Kassen. Auch nett: Vor der Volksoper singt der Chor der Volksoper (11., 13. und 15. Mai, jeweils um 18 Uhr) Hits aus der ESC-Geschichte von „Volare“ bis „Hold me now“. Mitsingen ist ausdrücklich erwünscht, einfach hinkommen.
Den Song Contest in einem der hübschesten Wiener Gärten verfolgen kann man im Palais Auersperg, das alle drei Shows bei freiem Eintritt zeigt, allerdings dürfen hier nur jeweils 450 Menschen gleichzeitig dabei sein. Wer vom Feiern nicht genug bekommt (und sich einen Platz sichern will), kann auch schon früher kommen: Tagsüber legen hier DJs auf. Bei Schlechtwetter wird die ESC-Sause vom Garten hinein in den Prunksaal verlegt. Auch nicht schlecht.
Die Strandbar Herrmann zeigt die drei ESC-Shows in ihrem Pavillon. Dresscode: Glitzer. Clemens Fabry
Das Hotel Jaz in the City im Sechsten zeigt ebenfalls alle drei Shows in seiner Rooftop Bar Maria Trink. Und die bei diversen Fußball-Europa- und Weltmeisterschaften als Public Viewing-Ort allerbestens etablierte Strandbar Herrmann lädt zum (im Vergleich zu den Fußballübertragungen) nicht ganz so großen ESC-Schauen in ihren Pavillon: Gezeigt wird hier die Show mit englischsprachiger Moderation. Dresscode, wie es sich gehört: Glitzer. Mehr Public Viewing-Orte unter eurovision.wien.gv.at
Apropos Dresscode: Die Wienxtra Jugendinfo (1., Babenbergerstr., Hof 2, 12 bis 16 Uhr) richtet unter dem Motto „Satellite of Style“ am kommenden Samstag (9.5., 12 bis 16 Uhr) eine Kleidertauschbörse für Jugendliche und junge Erwachsene (13 bis 26 Jahre) aus: Jede und jeder ist eingeladen, mit fünf (gewaschenen) Kleidungsstücken zu kommen und diese zu tauschen. Schülerinnen und Schüler der Modeschule Hetzendorf helfen beim Styling und können frisch ertauschte Ware spontan verschönern.
Nein, man braucht keinen Tanzschein, um an einem (oder mehreren) der vielen, vielen ESC-Clubbings teilzunehmen. Auch hier ist es gar nicht leicht, den Überblick zu bewahren, eine kleine Auswahl für Tanzfreudige: Die offiziellen Aftershow-Partys des ESC finden im Praterdome am Riesenradplatz statt, wobei „Aftershow“ hier sehr dehnbar ist: Denn von 11. bis 16. Mai geht es schon am Nachmittag los, die ESC-Shows werden hier übrigens auch übertragen. Eintritt ab 18 Jahren, eine Ausnahme ist die Kinderdisco am Samstag (16. Mai 14 bis 18 Uhr), wenn der Praterdome den Vier- bis Zwölfjährigen gehört.
Auch die Donau wird zum Dancefloor, also fast: Die DDSG veranstaltet von 9. bis 17. Mai täglich „Disco Cruises“, bei denen DJs auflegen und man an Bord der MS Vienna tanzen und die Wiener Skyline bewundern kann. Klingt lustig (und sehr insta-tauglich). Los geht es beim Schifffahrtszentrum Reichsbrücke am Handelskai. Tickets (unbedingt vorab besorgen): 44 Euro unter ddsg-blue-danube.at
Auf der MS Vienna finden ab Samstag täglich Disco Cruises anlässlich des Eurovision Song Contests statt. DDSG/Daniel Bohmann
Auch die Wiener Cafetiers klinken sich in den ESC-Trubel ein: 21 Kaffeehäuser sind bereits offizielle „Eurofan Cafés“, in denen sich Fans und Delegationen (und vielleicht auch die Künstlerinnen und Künstler) treffen sollen. Jedes Café hat dabei ein oder zwei Gastländer zugelost bekommen und sich entsprechende Deko oder typische Speisen der jeweiligen Länder überlegt. Im Landtmann etwa, das das Vereinigte Königreich und Malta hostet, gibt es am 14. Mai ein „Breakfast & Music“-Special (ab 7.30 Uhr) mit, genau, Song Contest-Musik. Auch die ESC-Shows werden in einigen Eurofan Cafés (u.a. Hummel, Schopenhauer) übertragen.
Das Café Eiles hat die Länder Italien und Estland gezogen und serviert italienische Drinks und baltische Snacks, unter anderem bei einer Karaoke-Nacht (12. Mai, ab 20 Uhr) mit dem Motto „Sing the Nations“. Und wenn das Finale geschlagen ist, können Fans und Delegationen des Siegerlandes im Eiles am Sonntag (17.5.) auf ein Glas Gratis-Sekt oder Bier zum Anstoßen vorbeikommen (12 bis 15 Uhr). Das ganze Programm der Eurofan Cafes unter: eurofan-cafe.com
Insgesamt 21 Wiener Cafés wie das Eiles sind nun „Eurofan Cafés“, in denen man Delegationen aus den teilnehmenden Ländern treffen kann und typische Landesspeisen verkosten. Clemens Fabry
Auch das Wien Museum versteht sich als Treffpunkt für Fan-Communities und wird ab 11. Mai daher zum „Eurofan House“. Täglich gibt es hier bei freiem Eintritt Programm wie Vorträge, Diskussionen, auch Österreichs offizieller Song Contest-Fanclub OGAE Austria schlägt hier seine Zelte auf. Auch hier gilt während der ESC-Woche eine No Bag-Policy: Taschen und Jacken muss man im Erdgeschoß abgeben. (wienmuseum.at)
Auch andere Museen haben sich spezielle Programmpunkte zum Song Contest überlegt: Die Österreichische Nationalbibliothek etwa bietet eine Führung „Qu(e)er durch den Prunksaal“ (Sa., 9.5., 15 Uhr), die „den Regenbogenspuren in historischen Dokumenten des Kaiserhauses“ folgt sowie „die Vielfalt berühmter Persönlichkeiten der Habsburger“ beleuchtet, hat aber auch in den Dependancen wie dem Globenmuseum Spezialführungen am Programm (Termine unter onb.ac.at).
Mehr über den Song Contest als wichtige Veranstaltung für die LGBTQ-Community erfahren kann man in der Ausstellung „United by Queerness“ im Zentrum für queere Geschichte Qwien in Margareten, das derzeit bis zum Ende des ESC täglich von 13 bis 18 Uhr geöffnet hat (qwien.at).
Wem die aktuellen Song Contest-Stars in Wien nicht genug sind: Es gibt sie auch aus Wachs, zumindest einige: Conchita und Udo Jürgens kann man schon länger bei Madame Tussauds im Prater besichtigen. Ab Donnerstag (7. Mai) gibt es dort nun überhaupt einen eigenen ESC-Bereich, der mit der Enthüllung der vier ABBA-Wachsfiguren – die Band gewann bekanntlich für Schweden im Jahr 1974 mit „Waterloo“ – am Mittwochabend eröffnet wird. Mehr unter madametussauds.com/wien
Auch eine Wachsfigur von Udo Jürgens ist bei Madame Tussauds im Wiener Prater zu sehen. Madame Tussauds Wien