
AUDIO: Filmtipp: „Nürnberg“ mit Russell Crowe als Hermann Göring (4 Min)
Stand: 06.05.2026 18:17 Uhr
„Nürnberg“ erzählt die wahre Geschichte des Psychiaters Douglas M. Kelley, der beim Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess gegen die NS-Spitze die Angeklagten betreute. In den Hauptrollen Rami Malek als Kelley und Russell Crowe als Hermann Göring.
1945 im zerbombten Nürnberg. Der amerikanische Militärpsychiater Douglas M. Kelley soll beim Prozess gegen die größten NS-Kriegsverbrecher die Angeklagten begutachten und betreuen. Besonders Reichsmarschall Hermann Göring fasziniert ihn. Immer wieder besucht ihn Kelley in seiner Zelle und baut ein Vertrauensverhältnis zu ihm auf.
Video:
Trailer zum Film „Nürnberg“ (2 Min)
Russell Crowe als überlebensgroßer Göring
Rami Maleks Kelley entwickelt eine seltsame Zuneigung zu Göring. Diese wird erst gebrochen, als der Psychiater im Laufe des Prozesses realisiert, dass sein neuer Freund doch tiefer als behauptet in den Holocaust verstrickt war. Russell Crowe gibt Göring als jovialen Manipulator und überlebensgroßen Machtmenschen. US-Chef-Ankläger Robert Jackson ist ihm im Gerichtssaal nicht gewachsen. Deswegen bittet er Kelley darum, ihn mit Material zu versorgen.
„Ihre Patienten – ich möchte, dass Sie anfangen, die richtigen Fragen zu stellen!“
„Was sind die richtigen Fragen?“
„Was sie ihren Anwälten erzählen, was ihre Pläne sind, sich zu verteidigen.“
„Ich soll für Sie spionieren.“
„Sie sollen Ihre Pflicht gegenüber Ihrem Land erfüllen.“
„Nein, Sie verlangen von mir, die ärztliche Schweigepflicht zu verletzen.
Dialog aus „Nürnberg“
Wenn der Nürnberger Prozess zur Gerichts-Show schrumpft
Der Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess bildet den Hintergrund für das psychologische Duell zwischen Kelley und Göring. Natürlich muss ein solches Drama zuspitzen, verdichten und vereinfachen. In „Nürnberg“ gerät historisch aber doch manches in Schieflage. Nicht nur, weil der Film den Eindruck vermittelt, die Alliierten hätten die Angeklagten einzig mithilfe der Aufzeichnung eines Psychiaters als Täter überführt und nicht aufgrund tausender Dokumente und hunderter Zeugenaussagen.
Den monumentalen Kriegsverbrecherprozess schrumpft Drehbuchautor und Regisseur James Vanderbilt zu einem Courtroom-Drama zusammen.
Görings tagelanges, schleppendes Kreuzverhör wird hier zu einem knackigen Schlagabtausch verknappt. Fast erwartet man, dass Jackson Göring irgendwann wie in „Eine Frage der Ehre“ anbellt: „Hermann, haben Sie den Code Red befohlen?!“ Abgesehen von Görings Auftritt bleibt der Prozess eine Leerstelle, auch wenn sich der Film zumindest eingangs bemüht, ihn in seiner historischen Einzigartigkeit zu würdigen.

Mit den Nürnberger Prozessen begann ein wichtiges Kapitel der Aufarbeitung der NS-Vergangenheit. Ein Gespräch mit dem Historiker Norbert Frei 2020.
„Nürnberg“ erliegt der Faszination des Bösen
Nur wenige Regisseure schaffen es, das Grauen der NS-Verbrechen in eine überzeugende filmische Form zu bringen. Was zuletzt Jonathan Glazer mit „The Zone of Interest“ so meisterhaft gelang, funktioniert in dieser konventionellen Dramaturgie nicht.
Dass James Vanderbilt die erschütternden Filmaufnahmen aus den Konzentrationslagern verwendet, die damals vor Gericht gezeigt wurden, wirkt innerhalb dieses hochglanzpolierten Unterhaltungsfilms fast unanständig.
Denn eine echte Auseinandersetzung mit Schuld und Verantwortung liefert „Nürnberg“ nicht. Dafür erliegt der Film selbst zu sehr der Faszination des Bösen.

Ende 1945 beginnt der erste der Nürnberger Prozesse. Das Dokudrama verwebt Spielszenen, kolorierte Originalaufnahmen und Neudreh.

„Treasure“ oder „Zone of Interest“ werfen einen anderen Blick auf Auschwitz und den Holocaust. Können sie einen Beitrag zur Erinnerungskultur leisten?

Nach dem Krieg sind die deutschen Städte eine Trümmerlandschaft. Das Land wird in vier Besatzungszonen aufgeteilt.

Nürnberg
Genre:
Drama
Produktionsjahr:
2025
Produktionsland:
USA
Zusatzinfo:
Mit Russell Crowe, Rami Malek, Richard E. Grant und anderen
Regie:
James Vanderbilt
Länge:
148 Minuten
Altersempfehlung:
ab 12 Jahren
Kinostart:
7. Mai 2026