FollowingSzene aus „Following“ Foto: Drop-Out Cinema/ Pandastorm

Bei Prime Video laufen bald wieder verschiedene Streaming-Rechte aus. DIGITAL FERNSEHEN stellt drei Filme vor, die man bis dahin noch schauen sollte.

Amazon macht bei Prime Video selbst auf Filme aufmerksam, die bald aus dem Abo fliegen. Im Anschluss kann man sie in der Regel nur noch kostenpflichtig leihen und kaufen. Der Streamer hat dazu eine eigene Kategorie im Katalog angelegt für „Filme, die in den nächsten 30 Tagen verschwinden“. Dazu gehören aktuell große Blockbuster wie die Extended Versions von der „Herr der Ringe“-Trilogie, aber auch eher unbekannte Geheimtipps. Diese drei Titel stechen unter anderem heraus:

„Memory“

Michel Franco hat in den letzten Jahren einige herausragende, erschütternde Dramen inszeniert. Damit hat er auf internationalen Festivals wie der Biennale in Venedig für Aufsehen gesorgt. Im hiesigen Kinoprogramm gingen die Filme des des Mexikaners aber eher unter. Seine Werke leben von aufregenden, unangenehmen Situationen und Figurenanordnungen. In „Memory“ spielt Jessica Chastain Sylvia, eine Sozialarbeiterin, die nach einem Klassentreffen von einem Mann namens Saul (Peters Sarsgaard) verfolgt wird. Kurz darauf folgt die Enthüllung: Saul hat Sylvia früher angeblich vergewaltigt. Der demente Mann kann sich nur an nichts erinnern.

Michel Franco inszeniert die Beziehung, die sich fortan zwischen beiden entwickelt, in nüchtern beobachteten Szenen und Einstellungen. Ähnlich wie in seinem ebenfalls starken Film „Dreams“, der bald in die deutschen Kinos kommt, erzählt er eine provokante Romanze, bei der man immer wieder fragen muss, was die Figuren ineinander wirklich sehen und was sie auf andere nur projizieren. Vor allem aber ist „Memory“ ein ergreifender Film über (familiäre) Verdrängung und Entmündigung und zeigt dabei zwei Top-Schauspieler in hochkomplexen Rollen.

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„Following“

Christopher Nolan gehört zu den populärsten Filmemachern der Gegenwart. Mit seinem letzten Film „Oppenheimer“ hat er mehrere Oscars abgeräumt, darunter für die beste Regie und den besten Film. Dieses Jahr meldet er sich mit dem Epos „Die Odyssee“ in den Kinos zurück. Und obwohl Nolan eine ganze Reihe ikonischer Werke inszeniert hat, fristet „Following“ immer noch ein wenig ein Schattendasein. Das Langfilmdebüt des Regisseurs kam zwar 2024 über Drop-Out Cinema und Pandastorm noch einmal als Wiederaufführung in die deutschen Kinos. Dennoch gehört dieser Film Noir in Schwarz-Weiß zu den eher unbekannteren Werken des Künstlers.

Szenenbild aus Following, noch kurze Zeit bei Prime VideoFoto: Drop-Out Cinema/ Pandastorm

„Following“ erzählt von einem Schriftsteller, der gemeinsam mit einem Kriminellen beginnt, in die Wohnungen fremder Menschen einzubrechen. In nur einer reichlichen Stunde Laufzeit findet man dabei verschiedenste Ansätze und Motive, die man auch in dem späteren Schaffen von Nolan wiederfindet. Dazu gehört das Spiel mit der Manipulation und einer verschachtelten, wendungsreichen Erzählweise. Figuren finden sich in Intrigen und Fallen wieder. Dazu spielt auch das Thema Zeit hier schon eine wichtige Rolle, wenn es um das parallele Ablaufen von Routinen, Identitäten und Lebenswegen geht, die man sich über Voyeurismus, Verfolgungen und das Eindringen in fremde Räume zusammenpuzzelt. Nur: Der eigenen Wahrnehmung und Überheblichkeit ist dabei selten zu trauen. Bei Prime Video kann man das Verwirrspiel aktuell noch nachholen, ehe es aus dem Streaming-Abo verschwindet.

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„The Poughkeepsie Tapes“ noch kurze Zeit bei Prime Video

Es ist nicht leicht, diesen Film zu empfehlen. Wer aber mit dem Horror-Genre etwas anfangen kann und sich gern mit filmischen Abgründen konfrontiert, kann mit „The Poughkeepsie Tapes“ ein durchaus interessantes mediales Spiel erleben. Bereits 2007 feierte der Film seine Weltpremiere. Erst dieses Jahr erfuhr er dann endlich eine reguläre deutsche Veröffentlichung. Das ganze Werk ist im Stil einer True-Crime-Doku gehalten. In Poughkeepsie, New York, hat ein Serienkiller sein Unwesen getrieben. Die Behörden haben in einem Haus hunderte Videokassetten gefunden, auf denen der Mörder seine Gräueltaten festgehalten hat. Es ist eine Mischung aus Pornografie und Snuff-Filmen.

„The Poughkeepsie Tapes“ versucht sich nun an einer hybriden Struktur. Über Interviews und Berichte rekonstruiert diese Fake-Doku die Abfolge der Verbrechen. Dazwischen werden immer wieder verstörende Ausschnitte aus den VHS-Kassetten eingespielt, die zum Teil extrem graphisch sind. Oft sind sie aber auch durch die verfremdeten, unscharfen, schlierigen Bilder auch deshalb so unheimlich, weil sie viele Dinge im Kopf des Publikums ablaufen lassen. Interessant ist daran vor allem, dass der Film ebenso nach der Rezeption von Verbrechen fragt. Das reicht hier bis zur Fehlbarkeit und Inszenierung der amerikanischen Justiz, aber auch der Fetischisierung des Films selbst. Welche Spuren hinterlässt es in einem, wenn man solche Bilder sieht? Welche Faszination üben sie auf ihr Publikum aus?

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