© ZDF/Tim Maurice-Jones
Daniel Radcliffe versuchte sich damit an einem Imagewechsel. Für die traditionsreichen Hammer Film Productions wurde der Horrorfilm zum großen Erfolg. Jetzt spukt „Die Frau in Schwarz“ gratis im Streaming.
Unter dem Label „nervenaufreibend“ vereint die ZDF Mediathek nicht nur diverse Fernsehkrimis. Auch der ein oder andere hochkarätige Genre-Stoff aus dem Kino wird dort zum Streamen angeboten. Seit einigen Tagen findet man in besagter Sparte auch die sehenswerte Spukgeschichte „Die Frau in Schwarz“ aus dem Jahr 2012. ZDFneo hat den Film vor kurzem am späten Abend linear gesendet. Nun kann man ihn ab 22 Uhr in der Mediathek nachholen. Das Einschalten lohnt sich gleich aus mehreren Gründen.
Darum geht es in „Die Frau in Schwarz“
„Die Frau in Schwarz“ spielt in England im frühen 20. Jahrhundert. Arthur Kipps (Daniel Racliffe) ist ein junger Anwalt, der sich nach dem Tod seiner Gattin allein um das gemeinsame Kind kümmern muss. Für einen neuen Auftrag wird er von seiner Kanzlei in das abgelegene Eel Marsh House geschickt, das nur bei Ebbe passierbar ist. Mit steigender Flut ist das alte Gemäuer von der Umwelt abgeschnitten. Vor Ort soll er den Nachlass der toten Alice Drablow regeln. Als er dort ankommt, bekommt er es jedoch schnell mit unheimlichen Phänomenen zu tun. Als er eine geisterhafte, in Schwarz gekleidete Frau auf dem Grundstück erblickt, häufen sich die Todesfälle im angrenzenden Ort.
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Die Vorlage
Man kann die Vorlage des Films durchaus als modernen Horrorklassiker bezeichnen. Susan Hill hat „Die Frau in Schwarz“ verfasst und 1983 herausgebracht. In den Folgejahren wurde der Schauerroman Kult. In England wurde er Schullektüre. Man hat ihn wiederholt adaptiert. Es entstanden Hörspiele, eine (ebenfalls sehr gruselig gelungene) britische TV-Verfilmung und 1987 ein Theaterstück, das jahrelang mit großem Erfolg aufgeführt wurde. Es handelte sich um eines der am längsten aufgeführten Stücke im Londoner West End.
Mitunter wurde das Stück auch an deutschen Theatern inszeniert in den vergangenen Jahrzehnten. Eines der Erfolgsgeheimnisse der Theaterfassung ist dabei, dass es sich um ein Schauspiel im Schauspiel handelt, das auch den Theaterraum selbst in ein Spukhaus verwandelt und so den Schrecken noch steigert.
Warum der Film so besonders ist
Die Neuverfilmung des Stoffes aus dem Jahr 2012 ist aus doppelter Hinsicht bemerkenswert. Einerseits war der Film eine Art Karriereneustart für den Hauptdarsteller Daniel Radcliffe. Es war seine erste Leinwandrolle nach der „Harry Potter“-Reihe und emanzipierte sich mit seinem düsteren Horror deutlich von der jugendfreundlichen Fantasy-Saga.
Daneben avancierte die Romanverfilmung zu einem der größten jüngeren Kassenerfolge der berühmten Hammer Film Productions. Das Studio wurde im vergangenen Jahrhundert mit ikonischen Horror-Werken bekannt und hat unter anderem mit seinen Monsterfilmen Meilensteine des Genres produziert. Dazu gehört etwa die „Dracula“-Verfilmung von 1958 mit Christopher Lee.
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„Die Frau in Schwarz“ ist Horror der alten Schule
Jane Goldman (Drehbuch) und James Watkins (Regie) haben mit ihrer „Frau in Schwarz“ kein Meta-Werk kreiert, wie es die Theateradaption des Romans unternommen hat. Stattdessen haben sie einen durch und durch traditionellen Gruselfilm inszeniert, der seine Mittel mit großem handwerklichen Geschick anzuordnen weiß. Nebel wabert. Schreie erklingen. Dielen knarzen. Man schleicht mit spärlichem Licht durch dunkle Gänge. Schatten huschen umher. Kinder verhalten sich seltsam. Spielzeuge rasseln plötzlich los und schaurige Fratzen erscheinen.
Man kann das altmodisch und konventionell finden. „Die Frau in Schwarz“ zeigt all diese Elemente aber mit einem so großen Gespür für Stimmung und Atmosphäre, dass es schwer fällt, sich davon nicht in den Bann ziehen zu lassen. Davon abgesehen, dass sich der Horrorfilm mit seinen Kostümen und den aufwändigen historischen Kulissen als liebevoll gestaltetes Ausstattungskino präsentiert, ohne sich in dessen Exzess zu verlieren. „Die Frau in Schwarz“ verbreitet bis zu seiner düsteren Schlusspointe altmeisterlichen, wohligen Grusel und gehört damit zu den stärksten klassischen Spukhausfilmen, die das 21. Jahrhundert bislang hervorgebracht hat.
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