Papst Leo XIV. hat an diesem Donnerstagvormittag die Führungskräfte sowie das gesamte Personal der Libreria Editrice Vaticana (LEV) im Vatikan empfangen. Anlass der Begegnung war das hundertjährige Bestehen des Verlagshauses, das im Jahr 1926 aus der bereits seit dem sechzehnten Jahrhundert bestehenden Vatikanischen Druckerei hervorgegangen war.

Zweite Bio von Papst Leo XIV. aus unserer Redaktion

Nach der Leo-Biografie von RV-Redaktionsleiter Stefan von Kempis hat nun mit Mario Galgano ein weiteres Redaktions-Mitglied ein Buch zum Werdegang des ersten US-amerikanischen …

Mario Galgano – Vatikanstadt

In seiner Ansprache hob der Papst hervor, dass der Verlag in diesem Jahrhundert neun Pontifikaten gedient und deren Lehramt weltweit verbreitet habe, um zur Verkündigung des Evangeliums beizutragen.

Das Kirchenoberhaupt nutzte das Jubiläum für drei grundsätzliche Überlegungen zur Bedeutung des Buches in der Gegenwart. Zunächst bezeichnete er das Buch als eine Gelegenheit zum Nachdenken. Gerade im digitalen Zeitalter erinnere die physische Beschaffenheit eines Buches an die Bedeutung von Reflexion und Studium. Das Lesen bezeichnete der Papst als Nahrung für den Geist, die dabei helfe, ein bewusstes kritisches Urteilsvermögen zu entwickeln. Dies sei ein notwendiger Schutz vor Fundamentalismus und ideologischen Vereinfachungen. Er ermutigte dazu, Bücher als Gegenmittel zu geistiger Verschlossenheit und starren Sichtweisen auf die Realität zu nutzen.

Buch als Möglichkeit zur Begegnung

Darüber hinaus charakterisierte der Papst das Buch als eine Möglichkeit zur Begegnung. Beim Lesen trete man idealerweise in einen Dialog mit dem Verfasser, aber auch mit anderen Lesern der Vergangenheit und Zukunft. Ein Buch fungiere als Brücke zu anderen Menschen und stelle einen Anreiz dar, den eigenen Blickwinkel zu erweitern. In Anlehnung an die Lehre seines Vorgängers Franziskus betonte er, dass Literatur ein wesentlicher Bestandteil einer Kultur der Begegnung sei, die den gegenseitigen Austausch bereichere.

Als dritten Punkt nannte der Papst die Rolle des Buches bei der Verkündigung des christlichen Glaubens. Er verwies auf spirituelle Texte oder Biografien von Heiligen, die in der Lage seien, die Herzen der Menschen zu berühren. In der christlichen Ikonografie werde die Jungfrau Maria oft lesend dargestellt, und auch bedeutende Lehrer wie der heilige Augustinus oder der heilige Antonius von Padua seien untrennbar mit dem Buch als Symbol für Wahrheit und Nächstenliebe verbunden.

Zum Abschluss seiner Rede zitierte der Papst Worte von Paul VI. aus dem Jahr 1976 und forderte die Anwesenden auf, mit Blick auf die Zukunft neue Programme und Ideen zu entwickeln. Er dankte den Mitarbeitenden für ihren Einsatz, den sie mit Hingabe und Leidenschaft verrichten sollten, und erteilte ihnen sowie ihren Familienangehörigen den Segen.

Die Geschichte

Die Libreria Editrice Vaticana (LEV) ist der offizielle Buchverlag des Heiligen Stuhls mit Sitz im Vatikanstaat. Ihre Hauptaufgabe besteht in der Veröffentlichung und weltweiten Verbreitung der Dokumente des päpstlichen Lehramtes, der liturgischen Texte sowie der Schriften der römischen Kurie. Die rechtliche Wurzel der Institution reicht bis in das Jahr 1587 zurück, als Papst Sixtus V. die Vatikanische Druckerei gründete, bevor der Verlag 1926 als eigenständige Einheit verselbstständigt wurde. Heute fungiert die Libreria Editrice Vaticana als zentrale Schnittstelle zwischen der wissenschaftlichen Theologie, der kirchlichen Verwaltung und der Öffentlichkeit, wobei sie neben amtlichen Publikationen auch Werke zur Kunst, Geschichte und Spiritualität in zahlreichen Sprachen verlegt.

(vatican news)