Seit Jahresanfang sind Sie neuer Betriebsleiter des BMW- und Mini-Standorts Unterberger-Denzel in Innsbruck. Sie sind seit fast 20 Jahren in der Autobranche tätig. Wie hat sie sich verändert, Herr Kluckner?
Klaus Kluckner: Wenn ich allein an die Antriebe denke, hat sich die Branche komplett verändert. Auch der Markt hat sich gewandelt. Früher gab es die deutschen Hersteller und dann noch die Japaner. Aufstrebende koreanische Hersteller kamen hinzu. Mittlerweile gibt es eine noch nie dagewesene Markenvielfalt. Alle paar Monate kommt eine neue Marke auf den Markt. Auch bei den Modellen hat sich viel getan. Früher gab es beispielsweise bei BMW – ganz klassisch – den 3er-, 5er- und 7er-BMW. Heutzutage gibt es für jedes Bedürfnis bzw. jeden Anspruch ein eigenes Modell.
Warum kommt alle paar Monate eine neue Marke auf den Markt?
Kluckner: Durch die Elektromobilität verändert sich derzeit sehr viel. Einen Elektromotor zu entwickeln und zu produzieren, steht in keinem Verhältnis zur Entwicklung eines Verbrennermotors. Der ganze technologische Forschungsaufwand fällt weg und damit auch hohe Kosten. Früher dauerte die Entwicklung eines Modells fünf bis zehn Jahre, heute geht das innerhalb von ein bis zwei Jahren. Das ermöglicht es selbst einem Handyhersteller zu sagen: „Bauen wir ein Auto.“
Ein Zeichen für diese Veränderung ist auch der neue Schauraum im BMW- und Mini-Kompetenzzentrum.
Kluckner: Der Kunde soll sich wohlfühlen. Im Servicebereich profitiert er von mehr Privatsphäre und Platz. Im Verkauf schaffen wir ein Wohnzimmerfeeling, sodass die Kundin oder der Kunde nicht mehr an einem überladenen Schreibtisch sitzt, sondern in einer Lounge in Ruhe sein neues Auto konfigurieren kann. Ein weiteres Highlight ist der vergrößerte Motorradbereich, wo Kunden die ganze Vielfalt an Motorrädern erleben und probesitzen können.
In den vergangenen Jahren machte sich bei Beobachtern der Branche das Gefühl breit, dass die Hersteller es lieber hätten, wenn wir nur noch am Computer unsere Fahrzeuge konfigurieren würden und möglichst wenig Kontakt zu den Autohändlern hätten. Stimmt das?
Kluckner: Es gibt solche Ideen. Aber die Hersteller haben gesehen, dass es ohne Händler nicht funktioniert. Die Kunden wollen eine Probefahrt machen, das Fahrzeug in echt sehen, die Farben und Polsterungen live erleben. Da die Fahrzeuge heute so gut ausgestattet sind, geht es mehr um die Haptik und das Feeling – und das erlebt man nur im Autohaus.
Beeinflussen die höheren Spritpreise die Kaufentscheidung?
Kluckner: Firmenkunden tendieren aufgrund der steuerlichen Vorteile ohnehin stark zu reinen Elektroautos. Ansonsten merken wir einen klaren Trend zu Plug-in-Hybriden. Im Gebrauchtwagensektor lässt die Nachfrage nach reinen Verbrennern mit hohem Verbrauch deutlich nach. Die Preise für solche Fahrzeuge sind im Gebrauchtwagenmarkt um etwa 15 Prozent gesunken.