18 Jugendliche in Bubikon suchten Hilfe wegen psychischer Krisen

In einem halben Jahr haben sich 18 junge Menschen an die Offene Jugendarbeit gewandt. Auffällig: Betroffen sind ausschliesslich Mädchen.

Publiziert heute um 16:06 Uhr

Immer mehr Jugendliche in der Gemeinde Bubikon leiden unter psychischen Belastungen. Allein im letzten halben Jahr haben sich 18 junge Menschen in Krisensituationen an die Offene Jugendarbeit gewandt, wie die Gemeinde Bubikon am Dienstag mitteilte. Das Phänomen betrifft alle 35 Gemeinden, in denen die MOJUGA Stiftung tätig ist.

«Wir stellen fest, dass immer mehr Jugendliche unter psychischen Belastungen leiden oder sogar Störungen entwickeln», wird Jugendbeauftragte Alexandra Matulla in der Mitteilung zitiert.

Suizidalität und Essstörungen

Die Jugendarbeitenden berichten von Suizidalität, Essstörungen, Selbstverletzungen und Depressionen. Teilweise erfordern diese Erkrankungen stationäre Therapien. Auffällig sei, dass ausschliesslich Mädchen betroffen seien, so Matulla.

Sie vermutet einen Zusammenhang mit der weiblichen Sozialisation innerhalb der aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen. «Der Druck auf die Mädchen ist so hoch, dass sie ihn nicht mehr bewältigen können», erklärt die Jugendbeauftragte.

Familien nicht verantwortlich machen

Matulla warnt davor, die Familien für die Probleme verantwortlich zu machen. Auch liebevolle, zugewandte Eltern seien kein Garant dafür, dass es Jugendlichen gutgehe. Menschen sicher durch diese verletzliche Lebensphase zu begleiten, sei eine Aufgabe der gesamten Gesellschaft.

Die Gemeinde Bubikon sei gut aufgestellt und trete den Jugendlichen wohlwollend gegenüber, betont Matulla. Viele der betroffenen Jugendlichen stehen neben der Offenen Jugendarbeit auch mit der Schulsozialarbeit in Kontakt.

Vertrauen braucht Zeit

Die Offene Jugendarbeit spielt laut der Mitteilung eine zentrale Rolle bei der Früherkennung. «Es braucht viel, bis Jugendliche Erwachsene ins Vertrauen ziehen, wenn es ihnen nicht gut geht», erklärt Matulla. Oft öffneten sich junge Menschen nur in über längere Zeit gewachsenen Beziehungen.

Die Jugendarbeitenden achten auf Veränderungen im Verhalten und in der Stimmung der Jugendlichen. In Gesprächen hören sie zu, zeigen Möglichkeiten auf und verweisen auf Fachstellen. Professionell geschulte Jugendarbeitende hätten Einblicke, wo sie anderen Erwachsenen oft fehlten, so Matulla.

Haben Sie selbst Suizidgedanken oder kennen Sie Betroffene? Für Kinder und Jugendliche ist das Telefon 147 da, auch per Whatsapp und E-Mail, oder unter www.147.ch.

Eltern können sich per Telefon, Whatsapp oder E-Mail an die Elternberatung von Pro Juventute wenden: projuventute.ch/elternberatung.

Erwachsene können die Dargebotene Hand kontaktieren, Telefon 143. E-Mail und Chat-Kontakte finden Sie auf www.143.ch. Die Angebote sind vertraulich und kostenlos. Auch die Website www.reden-kann-retten.ch bietet Hilfe. (red)

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