Kurz vor dem Showdown im Gerichtssaal überraschen Blake Lively und Justin Baldoni mit einer Einigung – und einem gemeinsamen Statement.

Knapp eineinhalb Jahre nach Beginn eines öffentlich ausgetragenen Konflikts haben die US-Schauspielerin Blake Lively (38) und ihr Schauspielkollege Justin Baldoni (42) ihren Rechtsstreit außergerichtlich beigelegt. Die Einigung wurde in der Nacht auf Dienstag bekannt – nur wenige Tage vor dem geplanten Prozessbeginn am 18. Mai. Sowohl die „New York Times“ als auch NBC News bezeichneten den Ausgang als „überraschend“.

Den Ausgangspunkt des Konflikts bildete eine Anzeige, die Lively – bekannt aus der Serie „Gossip Girl“ – im Dezember 2024 gegen Baldoni erstattete. Sie warf ihm sexuelle Belästigung während der Dreharbeiten zu dem gemeinsamen Film „Nur noch ein einziges Mal“ vor und erhob gemeinsam mit einer Klage den Vorwurf, Baldoni und Produzent Jamey Heath hätten gezielt versucht, ihren Ruf zu beschädigen. Baldoni, der bei dem Projekt auch Regie führte und durch die Serie „Jane the Virgin“ bekannt wurde, reagierte seinerseits mit einer Verleumdungsklage gegen Lively und deren Ehemann Ryan Reynolds – ein Verfahren, das ein Richter im November abwies.

Juristische Rückschläge

Anfang April folgte ein weiterer juristischer Rückschlag für Lively: Ein Gericht wies einen Großteil ihrer Vorwürfe ab, darunter jene der sexuellen Belästigung. Von ursprünglich 13 Anklagepunkten verblieben lediglich drei – unter anderem ein Vorwurf des Vertragsbruchs –, die beim angesetzten Verfahren im Mai hätten verhandelt werden sollen.

In einer gemeinsamen Erklärung der Anwälte beider Seiten hieß es, dass alle an der Produktion Beteiligten „stolz“ auf den Film seien. Sie würden hinter dem Ziel des Films stehen, das Bewusstsein zu schärfen und einen Beitrag für Überlebende häuslicher Gewalt zu leisten. Die Entstehung des Films habe „Herausforderungen“ mit sich gebracht, und die von Lively geäußerten Bedenken hätten es verdient, gehört zu werden.

Für die breite Öffentlichkeit kam die Einigung unerwartet. NBC News berichtete unter Berufung auf eine mit dem Fall vertraute Person: „Hinter den Kulissen begannen die Gespräche zur Beilegung des Falls bereits im letzten Monat, nachdem ein Richter die meisten von Livelys Vorwürfen abgewiesen hatte.“ Und weiter: „Die Parteien trafen sich am Wochenende und erzielten am Montag eine Einigung, so die Quelle.“ Über die konkreten Vergleichsbedingungen wurde Stillschweigen vereinbart.

Parallel dazu hatte Baldoni auch die „New York Times“ wegen Verleumdung geklagt – allerdings ohne Erfolg. Grundlage war ein Artikel, der ihm vorwarf, nach Livelys Vorwürfen mithilfe professioneller PR-Strategen eine gezielte Kampagne gegen sie gestartet zu haben. Verfasst wurde der Text unter anderem von Megan Twohey, die gemeinsam mit Kollegen die sexuellen Übergriffe Harvey Weinsteins aufgedeckt und dafür 2018 den Pulitzer-Preis erhalten hatte.

Öffentliches Aufsehen

„Es wurde erwartet, dass der Prozess zu einem mit Spannung verfolgten Rechtsdrama werden würde, an dem Scharen von Vertretern der traditionellen Medien und Influencer teilnehmen würden, die fast jedes einzelne Beweisstück, das im Laufe der monatelangen Rechtsstreitigkeiten veröffentlicht wurde, genauestens unter die Lupe genommen hatten“, schrieb die „New York Times“.

An Arbeitsplätzen sollte es kein Fehlverhalten geben, führten die Verfasser der Mitteilung weiter aus. Es sei jetzt ihre „aufrichtige Hoffnung“, dass alle Beteiligten „konstruktiv und in Frieden“ vorwärtsgehen könnten.

Noch am selben Tag, an dem die Einigung publik wurde, erschien Lively überraschend bei der glamourösen Met Gala in New York. NBC News kommentierte, mit diesem Auftritt sei „inoffiziell ein Kapitel für Lively abgeschlossen, deren Privatleben (einschließlich ihrer Beziehung zu Ehemann Ryan Reynolds und ihrer Freundschaft mit Taylor Swift) inmitten des andauernden Streits mit Baldoni zu einem öffentlichen Interesse geworden war“.

Beide Hauptbeteiligten hätten im Prozess aussagen sollen, ebenso war nicht ausgeschlossen, dass Reynolds als Zeuge vorgeladen worden wäre. Für besonderes Aufsehen hatte im Vorfeld zudem gesorgt, dass Textnachrichten von Popstar Taylor Swift an ihre Freundin Lively als Beweismittel gesichert worden waren.

Das Magazin „New Yorker“ hatte den Fall Anfang 2025 in einen größeren gesellschaftlichen Zusammenhang gestellt und geschrieben, er illustriere den „Kollaps der Ära #MeToo in Hollywood“. Die Anschuldigungen von Lively würden nicht ernst genommen, sondern sie werde mit einer Gegenkampagne überzogen, die in der öffentlichen Wahrnehmung Erfolg habe. „Wir sind nicht mehr in der Ära #MeToo. Der Standard, ‚Frauen zu glauben‘, wurde nie wirklich Standard.“

Hintergrund des gesamten Konflikts ist die Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers der US-Autorin Colleen Hoover, in der Lively und Baldoni ein Paar in einer von Gewalt geprägten Beziehung verkörpern. Der Film erhielt gemischte Kritiken und spielte weltweit rund 350 Millionen US-Dollar – damals etwa 340 Millionen Euro – ein.