Wien/Österreich – Bundespräsident Alexander Van der Bellen hat am Samstag anlässlich des Europatages ein Plädoyer für den Schutz der europäischen Grundidee gehalten. Er ruft dazu auf, „Europa-Patriotismus“ an den Tag zu legen und gemeinsam Lösungen für Migration, Klimakrise, Arbeitslosigkeit, Armut und Krieg zu entwickeln. Zudem sei die Europäische Union gemeinsam dazu angehalten, ihre geopolitische Rolle zu nutzen, um Regeln mit digitalen Großkonzernen wie OpenAI o der Google zu schaffen.

In einer Welt voller Unberechenbarkeit und Chaos sei es im Grunde gut, dass die EU „a bissel fad“ sei, begann der Bundespräsident seine Rede. Denn dieser Umstand zeuge von ihrer Stabilität. „Es ist gut, wenn unsere Wirtschaft auf verlässlichen, berechenbaren, vorhersagbaren Grundlagen beruht. Denn nur so ist Wohlstand möglich“, erklärte der Bundespräsident. Nichtsdestotrotz sei das seit 76 Jahren geeinte Europa immer noch „aufregend“ und „eine einzigartige Zivilisationsleistung“, die beneidet werde.

Der europäische Weg zeichne sich durch die Wahrung des Rechtssystems, die Freiheit der Selbstentfaltung, die Gleichberechtigung von Frau und Mann, die liberale Demokratie, Interessensausgleich, Armutsbekämpfung sowie Inklusion und die „Faszination für das Andere, das Neue“ aus. Diese Werte zu schützen, sei unsere Pflicht. „Wir müssen alles tun, um unabhängiger von der Willkür frem der Regierungen zu werden. Unabhängig in der Energieversorgung, unabhängig in der digitalen Welt. Souverän auch in unserer Verteidigungsfähigkeit“, erklärte Van der Bellen.

Das vereinte Europa ist die beste Idee, die wir je hatten.

Alexander Van der Bellen, Bundespräsident

Auch innerhalb Europas ginge es darum, Menschenrechte hochzuhalten, Nationalismen abzusagen und keine Mauern gegenüber Fremdem aufzubauen. „Wenn wir für Europa da sind, wird Europa auch für uns da sein“, betonte der Bundespräsident mehrmals in seiner Rede. Angesichts aktueller Krisen und der Gefahr des Machtmissbrauchs durch globale Konzerne im Lichte der digitalen Transformation gehe es nun darum, Europa zu verteidigen. „Denn das vereinte Europa ist die beste Idee, die wir je hatten“, schloss Van der Bellen ab.

Wenn wir für Europa da sind, wird Europa auch für uns da sein.

Alexander Van der Bellen, Bundespräsident

Der Europatag wird alljährlich am 9. Mai für Frieden und Einheit in Europa begangen. Am 9. Mai 1950 hatte der damalige französische Außenminister Robert Schuman seine Idee für eine neue Form der politischen Zusammenarbeit in Europa vorgestellt. Ein Jahr später gründeten die beiden ehemaligen Kriegsgegner Deutschland und Frankreich gemeinsam mit den Nie der landen, Belgien, Luxemburg und Italien die „Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl“ (EGKS), mit der die beiden kriegswichtigen Güter unter gemeinsame Kontrolle gestellt wurden.

Die Kooperation weitete sich in den folgenden Jahrzehnten auf an der e Lebensbereiche aus und mündete im Jahr 1992 in der Gründung der Europäischen Union, die einen gemeinsamen Binnenmarkt sowie eine gemeinsame Währung hat und mittlerweile 27 Mitgliedsstaaten umfasst. (APA)