Der angekündigte Abzug von US-Truppen aus Deutschland – und möglicherweise auch aus anderen europäischen Ländern – ist nur das jüngste Ereignis in einer tektonischen Verschiebung der transatlantischen Beziehungen.

Auch der Iran-Krieg der israelisch-amerikanischen Allianz legt tiefe Brüche zwischen dem alten und dem neuen Kontinent offen. Interessante und wegweisende Fragen über die künftige Ausgestaltung der Partnerschaft zwischen den USA und Europa erheben sich.

Partnerschaft USA–Europa: Höchste Zeit, dass der alte Kontinent erwachsen wird! Aber Achtung: Europa ist nicht die EU

Nüchtern festzustellen ist, und jeder spürt es am eigenen Leib und Portemonnaie: Die Militärschläge auf Teheran und die Blockade der Strasse von Hormus haben massive Konsequenzen für die globalen und die europäischen Märkte.

Washington musste sich dieser möglichen und wahrscheinlichen Folgen seiner Militäraktion bewusst gewesen sein. Es nahm sie in Kauf – ohne die europäischen Partner an Bord zu holen. Der öffentlich ausgetragene Streit um eine Nato-Beteiligung im Golf ist sichtbares Symptom dieser Entfremdung.

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Die vielleicht wichtigste, grundlegende Frage in diesem Zusammenhang lautet: Wie sollen die transatlantischen Beziehungen künftig gestaltet werden? Wie soll Europa auf die mehr als deutlichen Signale Washingtons reagieren, dass die USA auf eigene Faust ihre Vorstellungen, Interessen, Ziele in der Welt durchzusetzen versuchen?

Die lange Zeit seit dem Zweiten Weltkrieg, in der Europa und insbesondere Deutschland – nach den Schrecken der Nazi-Barbarei nicht unbegründet – in einer Art betreuten Werkstatt aufwuchsen, ist vorüber. Europa erwacht im Erwachsensein. Die USA ziehen die Krücken und Stützen weg. Nun heisst es: Lauft selbst!

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Manches, was die Trump-Regierung tut, ist nervig, anderes ist wohltuend, weil es die Europäer aus ihren realitätsfremden Träumen schüttelt.

Auch die Schweiz ist davon betroffen, genauso wie die übrigen europäischen Staaten. Stichworte wie die US-Zölle oder Probleme mit Verträgen und Lieferungen im Rüstungsbereich zeigen es.

Was also wäre eine angemessene, zukunftsfähige Antwort auf all diese Herausforderungen? Hier eine umfassende Lektion zu erteilen, wäre vermessen. Aber sicher nicht falsch ist, wenn sich Europa und die Schweiz auf ihre je ureigenen Interessen besinnen. Eigentlich müssten die Europäer dankbar sein für den Realitätsschock aus Übersee und die Chance nutzen, einen prosperierenden Kontinent aufzubauen.

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«Switzerland first» und «Europe first»? Ja, durchaus, wenn das heisst, dass realistische Perspektiven des wohlverstandenen nationalen Interesses an die Stelle von Ideologien und Illusionen treten.

Dabei ist Brüssel besonders gefordert. Europa, man kann es nicht genug betonen, ist nicht die Europäische Union – ein Gebilde, das zunehmend autoritär, freiheits- und bürgerfeindlich agiert und bürokratisch zu versteinern droht. Europa ist viel mehr als die EU.

Es ist Zeit, die Fesseln zu sprengen. Vielfalt, Erfindungsgeist, Freiheit sind das Vermächtnis des Kontinents. Niemand kann das zuschütten – ausser die Europäer selbst.