Ob Wildtier oder Haustier: im Anthropozän, dem Zeitalter des Menschen, stehen sie alle vor einer Reihe von Herausforderungen. Die Verhaltensbiologen Norbert Sachser und Niklas Kästner zeigen in „Tierwelt am Limit“ die eindrucksvolle Anpassungsfähigkeit der Tiere – und ihre Grenzen. Die Autoren schöpfen dazu aus einem schier unendlichen Repertoire absurder und witziger Studien, aber auch beunruhigender Forschungsergebnisse.
So erläutern sie etwa, was häufigere Tropenstürme mit der Größe von Eidechsenfüßen zu tun haben. Weiter geht es zu Fischarten, die in verseuchten Gewässern leben, weil sie dank rapider Evolution den menschengemachten Giftstoffen trotzen. Wissenschaftlern gelingt mithilfe von Wasserflöhen ein Blick in die 1950er Jahre, woraus sie Schlüsse über den Klimawandel ziehen können. Und in Australien findet ein Wettrüsten statt zwischen den menschlichen Anwohnern und hungrigen Kakadus, die Müllabfuhr spielen.
Neben den Gewinnern stehen auch Verlierer des Anthropozäns im Fokus, etwa Stachelleguane, die sich wegen steigender Temperaturen seltener paaren. Außerdem wird ein oft übersehener Aspekt der Tierwelt beleuchtet: die Fähigkeiten von Haustieren und Nutztieren.
Mit einer Mischung aus interessanter Forschung und spannender Erzählweise veranschaulichen die beiden Wissenschaftler gekonnt, wie weit Tiere sich anpassen können. Das Fazit ist jedoch klar: Der Mensch muss ihnen auch entgegenkommen.
Rezension: Linus Schilling
Norbert Sachser, Niklas Kästner
Tierwelt am Limit
Rowohlt Verlag, 304 S., € 26,–
ISBN 978–3–498–00255–8