Von Sarah Malaun und Zoe Mair (4c Mittelschule Kettenbrücke)
Linda Prader konnte sich schon mehrere österreichische Meistertitel erturnen.
© Prader
Innsbruck, Mils – Ihr Zeitplan ist genauso straff durchgetaktet wie ihre akrobatischen Elemente auf der Matte: Vier- bis fünfmal pro Woche steht sie für zweieinhalb bis drei Stunden im Leistungssportzentrum Innsbruck. Obwohl die Kombination aus Schule und Leistungssport oft stressig ist, schafft Linda es mit viel Disziplin, alles unter einen Hut zu bekommen. Bevor sie zum Kunstturnen wechselte, startete sie im Programm „Turn 10“. Dort räumte sie ordentlich ab und wurde insgesamt viermal österreichische Meisterin – einmal mit dem Team und dreimal im Einzel.
Kunstturnerin Linda Prader (l.) mit Sarah Malaun und Zoe Mair (r.).
© MS Kettenbrücke
„Als ich das erste Mal Österreichische Staatsmeisterin geworden bin, wurde in der Zeitung darüber berichtet“, erinnert sie sich.
Linda blickt auch kritisch auf die Sportwelt – ihrer Meinung nach sei es nicht fair, dass in den Medien hauptsächlich über Männersport berichtet wird. Männer und Frauen sollten gleich viel Aufmerksamkeit und Anerkennung für dieselben Leistungen bekommen. Obwohl sie sich noch nicht so viel mit dem Thema beschäftigt hat, fiel ihr auch auf, dass Frauen deutlich weniger Sendezeit erhalten. Deshalb fehlen laut ihr für junge Mädchen Vorbilder, die sie im Sport motivieren können. Für sie waren bekannte Turnerinnen immer eine Inspiration: „Als ich klein war, habe ich auch sehr viele Turnerinnen im Fernsehen gesehen und habe mir gedacht: ,Ich will auch mal so gut werden!‘ Das war dann auch eine Motivation für mich, und es motiviert mich jetzt eigentlich noch immer!“, berichtet sie.
Linda Prader zeigt Haltung, auch abseits der Turnhalle.
© Prader
Interessanterweise ist das in ihrer eigenen Sportart oft anders: Beim Kunstturnen stehen Frauen meistens sogar mehr im Rampenlicht als die Männer.
Die US-Kunstturnerin und Rekord-Olympiasiegerin Simone Biles hat fast 12 Millionen Follower auf Instagram und verdient laut Schätzungen durch Werbeverträge 10 Millionen Dollar pro Jahr. Über das Einkommen von Shinnosuke Oka, aktuellem Olympiasieger aus Japan, liegen die Schätzungen zwischen 300.000 und 800.000 Euro, er hat auch „nur“ 82.900 Follower auf Instagram.
Linda Prader ist nicht nur eine ehrgeizige Sportlerin mit großen Zielen, sondern auch eine junge Frau mit einer klaren Haltung, die auf mehr Gerechtigkeit in der Sportberichterstattung auch abseits der großen Stars hofft.