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Hamburg – Seit mehr als 60 Jahren steht Mireille Mathieu auf der Bühne. Am Samstag (9. Mai) erfüllt sie sich einen besonderen Traum: Die legendäre französische Chansonnière singt erstmals in der Elbphilharmonie Hamburg ihr exklusives französisches Programm.
Mit 79 Jahren blickt sie auf ein Leben im Rampenlicht zurück. „Meine Beziehung zum Publikum ist im Laufe der Jahre noch tiefer geworden“, sagt sie zu BILD. „Als ich jung war, wollte ich vor allem perfekt singen und die Menschen zum Träumen bringen. Mein Publikum und ich sind zusammengewachsen. Viele Menschen kommen mit Erinnerungen an ihre Jugend, ihre Eltern, ihre erste Liebe zu meinen Konzerten, und es ist eine große Zärtlichkeit, diese Verbindung zwischen uns zu haben.“

Mireille Mathieu 2025 bei ihrem letzten Konzert in der Hamburger Elbphilharmonie
Foto: Wolfgang Wilde

Die damals 28-jährige Mireille Mathieu singt 1974 im deutschen TV
Foto: PB Archive/Getty Images
Mireille Mathieu feiert ihren Geburtstag in ihrer Heimat
Diese Nähe ist gewachsen. Mit jeder Tournee, mit jedem ihrer Lieder. Wer heute in ihre Konzerte kommt, bringt oft sein ganzes Leben mit.
Im Juli wird Mireille Mathieu 80 Jahre alt. Ein Grund zum Feiern? Sie sagt: „Für mich ist das Alter ein Geschenk des Lebens. Natürlich vergeht die Zeit, aber ich schätze mich sehr glücklich, noch singen und reisen zu können. Mein 80. Geburtstag wird ein etwas melancholischer Moment sein – meinen Geburtstag mit meinen Schwestern und Brüdern in meiner Heimatstadt Avignon zu feiern, ohne einige Menschen, die nicht mehr da sind, wie meine Eltern und Freunde. Aber es wird ein Fest der Freude sein. Solange das Herz jung bleibt, bleibt das Leben schön.“

Die Familie 2008 am Wörthersee: Mireille Mathieu (damals 62) mit ihrer Mutter Marcelle-Sophie Poirier und Schwester Monique
Foto: babiradpicture – abp
Vor der großen Bühne? Ist da noch Lampenfieber? „Immer. Und ich hoffe, dass es nie verschwindet. Lampenfieber bedeutet, dass die Emotionen noch lebendig sind. Bevor ich auf die Bühne gehe, habe ich immer Lampenfieber. Aber in dem Moment, in dem ich das Publikum sehe, fühle ich mich zu Hause. In der Elbphilharmonie zu singen, ist wirklich ein Geschenk.“ Die Elbphilharmonie ist für sie eben kein gewöhnlicher Konzertsaal.
Warum ist es Ihnen wichtig, vor einem deutschen Publikum auf Französisch zu singen? „Weil die französische Sprache eine besondere Musikalität und Poesie in sich trägt. Selbst wenn die Menschen nicht jedes Wort verstehen, spüren sie die Emotionen. Musik spricht direkt zur Seele. Und Deutschland hat das französische Chanson schon immer mit außerordentlicher Herzlichkeit aufgenommen. Und speziell für mein Konzert in der Elbphilharmonie anlässlich meines 60-jährigen Bühnenjubiläums werde ich mein französisches Repertoire präsentieren, so wie ich es bereits im vergangenen Herbst im Olympia in Paris getan habe.“

Der 1,53 Meter große Weltstar begeisterte im Laufe ihrer Karriere Millionen von Fans mit ihrer Stimme
Foto: Wolfgang Wilde

Mireille Mathieu im Sommer 2025 auf der Bühne in Kitzbühel. Sie sang bei der TV-Show „Schlagerbooom Open Air“
Foto: IMAGO/pictureteam
Kann das französische Chanson heute noch junge Menschen erreichen? „Ja, auf jeden Fall. Junge Menschen suchen nach Authentizität und Emotionen. Das Chanson erzählt Geschichten von Liebe, Hoffnung, Liebeskummer, vom Leben. Diese Gefühle werden nie altmodisch. Ich sehe heute viele junge Gesichter in meinem Publikum, und das macht mich sehr glücklich.“
Mathieu will so lange singen, wie es geht
Deutschland spielt in ihrer Karriere eine besondere Rolle. „Deutschland hat mir von Beginn meiner Karriere an eine außergewöhnliche Treue entgegengebracht. Ich glaube, das deutsche Publikum schätzt Aufrichtigkeit und Disziplin, und das sind Werte, die mir essenziell sind.“

Mireille Mathieu (damals 33) 1979 mit Harald Juhnke (damals 50) bei der TV-Show „Musik ist Trumpf“
Foto: picture alliance/Sammlung Richter
Manchmal fühlt sie sich hier sogar anders wahrgenommen als in ihrer Heimat. „Ja, vielleicht ein bisschen. In Deutschland habe ich oft das Gefühl, dass die Leute mich als Symbol für Frankreich, französische Romantik und Chanson sehen, und die Deutschen fragten mich nach ‚Der Spatz von Avignon‘. In Frankreich wissen die Menschen mehr über das kleine Mädchen aus Avignon, das sehr hart gearbeitet hat, um sich ihren Traum zu erfüllen. Beide Sichtweisen sind Teil dessen, wer ich bin. Mein Leben ist wirklich ein Märchen.“
Abschied von der Bühne? Für Mireille Mathieu undenkbar. „Musik ist mein Leben. Die Bühne ist seit meiner Kindheit mein Zuhause. Ich glaube nicht, dass man sich jemals wirklich von der Musik verabschiedet. Solange meine Stimme und mein Herz es zulassen, werde ich weiter singen.“

Mireille Mathieu zusammen mit BILD-Vize Tanja May
Foto: Wolfgang Wilde
Welche Lieder stehen für ihr Leben? „Vielleicht zwei Lieder: mein erstes, „Mon credo“, das mir alles bedeutet – das Leben beginnt immer mit einem Wort der Liebe und geht weiter. Das zweite ist „Non, je ne regrette rien“. Auch wenn es für immer mit Édith Piaf verbunden ist, ist die Botschaft universell und liegt mir sehr am Herzen. Das Leben schenkt uns Freuden und Leiden, aber man muss ohne Reue voranschreiten.“
Was würde Édith Piaf sagen, säße sie heute neben ihr in der Elbphilharmonie? Mireille Mathieu antwortet leise: „Ich glaube, ich wäre sehr beeindruckt von ihr und würde ihr danken, weil ich die TV-Talentshow mit ihren Liedern gewonnen habe; deshalb singe ich bei meinen Konzerten immer drei Lieder von ihr. Und wenn sie einfach etwas zu mir sagen würde, wäre es: ‚Sing weiter, das ist dein Leben.‘“