Im letzten Heimspiel der Bundesliga-Saison 2025/26 will der GAK 1902 in Graz gegen den SCR Altach seinen Heimnimbus in 2026 wahren und den Matchball zum vorzeitigen Klassenerhalt nutzen. Damit es in einer Woche in der letzten Runde nicht zu einem Endspiel auswärts beim FC Blau-Weiß Linz kommt. Bei jenem Klub, bei dem der ehemalige Profi Tino Wawra seine Karriere als Sportdirektor begann. Seit September 2025 ist der 46-jährige Linzer in dieser Funktion bei den Grazer Athletikern tätig und äußerte sich vor dem Samstagspiel in Runde 31 (17 Uhr, Ligaportal-LIVETICKER) im exklusiven Ligaportal-Interview.

„Haben ganz gute Entscheidungen getroffen mit Olesen, Klassen, Grosse und Stolz“

Ligaportal: Hallo Tino. Seit fast acht Monaten bist du als Sportdirektor beim GAK 1902 tätig, hast bis Juni 2027 einen laufenden Vertrag. Wie fällt dein bisheriges Fazit aus? 

Tino Wawra: Ich habe das Amt in einer schwierigen Phase von Didi Elsneg übernommen, der mich ja zum GAK geholt hat als Technischer Direktor (Anm.: im Jänner 2025). Ich wollte nie in der ersten Reihe stehen, sondern habe mich wohl gefühlt in der Rolle als Kaderplaner. Ich war allerdings immer schon etwas eingebunden, falls der Didi sich mal verändern will. Es kam dann im Herbst dazu. Genau in einer schwierigen Phase, als wir vom Saisonstart weg elf Spiele nicht gewonnen haben. Mit dem ersten Sieg, dem 3:1 über den SCR Altach, verzeichneten wir dann einen Aufwärtstrend.

Im Winter haben wir dann versucht, die Mannschaft zu verstärken, um besser zu werden. Im Winter brauchst du dann immer Neuzugänge, die gleich funktionieren. Da haben wir dann ganz gute Entscheidungen getroffen mit Olesen, Klassen, Grosse und Torhüter Stolz. Wenn, wie zuletzt gegen die WSG Tirol, alle vier Winter-Neuzugänge in der Startelf stehen, dann haben wir nicht allzuviel falsch gemacht.

Wir sind dann relativ stabil aus dem Herbst herausgekommen und im Grundurchgang im Frühjahr stabil geblieben. Dann folgte der überragende Start in die Qualigruppe mit drei Siegen. In den letzten drei Auswärtsspielen hatten wir dann einen leichten Bruch, wobei man nicht vergessen darf, dass da auch zwei schwierige Partien in Altach und Ried dabei waren. Wir wissen allerdings auch, dass wir im Frühjahr daheim eine Macht geworden sind.

Man muss immer das große Ganze sehen. Durch den Sieg gegen die WSG haben wir uns eine gute Ausgangsposition geschaffen. Ich denke auch, mit einem Heimsieg gegen Altach haben wir es geschafft. Für mich ist das dann schon ein großer Erfolg mit vielen erzielten Punkten. Im Vorjahr hatten wir mit elf Punkten in der Qualigruppe die Liga gehalten, jetzt haben wir zwei Runden vor Schluss schon 13 und sind immer noch nicht durch. Da sieht man wie eng das diesmal ist. Deswegen muss man heuer besser sein aks letztes Jahr und das sind wir auch. Den einen Schritt müssen wir jetzt noch gehen. Dann gibt es mal kurz zwei, drei Tage zu feiern, hoffentlich. Dann geht es für mich wieder weiter mit der Kaderplanung.

„Ich kann das überhaupt nicht verstehen, so wie das auch Didi Kühbauer gesagt hat“

Ligaportal: Wie weit siehst du das, ebenso wie Ferdinand Feldhofer und andere Bundesliga-Trainer, als Wettbewerbsverzerrung mit den Montagsspielen und dass die Altacher kaum Pause haben, während deren Gegner WAC ausgeruht war? 

Tino Wawra: Ich kann das überhaupt nicht verstehen, so wie das auch Didi Kühbauer gesagt hat. Der hat es ja sehr klar angesprochen. Warum wird da nicht Dienstag oder Mittwoch gespielt, wie in einer englischen Runde üblich. Da ist für mich der TV-Vertrag auch eine Ausrede, weil du ja an einem Champions League-Abend dennoch um 18:30 Uhr ein Bundesligaspiel ansetzen kannst. Das Altach-Spiel gegen den WAC wurde ja auch um 18:30 Uhr an einem Montag angesetzt. Für mich eine nicht nachvollziehbare Entscheidung.

„Ich finde die SV Ried noch einen Tick stärker“

Ligaportal: Kommen wir zum GAK-Heimspiel gegen den SCR Altach. Die können Klassenerhalt seit Jahren, kampfstark waren sie immer, doch nicht zuletzt im ÖFB-Cup-Finale gegen den favorisierten LASK, haben sie auch spielerische Stärke samt schnellem Umschaltspiel gezeigt. Dazu Greil als Unterschiedsspieler. Wie schätzt du die Altacher ein?

Tino Wawra: Ich finde die SV Ried noch einen Tick stärker. Die haben nicht umsonst vorzeitig den Klassenerhalt geschafft und sind in der Qualigruppe auf Platz eins. Die sind die beste Mannschaft, so wie sie sich entwickelt haben.

Die Altacher haben es natürlich bisher auch gut gemacht in der Saison und sind nur knapp daran gescheitert, dass sie in die Meistergruppe rutschen. Greil spielt in Überform. Aber daheim können wir jeden Gegner schlagen, wenn wir unsere Leistung bringen.

Mit Franz Stolz gelang Tino Wawra im Jänner ein Glücksgriff. Der Leihspieler vom italienischen Serie A-Klub Genua CFC erweist sich im Frühjahr als der erhoffte Rückhalt und kassierte in 13 BL-Spielen 14 Gegentore.

„Derzeit habe ich nur einen Plan A“

Ligaportal: Wenn ihr gegen Altach den Klassenerhalt noch nicht schafft, wie ist das dann emotional für dich, wenn es im letzten Spiel zu deinem Ex-Klub FC Blau-Weiß Linz geht?

Tino Wawra: Von dem möchte ich jetzt noch gar nicht sprechen. Es ist noch zuvor die Runde gegen Altach. Ich hoffe natürlich nicht, dass es dann in Linz noch für uns um was geht. Jeder kennt meine Beziehung zu dem Verein. Ich war dort zehn Jahre. Ich hoffe, dass wir es über das Heimspiel gegen Altach regeln können. 

Ligaportal: Jetzt ist das natürlich schwierig mit der Kaderplanung, wenn der Klassenerhalt noch nicht gesichert ist. Wie weit hast du da einen Plan A und Plan B in der Schublade?

Tino Wawra: Derzeit habe ich nur einen Plan A. Ich plane ganz klar für die Bundesliga. 

Ligaportal: Wie sieht es konkret mit den Spielerverträgen für die neue Saison aus?

Tino Wawra: Es laufen einige Verträge aus. Vor allem bei Spielern, die aus der 2. Liga mit dem GAK in die Bundesliga aufgestiegen sind. Aber es wird alles sehr offen kommuniziert, auch über die Berater mit den Spielern. Wichtig ist erst mal der Klassenerhalt, dass sie sich darauf konzentrieren können.

Wir haben ja dann trotzdem noch einen Monat Zeit bis zum Trainingsstart. Daher gibt es keinen Stress. Ich habe auch gesagt, dass ich sehen möchte, auf wen ich mich verlassen kann in den letzten zwei Monaten, wenn es um das Eingemachte geht.

„Eine gemeinsame Stadionlösung ist das Richtige in Graz“

Ligaportal: Du hast beim FC Blau-Weiß Linz miterlebt wie das neue Stadion entstanden ist. In Linz gibt es ja sogar zwei Schmuckkästen. Und wie sieht es da in Graz mit der Stadion-Thematik aus?

Tino Wawra: Das sind halt politische Entscheidungen, die da getroffen werden. Das ist in Graz etwas schwieriger. Aber ich glaube, dass es mittlerweile gute Gespräche, vor allem zwischen den Klubs, gibt. Beide Klubs sind ja auch einig, wie das ausschauen soll. Eine gemeinsame Stadionlösung ist das Richtige in Graz.

Du brauchst hier keine zwei Stadien. Doch letztendlich geht vieles über die Politik. Da war es in Linz etwas leichter. Hier muss man halt kämpfen. Wichtig ist, dass sich die Vereine erstmal sehr einig sind. Ich hoffe, dass dann bis zum Sommer eine Entscheidung getroffen wird.

Ligaportal: Du hast ja in Linz die Rivalität zwischen Blau-Weiß und dem LASK erlebt. Wie ist es für dich hier mit dem SK Sturm?

Tino Wawra: Es ist grundsätzlich ein gutes Verhältnis mit Michael Parensen. Generell unter den Verantwortlichen. Natürlich gibt es auch hier in Graz eine Rivalität, das ist klar. Das soll ja auch so sein. Das Derby ist das Derby. Aber für das gemeinsame Stadionprojekt stehen wir zusammen.

„Wir sollten jetzt richtig scharf bleiben“

Ligaportal: Abschließend, nach nur einem Punkt aus vier Spielen zuvor, wie stufst du diesen 4:0-Sieg gegen die WSG Tirol ein? Befreiungsschlag? 

Tino Wawra: Einen Befreiungsschlag möchte ich es nicht nennen wollen. Der Befreiungsschlag in der dritten Qualirunde mit dem Heimsieg gegen Blau-Weiß Linz, als wir neun Punkte vor einem Abstiegsplatz lagen, ging dann nach hinten los. Bei den neun Punkten Vorsprung hat das Umfeld, wir eh nicht, schon geglaubt, dass man fast durch ist. Deshalb ist der Heimsieg gegen Tirol überhaupt kein Befreiungsschlag, sondern ein großer, weiterer Schritt Richtung Klassenerhalt.

Wir sollten jetzt gut mit der Situation umgehen und daraus lernen, dass man auch neun Punkte Vorsprung in vier Runden schnell wieder verspielen kann. Da sollten wir jetzt richtig scharf bleiben. Mit vollem Fokus auf die drei Punkte gegen Altach. Wenn wir das schaffen, schaut es dann schon ganz gut aus.

Ligaportal: Danke fürs Gespräch. Viel Erfolg.

Das Interview führte Ligaportal-Chefredakteur Herbert Pumann

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Fotocredit: RiPu-Sportfotos und GAK 1902