Wenn sich die Wiese vor dem Musikpavillon im Hofgarten mit Picknickdecken und Liegestühlen füllt, ist wieder Zeit für „The Sound of Europe“. Das kleine, aber feine Musikfestival ging am Samstagnachmittag bereits in seine fünfte Auflage.
Die Idee und Botschaft dahinter sind so einfach wie hoffnungsvoll: „Europa steht in seiner Vielfalt zusammen“. Das soll auch das Programm auf der Bühne abbilden. 2021 hatte das Festival, das in Kooperation von Europe Direct Düsseldorf und Stadtklang organisiert wird, Premiere. Seitdem gehört es fest zum Eventkalender Düsseldorfs und zieht jedes Jahr mehrere hundert Besucher in den Hofgarten. Spielt das Wetter mit, so wie am vergangenen Wochenende, breiten diese ihre Picknickdecken auf der Wiese aus oder machen es sich auf Parkbänken und Liegestühlen bequem.
„Ich genieße die Atmosphäre jedes Mal“, sagt Martha Rehlein. Die Seniorin hat einen der begehrten Liegestühle ergattert und ist gut vorbereitet in den Hofgarten gekommen. „Ich habe mir ein Kissen und eine Decke mitgebracht, falls es doch etwas kühler ist, als ich dachte, ein paar Schnittchen, etwas Obst und eine Kanne Tee“, zählt die Seniorin auf. Gefragt, was ihr besonders am Festival gefällt, sagt Martha Rehlein: „Es sind immer alle Altersgruppen vertreten. So alte Schachteln wie ich sitzen hier neben jungem Gemüse“, sagt sie lachend und zeigt in die Runde.
Ein paar Meter neben ihr haben Linus, Sina und ihre Clique eine große Decke ausgebreitet. Auch das muntere Grüppchen ist gut vorbereitet. „Wir haben Salate dabei und selbstgebackenes Brot“, erzählen sie.
Auf der Bühne macht sich die erste Künstlerin bereit für ihren Auftritt. Loulia ist aus Frankreich angereist und hat sich entschieden, diesmal nicht mit Band, sondern nur mit Gitarrist Felix aufzutreten. Im Gepäck hat die Sängerin eine Mischung aus souligen und angejazzten Chansons, die sie in verschiedenen Sprachen präsentiert. Als sie Edith Piafs „La Vie En Rose“ anstimmt, bekommt Martha Rehlein feuchte Augen. „Wie schön, ich liebe dieses Lied, weil ich so viele Erinnerungen an meine Reisen nach Paris damit verbinde“, erzählt sie.
Parallel zum Europatag startete in diesem Jahr die Kommunikationskampagne „Europa ist jetzt!“, die das Festival begleitete. Sie soll „in Zeiten globaler Herausforderungen ein sichtbares Zeichen für Demokratie, Freiheit und eine starke europäische Gemeinschaft“ setzen, sagen die Veranstalter, denn „Europa ist kein abstraktes Projekt – es ist lebendig, verbindend und betrifft unseren Alltag.“
Sehen die Menschen im Hofgarten das auch so? „Ich finde es schade, dass wir so oft Europa nur auf Brüssel reduzieren und Entscheidungen, die wir als Belastung empfinden“, sagt Linus. Freundin Sina stimmt ihm zu: „Gerade in politisch so bewegten Zeiten müssen wir doch eher zusammenstehen, als uns gegenseitig zu blockieren“.
Ob Festivals wie „Sound of Europe“ da ein Zeichen setzen können, da sind sich die jungen Leute nicht ganz einig. „Sind wir ehrlich, wir sind heute hier, um Spaß zu haben, den Tag und die Musik zu genießen“, räumt Karol ein und schon ist die Gruppe mittendrin in einer Diskussion über die aktuelle Lage. Ganz im Sinne der Veranstalter, die sich genau das gewünscht haben.
Auf der Bühne hat Loulia ihren Auftritt beendet und gibt das Mikrofon an Kollegin Alessandra Ponente weiter, die aus Sizilien gekommen ist. Die Singer-Songwriterin ist tief verwurzelt in den traditionellen Klängen ihrer Heimat, die sie mit einer eigenen poetischen Handschrift vorträgt.
Das Amsterdamer Ensemble Spull entert im Anschluss mit neun Musikern die Bühne und bringt mit seinem instrumentalen Menü aus Soul, Funk und einem Spritzer Afro-Jazz noch einmal eine ganze neue Klangfarbe ins musikalische Spektrum des Nachmittags.
Für Warm-up und Cooldown legt DJane Khrystyna Havrilyuk auf. Die Ukrainerin ist international als Produzentin und Sängerin mit ihrem ganz eigenen Sound aus Progressive House und Melodic Techno unterwegs, tritt dabei unter anderem in Clubs in Argentinien, Mexiko oder Spanien auf. Eine Weltenbummlerin mit Gespür für passende Festival-Tracks.