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Mainz – Nicht nur in der Öffentlichkeit, auch hinter den Kulissen wächst der Ärger über den KI-Skandal. Mehr als 1000 ZDF-Mitarbeiter waren zu Wochenbeginn zu einer internen Teams-Schalte anwesend, in der Chefredakteurin Bettina Schausten (61) Stellung nahm. Nachdem die Kritik in der Betriebsversammlung öffentlich wurde, wiegelt das ZDF ab, spricht von „aus dem Zusammenhang gerissenen Zitaten“.

Dabei belegt der Mitschnitt der Runde, den das Portal „Nius“ veröffentlichte, vielmehr, wie angespannt die Lage ist. Mehrere Mitarbeiter attackierten knallhart den eigenen Sender, während Schausten versuchte, die Wogen zu glätten. Sie begründete unter anderem die Abberufung der New-York-Studiochefin Nicola Albrecht (50). Das KI-Video sei „bewusst“ verwendet worden. Albrecht habe „sich selbst gesagt: Ach, das geht ja, wenn ich es kennzeichne“. Doch so gehe es nicht, erklärte Schausten.

„Ist das unser Relotius-Moment?“

Fakt ist: Hinter den Kulissen knallte es für ZDF-Verhältnisse ordentlich. Ein Mitarbeiter in der Runde warnte vor einem „Wir-gegen-die-da-draußen“-Reflex. Kritik werde abgewehrt statt geprüft. Schon der Titel „Kinder in Angst vor ICE“ sei ihm „zu schwarz-weiß“ gewesen – eine „totale Zuspitzung auf das Narrativ“. Seine bange Frage: „Ist das unser Relotius-Moment?“

ZDF korrigiert Beitrag zu Trump-Abschiebungen: Gefälschte Clips im „heute journal“ZDF korrigiert Beitrag zu Abschiebungen: Gefälschte Videos im „heute journal“

Quelle: ZDF heute journal17.02.2026

Eine weitere langjährige Kollegin spricht von einem „unfassbar gravierenden Fehler“, der dem Sender auf Jahre schade. Führungskräfte trügen Verantwortung – Konsequenzen sehe sie nicht.

Theveßen trotzig – Schausten kontert

US-Korrespondent Elmar Theveßen dagegen blieb stur: „Kein einziges Wort an den Beiträgen von Nicola war falsch“, man habe „die Realität abgebildet“ und sich nichts vorzuwerfen, so der Mann aus Washington. Offenbar selbst für ZDF-Chefredakteurin Bettina Schausten zu starker Tobak. Sie widerspricht: Das KI-Video sei „wissentlich“ verwendet worden. Realität dürfe nicht mit KI bebildert werden, „wie sie sein könnte“.

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Unklar bleibt die Rolle von heute-Frontfrau Dunja Hayali. Die habe nicht gewusst, dass KI-Material im Beitrag steckte, beteuert Schausten, sei von einer anderen Fassung ausgegangen. Klingt nach Entlastung, doch dann der Seitenhieb: Es wäre „schön gewesen“, sie hätte sich den Beitrag noch einmal angesehen.

Auch Kritik von außen wächst

Fernsehratsmitglied und „Bund der Vertriebenen“-Vize Steffen Hörtler (52) zu BILD: „Wenn die Betriebsversammlung so stattgefunden hat, dann bin ich irritiert. Ich habe deshalb beim ZDF nachgefragt und als Antwort bekommen, dass es eine interne Betriebsversammlung war und die gefallenen Zitate aus dem Zusammenhang gerissen wurden.“ Eine BILD-Anfrage zu den durchgestochenen Aufnahmen blieb unbeantwortet.