Rund sechs Monate nach der erfolgreichen Dekompilierung von The Legend of Zelda: Twilight Princess ist es fleißigen Moddern gelungen, eine native PC- und Mobile-Portierung des Spiels zu erstellen. Das Projekt basiert auf einer vollständigen Dekompilierung der GameCube-Version, an der die Decomp-Community bereits seit 2020 arbeitet. Der PC-Port mit dem Namen „Dusk“ wirkt bereits in den ersten Eindrücken überraschend ausgereift.

Bereits viele integrierte Features für eine so kurze Entwicklungszeit

Dusk bringt eine Reihe moderner Verbesserungen mit sich. Spieler können das Abenteuer in deutlich höheren Auflösungen erleben und profitieren von einer unbegrenzten Bildrate, was die Spielwelt flüssiger denn je erscheinen lässt. Zusätzlich wurden Komfortfunktionen integriert, etwa Gyro-Steuerung beim Zielen mit Bogen oder Greifhaken, verbesserte Schatteneffekte sowie verschiedene Bloom-Optionen für die Beleuchtung. Spieler haben hier sogar die Option, eigene Farbwerte und Intensität festzulegen.

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Interessant ist auch die Mischung aus Features der verschiedenen bisherigen Spielversionen: Der Port enthält sowohl die freie Kamerafunktion der Wii U-Fassung als auch den gespiegelten Modus der Wii-Version. Hinzu kommen optionale Schwierigkeitsanpassungen, Achievements und zahlreiche Quality-of-Life-Verbesserungen. Dazu gehören beispielsweise schnellere Kletteranimationen für Link oder die Möglichkeit, Dialoge deutlich schneller zu überspringen. Für experimentierfreudige Spieler sind außerdem Cheats mit an Bord.

Besonders viel Aufmerksamkeit erhält jedoch das kommende Modding-Potenzial. Bereits im aktuellen Material sind erste Beispiele, wie alternative Modelle für Link, zu sehen. So kann Link in einen Wolf-Link mit neuen Fellvarianten verwandelt werden oder komplett durch andere Charakterdesigns ersetzt werden, beispielsweise Linkle oder die klassische Darstellung aus Ocarina of Time. Möglich sind auch eigene Texture-Packs für die Spielwelt. Die Entwickler selbst sehen hier nur den Anfang einer größeren Modding-Ära.

Ein beteiligter Modder, bekannt als Taka Rikka, äußerte sich begeistert über die Veröffentlichung und betonte, dass das Projekt ohne die internationale Zusammenarbeit der Decomp-Community nicht möglich gewesen wäre. Die Arbeiten hätten Jahre intensiver Zusammenarbeit erfordert, und man habe zu Beginn kaum erwartet, jemals einen vollständigen Abschluss zu erreichen. Gleichzeitig wurde angedeutet, dass weitere Updates bereits in Planung sind.

When we started the decomp project in August 2020, it was hard to imagine ever finishing, much less seeing it be used for a project like this. So many hours of effort were poured into the decomp by many contributors all over the world.

— Taka 📦‼️ (@TakaRikka_) May 9, 2026

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Weitere Projekte in Arbeit

Immer mehr klassische Spiele werden durch Dekompilierung neu zugänglich gemacht. Auf decomp.dev könnt ihr den aktuellen Fortschritt verschiedener Decomp-Projekte verfolgen. Ähnliche Projekte haben bereits anderen Titeln zu inoffiziellen PC-Versionen verholfen, zuletzt beispielsweise Sonic Unleashed, dessen Xbox-360-Version ebenfalls auf diese Weise auf den PC gebracht wurde.

Was ist Dekompilieren?

Der Prozess des Dekompilierens bedeutet, dass der ursprüngliche Spielcode Stück für Stück rekonstruiert und in eine nachvollziehbare, moderne Codebasis übertragen wird. Dadurch wird es möglich, dass Spiele unabhängig von der ursprünglichen Hardware laufen. Dahinter steckt dann kein klassischer Emulator, sondern eine eigenständige native Portierung. Zum Starten des Ports wird lediglich eine Kopie des Originalspiels benötigt. Solche Projekte sind extrem zeitaufwendig und können mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Mit zunehmender Größe und Komplexität moderner Spiele steigt auch der Aufwand für die Rekonstruktion des Codes erheblich.