Dass die Influencer-Agentin es ernst meint, kann man an dem bisherigen Verlauf des Falls beobachten: Im Fall Berdah sind in den letzten vier Jahren schon 28 Menschen zu Haftstrafen von bis zu 18 Monaten verurteilt worden. Dass sich der angebliche Drahtzieher Booba selbst vor Gericht verantworten muss, war wohl nur eine Frage der Zeit. Der 49-Jährige und sein Team hätten diese Entwicklung schon vorhergesehen. „Wir haben diese Anklage erwartet. Das ist ein ganz normaler Verfahrensablauf“, so die Anwälte des Rappers gegenüber AFP. Booba hat den Vorwurf, er würde einen „Online-Mob“ anführen, stets verneint.
Neben dem Cybermobbing wirft Megali Berdah dem Rapper vor, dass sie und ihre Influencer-Agentur durch Boobas Hetzkampagne einen enormen wirtschaftlichen Schaden erlitten hätten. Angeblich soll der Rapper Marken, mit denen ihr Unternehmen Geschäfte gemacht hat, bedroht und belästigt haben, damit sie die Zusammenarbeit mit Berdah beenden. Deswegen verlangt sie von Booba eine Schadensersatzzahlung in Höhe von fast 40 Millionen Euro.
Ob dieser Fall wirklich vor Gericht verhandelt wird, muss jetzt ein Untersuchungsrichter entscheiden. Wenn es zu einem Strafprozess kommt, könnte die französische Rap-Legende im schlimmsten Fall für ungefähr zwei Jahre hinter Gittern kommen. Cybermobbing wird in Frankreich mit bis zu zwei Jahren Gefängnis und einem Bußgeld von bis zu 30.000 Euro bestraft. Wenn die Hetze von mehreren Menschen koordiniert wird, kann die Strafe sogar noch höher ausfallen.
Mergali Berdah wohl nicht Boobas einziges Opfer
Dabei ist Megali Berdah nicht die einzige, die gegen Booba aufgrund seiner Online-Präsenz mit rechtlichen Schritten vorgeht. Im Januar 2024 soll er eine asiatischstämmige Journalistin rassistisch beleidigt und sie sowie einen ihrer Kollegen daraufhin online belästigt haben. Eigentlich hätte der Fall schon im Dezember 2025 vor Gericht verhandelt werden sollen. Da es jedoch fraglich gewesen ist, ob Booba überhaupt persönlich erscheint, ist der Prozesstermin verlegt worden.
Selbst seine Rap-Kollegen sind nicht sicher vor Boobas Online-Attacken: Im vergangenen Oktober haben der französische Rap-Star Gims und seine damalige Frau Demdem eine Anzeige gegen Booba erstattet und ihm ebenfalls vorgeworfen, sie seit sechs Jahren zu belästigen. Neben Posts, in denen Booba seinen Kontrahenten unter anderem als „Hexenmeister“ und Demdem als „Hure“ und „Brutmaschine“ bezeichnet haben soll, steht in diesem Fall auch der Song „Dolce Camara“ im Mittelpunkt. Dort hat Booba die Frau von Gims nicht nur namentlich erwähnt, sondern ihr auch vorgeworfen, nur auf das Geld des ehemaligen Sexion d’Assaut-Mitglieds aus zu sein. Zumindest gegenüber Demdem hat sich Booba erst vergangene Woche auf Instagram entschuldigt und das Kriegsbeil begraben. Bei Gims, mit dem der Rapper seit Jahren einen Beef austrägt, jedoch noch nicht.