Die Lewy-Körperchen-Demenz zählt laut der Alzheimer Forschung Initiative zu den häufigsten Demenzformen. Dabei ähnelt sie in Teilen der Alzheimer- und der Parkinson-Demenz. Typische Symptome der Lewy-Körperchen-Demenz sind nämlich Parkinson-ähnliche Bewegungsstörungen wie Zittern oder Muskelsteifheit, verlangsamtes Denken sowie starke Schwankungen der Aufmerksamkeit und Konzentration. Außerdem zählen auch visuelle Halluzinationen und Schlafstörungen, insbesondere die REM-Schlaf-Verhaltensstörung, zu den Hauptmerkmalen der Erkrankung.
Obwohl klar ist, wie die Lewy-Körperchen-Demenz entsteht, kann eine zuverlässige Diagnose laut dem Patientenratgeber MSD Manual erst nach dem Tod durch eine Autopsie gestellt werden. Dafür ist nämlich die Entnahme einer Gehirngewebeprobe nötig. Nur so können die sogenannten Lewy-Körperchen – das sind schädliche Eiweißablagerungen, die den Tod von Nervenzellen im Gehirn und in der Folge die Demenzform verursachen – unter dem Mikroskop mit Sicherheit festgestellt werden. Ist neben der Diagnose auch die Behandlung der Lewy-Körperchen-Demenz kompliziert?
Medikamente bei Lewy-Körperchen-Demenz: Wie wird die unheilbare Erkrankung behandelt?
Eine Heilung für die Lewy-Körperchen-Demenz gibt es bislang nicht und auch die Symptome können nur bedingt behandelt oder gedämpft werden, erklärt das Universitätsklinikum Freiburg. Menschen mit dieser Demenzform reagieren nämlich mitunter sehr empfindlich auf bestimmte Medikamente, sodass eine Therapie vorsichtig angegangen und eng betreut werden muss.
Vorsicht ist insbesondere bei Antipsychotika geboten. Diese Medikamente können unter anderem bei Wahnvorstellungen oder Halluzinationen helfen. Bei einer Lewy-Körperchen-Demenz können laut der US-amerikanischen Lewy Body Dementia Association (LBDA) allerdings bei einigen dieser Mittel schwerwiegende Nebenwirkungen auftreten. Bei bis zu 50 Prozent der Patientinnen und Patienten kann es demnach zu Verwirrtheit, starker Benommenheit und zunehmenden oder sogar irreversiblen Parkinson-ähnlichen Symptomen kommen.
Laut der Alzheimer Forschung Initiative gibt es keine Medikamente, die speziell zur Behandlung der Lewy-Körperchen-Demenz zugelassen sind. Zwar kommen Wirkstoffe, die bei Alzheimer oder Parkinson helfen, auch hier zum Einsatz, ihre Wirkung ist jedoch begrenzt. So werden etwa Mittel, die für die Parkinson-Behandlung zugelassen sind, laut dem Universitätsklinikum Freiburg von Menschen mit einer Lewy-Körperchen-Demenz schlechter vertragen und sind weniger wirksam gegen die typischen Bewegungsstörungen.
Diese Medikamente kommen bei der Lewy-Körperchen-Demenz-Behandlung zum Einsatz:
Einige Lewy-Körperchen-Demenz-Symptome sind laut dem Universitätsklinikum Freiburg auf einen Mangel des Neurotransmitters Acetylcholin im Gehirn zurückzuführen. Daher kann die Gabe von (Acetyl-)Cholinesterasehemmern bei manchen Betroffenen den Verlauf der Erkrankung abmildern. Die besten Ergebnisse sind hierbei laut der Deutschen Alzheimer Gesellschaft mit den Wirkstoffen Rivastigmin und Donepezil zu erwarten; für die Wirksamkeit von Galantamin gebe es bislang keinen Beleg. Der Alzheimer Forschung Initiative zufolge können Rivastigmin und Donepezil die geistige Leistungsfähigkeit etwas verbessern und Beschwerden wie Antriebslosigkeit oder Wahnvorstellungen verringern. Bleibt eine Verbesserung der psychotischen Symptome durch die Gabe von (Acetyl-)Cholinesterasehemmern aus, können laut der Deutschen Alzheimer Gesellschaft die Antipsychotika Quetiapin und Clozapin eingesetzt werden, da sie von Menschen mit einer Lewy-Körperchen-Demenz in der Regel gut vertragen werden. Trotzdem sollten beide Medikamente niedriger dosiert werden als üblich. Denn laut der Alzheimer Forschung Initiative können die Medikamente die motorischen Symptome der Lewy-Körperchen-Demenz verschlechtern. Daher muss die Behandlung mit Quetiapin und Clozapin eng ärztlich begleitet werden. MSD Manual warnt zudem bei der Einnahme von neueren Antipsychotika über einen längeren Zeitraum, dass diese zu Gewichtszunahme und auffälligen Lipidwerten führen sowie das Risiko für Typ-2-Diabetes erhöhen können. Die Parkinson-ähnlichen Bewegungsstörungen bei einer Lewy-Körperchen-Demenz medikamentös zu behandeln, ist laut der Deutschen Alzheimer Gesellschaft schwierig und riskant. Patientinnen und Patienten sprechen nämlich nur schlecht auf Antiparkinsonmedikamente an und erleben durch die Gabe häufig eine Verschlechterung ihrer psychotischen Symptome. Vertretbar sind der Fachgesellschaft zufolge niedrige bis mittlere Dosen von L-Dopa (Levodopa). Zeitgleich sollte eine mögliche Depression mit selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmern (SSRI), wie Citalopram, oder anderen Antidepressiva, wie Mirtazapin oder Venlafaxin, behandelt werden. Bei der Behandlung mit L-Dopa sollte laut der Alzheimer Forschung Initiative allerdings beachtet werden, dass die Wirkung bei Menschen mit einer Lewy-Körperchen-Demenz oft geringer ist als bei Parkinson.
Lewy-Körperchen-Demenz: Diese Maßnahmen unterstützen die Behandlung
Bei einer Lewy-Körperchen-Demenz spielen nicht-medikamentöse Maßnahmen in der Behandlung eine zentrale Rolle, erklärt die Alzheimer Forschung Initiative. So können zum Beispiel Ergo- und Physiotherapie, Gedächtnistraining sowie Musik- und Kunsttherapie dazu beitragen, dass Fähigkeiten länger erhalten bleiben und der Alltag erleichtert wird. Außerdem sollte bei Betroffenen auf einen guten Schlaf und einen möglichst klar strukturierten Tagesablauf geachtet werden.

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Bei der Behandlung der Lewy-Körperchen-Demenz spielen Maßnahmen wie Gedächtnistraining eine zentrale Rolle.
Foto: amazing studio, stock.adobe.com (Symbolbild)
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Bei der Behandlung der Lewy-Körperchen-Demenz spielen Maßnahmen wie Gedächtnistraining eine zentrale Rolle.
Foto: amazing studio, stock.adobe.com (Symbolbild)
Laut MSD Manual kann auch der Wohnraum auf die Behandlung einer Lewy-Körperchen-Demenz ausgerichtet werden. Die Umgebung sollte dafür hell, fröhlich, sicher und stabil sein sowie Patientinnen und Patienten die Orientierung erleichtern. Auch leichte Stimulation wie Radio oder Fernsehen können helfen, eine Reizüberflutung sollte jedoch vermieden werden. Nötige Änderungen in der Umgebung, von Abläufen und Routinen sowie bei Pflegenden sollten Betroffenen klar und leicht verständlich erklärt werden.
Da die Lewy-Körperchen-Demenz nicht geheilt werden kann und mit der Zeit immer weiter fortschreitet, gehört auch der Blick in die Zukunft zur Behandlung. MSD Manual zufolge liegt die Lebenserwartung nach Einsetzen der ersten Symptome bei sechs bis zwölf Jahren. Deshalb sollten Entscheidungen über die medizinische Versorgung sowie finanzielle und rechtliche Angelegenheiten mit einer Vorausverfügung und einer Vorsorgevollmacht getroffen werden, wenn Patientinnen und Patienten noch einigermaßen selbstständig sind. Auch sollten Wünsche bezüglich der Pflege sowie lebensverlängernder Maßnahmen besprochen werden.
Übrigens: Neben Alzheimer, Parkinson und der Lewy-Körperchen-Demenz gibt es noch weitere Formen der Erkrankung – zum Beispiel die vaskuläre Demenz, die frontotemporale Demenz oder auch die Creutzfeldt-Jacob-Krankheit, die Demenz-Symptome verursachen kann.