Görings Auftritt in Nürnberg war die Selbstinszenierung eines erfahrenen Machtpolitikers. Göring wollte nicht als Kriegsverbrecher erscheinen, sondern als Staatsmann, als rationaler Gesprächspartner, als jemand, der „im Interesse seines Landes“ gehandelt habe. Genau dieses Bild versuchte er während des gesamten Prozesses konsequent aufzubauen. Persönliche Verantwortung wies er zurück, seine Rolle im NS-System spielte er herunter. Immer wieder rechtfertigte er Entscheidungen des Regimes als angeblich notwendige Maßnahmen in einer außergewöhnlichen Kriegssituation. Göring präsentierte sich nie als Täter, sondern als Politiker, der unter extremen Bedingungen gehandelt habe.