Ein besonderes Filmprojekt erregt derzeit große Aufmerksamkeit in und um Liptingen: „Fenners Gold“ ist ein Amateur-Abenteuerfilm über drei Kinder, die sich in ihrem Heimatort Liptingen auf eine legendäre Schatzsuche begeben. Hinter dem Projekt stehen Klaus und Thomas Schönbrunn sowie deren Freunde, Familie und Dorfbewohner. Fast zwei Jahrzehnte lang haben sie ihre Freizeit in dieses Herzensprojekt gesteckt. Die „Schönbrunn-Brothers“ sprechen über die Hintergründe.

Die Grundidee zum Film hatte Klaus Schönbrunn schon, als er 1985 den Film „The Goonies“ sah. Dieser Film über eine Gruppe von Kindern auf Schatzsuche basiert auf einer Geschichte von Steven Spielberg und gilt als Kultfilm der 1980er Jahre. 2004 wurde es konkreter. Inspiriert von der in Emmingen-Liptingen fest verankerten Sage über ein goldenes Kegelspiel, das in den verschütteten Kellern der Ruine Homburg versteckt sein soll, plante er einen Abenteuerfilm, in dem Kinder diesen Schatz suchen.

Rund 60 Darsteller und etwa 170 Komparsen wirkten mit. In einer Doppelrolle ist sogar der ehemalige Bürgermeister Joachim Löffler zu sehen. Er spielt sich selbst und den Bösewicht Graf von Bärenthal.

Sie sind die Hauptdarsteller: (von links) Hartwig Renner, Sarah Ackermann, Joachim Löffler, Claudio Truckenbrod, Michael Beck und Yannik Truckenbrod.

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Sie sind die Hauptdarsteller: (von links) Hartwig Renner, Sarah Ackermann, Joachim Löffler, Claudio Truckenbrod, Michael Beck und Yannik Truckenbrod.
Foto: Maria Schönbrunn, Schönbrunn Fotodesign

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Sie sind die Hauptdarsteller: (von links) Hartwig Renner, Sarah Ackermann, Joachim Löffler, Claudio Truckenbrod, Michael Beck und Yannik Truckenbrod.
Foto: Maria Schönbrunn, Schönbrunn Fotodesign

Als Drehorte dienten nach Absprache mit dem ansässigen Förster der Gemeindewald, das Schloss Messkirch als Außen- sowie das Rathaus Möhringen bei Tuttlingen als Innenkulisse für die Szenen, die offiziell am und im Kloster Reichenau spielen. Der Tresorraum des Klosters, der im Film eine zentrale Rolle spielt, in der Realität jedoch gar nicht existiert, wurde komplett als Kulisse von der Zimmerei Kupferschmid gebaut. Maler Hertenstein tapezierte alles. Auch andere örtliche Handwerker brachten sich ein. Viele technische Raffinessen wurden von Michael Beck mit Andreas Schwägler und Techniker Gero Kühnemundt ausgetüftelt und umgesetzt.

Dreharbeiten ab Herbst 2007

Drehbeginn war im Herbst 2007. Im Frühjahr 2011 waren mit dem Abdrehen der Kinderszenen 60 Prozent des gesamten Filmprojekts geschafft. „Nach diesem ersten Ziel haben wir schon gemerkt, dass die Luft etwas raus war. Noch dazu feierte Liptingen 2011 sein 1250-jähriges Bestehen. Ein großes Narrentreffen und ein Musical, an dem viele unserer Darsteller auch beteiligt waren, kosteten zusätzliche Kraft“, sagt Klaus Schönbrunn. Allerdings sei niemand über die ganze Produktionszeit beteiligt gewesen. „Die Rolle, die am längsten mit uns gedreht hat, nämlich über acht Jahre verteilt, war unser langjähriger Zunftmeister Hartwig Renner alias Ben. Er hatte auch sehr gute Kontakte nach Stockach, was uns die Möglichkeit eröffnete, 20 Tage lang im Keller des Narrengerichts zu drehen.“ Dieser wurde tatsächlich zum Fundort des Schatzes.

Im Keller des Stockacher Narrengerichts spielt die Schlüsselszene. Im Film liegt er unter einem Berg und birgt den gesuchten Goldschatz.

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Im Keller des Stockacher Narrengerichts spielt die Schlüsselszene. Im Film liegt er unter einem Berg und birgt den gesuchten Goldschatz.
Foto: Maria Schönbrunn, Schönbrunn Fotodesign

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Im Keller des Stockacher Narrengerichts spielt die Schlüsselszene. Im Film liegt er unter einem Berg und birgt den gesuchten Goldschatz.
Foto: Maria Schönbrunn, Schönbrunn Fotodesign

Der letzte der 182 Drehtage fand Anfang 2024 statt. Thomas Schönbrunn, von Beruf Kameraassistent, übernahm den Schnitt. „Den Rohschnitt habe ich fast parallel zur Drehzeit gemacht. Ab Frühjahr 2025 hat der Komponist dann in acht Monaten 90 Minuten Filmmusik komponiert. Nach der Postproduktion (Feinschnitt, Kürzen, Verlängern, Farbkorrektur und Tonmischung) habe ich den Trailer geschnitten, den wir an unserer alljährlichen Theatervorstellung zu Dreikönig präsentieren wollten.“

Klaus Schönbrunn, Komponist Michael Donner und Thomas Schönbrunn (von links) freuen sich über den Erfolg ihres Filmes.

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Klaus Schönbrunn, Komponist Michael Donner und Thomas Schönbrunn (von links) freuen sich über den Erfolg ihres Filmes.
Foto: Maria Schönbrunn, Schönbrunn Fotodesign

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Klaus Schönbrunn, Komponist Michael Donner und Thomas Schönbrunn (von links) freuen sich über den Erfolg ihres Filmes.
Foto: Maria Schönbrunn, Schönbrunn Fotodesign

Aufgeben war keine Option

Das Projekt zu stoppen, sei nie eine Option gewesen, sagen die Brüder. „Erstens war die Hälfte der kompletten Drehzeit in zwei Jahren geschafft – ab da gibt man nicht mehr auf, auch wenn es etwa durch Familiengründungen oder andere Arbeitszeiten schwieriger wird. Zweitens waren wir es den Freunden und Helfern aus dem Ort schuldig und wir hatten den persönlichen Ehrgeiz, dass das Projekt am Ende gezeigt werden kann.“

Diverse Herausforderungen wurden gemeistert. „Beim Bau des Urnenausstellungsraums ist mir schier schwindelig geworden, das war ein irrer Aufwand“, so Klaus Schönbrunn. Sein Bruder erinnert sich an die Mühen, die Ausstattung auf den Hohentwiel hochzutragen und zu wissen: „Ich habe davon jetzt 14 bis 20 Drehtage vor mir. Bei solchen Brocken war man froh, wenn sie rum waren.“

Für das Projekt sind natürlich auch Kosten entstanden. Die Ausgaben hätten sie sich geteilt, sagen die Männer. „Wir haben alle Belege aufgehoben, aber noch nicht zusammengerechnet. Ich habe ein bisschen Angst davor“, sagt Klaus Schönbrunn und lacht. Innerhalb der 19 Jahre seien neben vielen kleinen und mittleren Beträgen einige große – etwa für den Komponisten oder die Prüfung FSK zusammengekommen. Thomas Schönbrunn ergänzt: „Gemessen am Gesamtprojekt und der Länge des Films wäre es im professionellen Bereich ein absoluter No-Budget Film.“ Arbeitskraft, Zeitaufwand und Personal zählten hier ja nicht, Materialkosten seien oft im Zuge von Sponsoring gedeckt worden. Viele Unterstützer hätten unentgeltlich geholfen, sagen die Brüder dankbar.

In einem Buch zum Film lässt Mediengestalterin Sarah Ackermann, Tochter von Klaus Schönbrunn und im Film als Sonja zu sehen, viele Momente der Drehzeit aufleben. Eine Filmdokumentation von Maria Schönbrunn, der Schwester der Schönbrunn-Brüder, gibt es auch.

Bei der Premiere gab es viele Dinge rund um die Filmproduktion zu entdecken, beispielsweise Szenenfotos, Drehpläne und -ort sowie Requisiten.

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Bei der Premiere gab es viele Dinge rund um die Filmproduktion zu entdecken, beispielsweise Szenenfotos, Drehpläne und -ort sowie Requisiten.
Foto: Claudia Ladwig

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Bei der Premiere gab es viele Dinge rund um die Filmproduktion zu entdecken, beispielsweise Szenenfotos, Drehpläne und -ort sowie Requisiten.
Foto: Claudia Ladwig

Zur umjubelten Premiere war die Schlossbühlhalle in Liptingen mit 200 Gästen voll besetzt. Weitere Vorstellungen bieten jeweils 50 Personen Platz. Allmählich geht das große Filmprojekt seinem Ende entgegen. Bleibt die Frage: Was tun die Brüder jetzt mit ihrer vielen freien Zeit? Sie sind hin und hergerissen: Die Endphase des Filmprojekts über ein Jahr habe nochmal ordentlich Kraft gekostet. Klaus Schönbrunn verrät: „Thomas ist pünktlich Vater geworden und ich habe mir andere Hobbys zugelegt.“ Ein wenig wehmütig sei er jedoch: „Nach 20 Jahren ist es schon auch ein ganz besonderer Gefühlsmoment. Ich bin froh, dass die Vorstellungen noch ein paar Tage gehen.“

Auch den Goldschatz aus dem Film konnten die Premierenbesucher bestaunen. Allerlei Gefäße waren dafür mit goldener Farbe überzogen worden.

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Auch den Goldschatz aus dem Film konnten die Premierenbesucher bestaunen. Allerlei Gefäße waren dafür mit goldener Farbe überzogen worden.
Foto: Claudia Ladwig

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Auch den Goldschatz aus dem Film konnten die Premierenbesucher bestaunen. Allerlei Gefäße waren dafür mit goldener Farbe überzogen worden.
Foto: Claudia Ladwig

Weitere Termine

Bis Ende Mai ist der Film in Liptingen zu sehen. Karten für die Vorstellung des rund zweieinhalb Stunden langen Filmes gibt es unter https://fennersgold.de/tickets/. Wegen der großen Nachfrage sind zusätzliche Vorstellungen im Juni geplant. Ob der Film später zum Kauf oder zum Streamen angeboten wird, ist aktuell noch nicht entschieden.