Die durch Coronaviren hervorgerufene Erkrankung Covid-19 hat ihren Schrecken für viele Menschen mittlerweile verloren. Lockdowns und tägliche Fallzahlen prägen nicht mehr den Alltag. Dennoch ist das auslösende Virus SARS-CoV-2 weiterhin weltweit präsent. Wie Virologen und Epidemiologen die Risikolage aktuell beurteilen, fasste der Pharmazeut Professor Dr. Theo Dingermann kürzlich in einem Beitrag für die Pharmazeutische Zeitung zusammen.
Mildere Verläufe durch die aktuelle Virus-Variante
Es zeigt sich Experten zufolge, dass die weltweite Bedrohung insgesamt gesunken ist, auch wenn sie für bestimmte Risikogruppen weiter bestehen bleibt. Als wichtigster Grund für die veränderte Risikolage gilt die nahezu universelle Immunisierung der Weltbevölkerung. Durch Infektionen, Impfungen oder beides besteht bei den meisten Menschen eine immunologische Grundabwehr gegen das Covid-19 auslösende Virus SARS-CoV-2.
Dingermann verweist jedoch auf Stimmen, die noch einen anderen Grund für die veränderte Risikolage betonen. So sieht beispielsweise die niederländische Virologin Professor Dr. Lia van der Hoek, Leiterin der Virusforschungsgruppe am Amsterdam University, das Auftreten der Omikron-Variante von SARS-CoV-2 Ende 2021 als weitere wichtige Ursache an. Obwohl Omikron-Stämme dem Immunsystem besser entgehen als die vorherigen Virusvarianten, verursachen sie deutlich mildere Krankheitsverläufe. Und heutzutage zirkulieren fast ausschließlich Omikron-Abkömmlinge.
Deutlich weniger schwere Verläufe und Todesfälle
Um die veränderte Corona-Risikolage zu verdeutlichen, nennt Dingermann in seinem Beitrag Zahlen aus den USA: War Covid-19 in 2021 dort noch die dritthäufigste Todesursache bei Erwachsenen, fiel die Erkrankung 2023 auf Rang zehn, 2024 dann auf Rang fünfzehn, noch hinter der Grippe, die auf Platz elf rangierte.
Experten beobachten, dass sich Covid-19 zunehmend wie andere Atemwegserkrankungen verhält – mit saisonalen Wellen und einem höheren Risiko für bestimmte Patientengruppen. Ob nun aber Covid-19 langfristig nur noch ähnlich wie eine gewöhnliche Erkältung einzustufen ist, darüber herrscht noch keine vollständige Einigkeit unter Fachleuten. Zudem besteht nach wie vor die Möglichkeit, das neue Virusvarianten die Lage verändern.
Für wen Covid-19 weiterhin gefährlich ist
Für die meisten gesunden Menschen verläuft eine Infektion heute mild. Doch es gibt wichtige Ausnahmen: Stärker gefährdet sind etwa ältere Menschen, Säuglinge und Kleinkinder, Personen mit geschwächtem Immunsystem oder bestimmten chronischen Erkrankungen.
Und auch wenn Komplikationen wie Long Covid, Herzmuskelentzündungen oder das Multisystem-Entzündungssyndrom bei Kindern seltener geworden sind, spielen sie weiterhin eine Rolle.
Impfung: Wer sollte sich auf jeden Fall schützen?
Die Impfempfehlungen haben sich inzwischen stärker auf Risikogruppen konzentriert. In Deutschland empfiehlt die STIKO insbesondere
Menschen ab 60 Jahren,bei bestimmten chronischen Erkrankungen oder immungeschwächten Personen,Bewohnern von Pflegeeinrichtungen oderPersonal in Gesundheitseinrichtungen mit direktem Patienten- bzw. Bewohnerkontakt
eine jährliche Auffrischimpfung gegen SARS-CoV-2 im Herbst.
Studien zeigen: Impfungen können das Risiko schwerer Verläufe vor allem auch bei gefährdeten Personen deutlich senken. Weltweit nimmt jedoch die Bereitschaft für Auffrischimpfungen ab, auch bei Hochrisikogruppen. Dabei gilt: Gerade für Risikopatienten kann eine Impfung entscheidend sein, um schwere Erkrankungen zu vermeiden.