08.05.2026

JERUSALEM / WIEN, 8.5.2026 (DR) – Israels Noam Bettan will am 16. Mai beim Eurovision Song Contest (ESC) 2026 in Wien sein Land vertreten – während Österreichs Hauptstadt mit Drohnenverbot, FBI-Taskforce und flughafenähnlichen Sicherheitskontrollen für einen der größten Sicherheitseinsätze rüstet, die sie je erlebt hat.

Der 28-jährige Sänger aus Ra’anana, Sohn französischer Einwanderer, tritt mit dem Song „Michelle“ an — einem Lied auf Hebräisch, Französisch und Englisch über eine schwierige Beziehung und den Mut, loszulassen. Damit ist sein Beitrag thematisch etwas leichter als die Lieder seiner Vorgängerinnen Eden Golan (Hurricane, 2024) und Yuval Raphael (New Day Will Rise, 2025).

Boykott und Regelstreit

Doch unabhängig vom Inhalt des Liedes steht Israels Teilnahme seit Monaten im Zentrum politischer Auseinandersetzungen, obwohl das Land seit 1973 zum festen Bestandteil des Wettbewerbs gehört und ihn bereits viermal gewonnen hat. Die Proteste gegen Israels Teilnahme gingen schließlich so weit, dass sogar ein Ausschluss des Landes vom ESC zur Debatte stand. Letztendlich sprach sich innerhalb der Europäischen Rundfunkunion (EBU) eine Mehrheit gegen einen Ausschluss aus. Daraufhin kündigten fünf Länder einen Boykott des Wettbewerbs an: Island, Irland, die Niederlande, Slowenien und Spanien.

Den Austrittsforderungen und anschließenden Boykotten vorausgegangen waren Vorwürfe im Zusammenhang mit dem Publikumsvoting des Vorjahres. Yuval Raphael hatte 2025 das Publikumsvoting mit großem Abstand gewonnen und nur knapp den ersten Platz verpasst — dies trotz massiver anti-israelischer Proteste rund um den Wettbewerb. Die EBU untersuchte die Vorwürfe und stellte keinen Regelverstoß fest. Trotzdem wurden die Abstimmungsregeln im Anschluss angepasst, ohne Israel als Grund für die Änderungen zu benennen.

Gegenstimmen aus der Unterhaltungsbranche

Der Boykottbewegung steht eine breite Gegenbewegung gegenüber. Über 1.000 Persönlichkeiten aus der Unterhaltungsbranche unterzeichneten einen offenen Brief der gemeinnützigen Organisation Creative Community for Peace (CCFP) zur Unterstützung von Israels Teilnahme. Zu den Unterzeichnern zählen Schauspieler wie Helen Mirren, Debra Messing und Mila Kunis sowie Musiker wie Boy George und Matisyahu. Der Brief betont, dass Veranstaltungen wie der ESC kulturelle Brücken bauen und Menschen verbinden sollen — und kein Ort für politische Ausgrenzung sein dürfen.

Wiener Polizei rüstet auf

Die Wiener Polizei bezeichnet den ESC 2026 als eines der größten Sicherheitsereignisse, die sie je zu bewältigen hatte. Bereits mehrere Demonstrationen wurden angemeldet, mit bis zu 3.000 erwarteten Teilnehmern. Die Behörden rechnen mit Blockaden und gezielten Störaktionen — besonders rund um den Finaltag.

Besonders brisant: Der 15. Mai, Vorabend des Finales, fällt auf den Nakba-Tag, an dem Palästinenser und ihre Unterstützer der Flucht und Vertreibung vieler Araber im Zuge des israelischen Unabhängigkeitskriegs 1948 gedenken. Die Polizei bezeichnete den Tag als einen von „großer emotionaler Bedeutung“ für pro-palästinensische Gruppen.

Im Umkreis von 1,5 Kilometern rund um die Veranstaltungsorte gilt ein striktes Drohnenverbot. Besucher müssen sich flughafenähnlichen Sicherheitskontrollen unterziehen und dürfen nur kleine, transparente Taschen mitführen. Das FBI richtet in New York eine Taskforce ein, die österreichischen Behörden rund um die Uhr bei der Abwehr von Cyberbedrohungen zur Verfügung steht. Konkrete Drohungen gegen den Wettbewerb liegen bislang nicht vor.Drohungen,

Noam Bettan: Stolz und Entschlossenheit

Trotz des politischen Gegenwinds reiste Bettan bereits mit seinem Team nach Wien, wo er seine erste offizielle Probe in der Stadthalle absolviert hat. Vor seiner Abreise hatte er sich mit einer emotionalen Videobotschaft vom Flughafen an seine Fans gewandt: „Ich habe so viel Unterstützung gespürt wie noch nie in meinem Leben“, sagte er, und versprach, alles zu geben, um Israel bestmöglich zu vertreten.

Titelbild: Noam Bettan vertritt Israel beim ESC 2026, dem größten Musikwettbewerb der Welt. Foto:Yael Abas Guisky/Flash90