Auftakt für Lead und Speed in Wujiang: Annie Sanders schlägt Janja Garnbret knapp im Lead, bei den Herren geht Gold an Neo Suzuki. Der 16-jährige Zhao Yicheng bricht seinen eigenen Speed-Weltrekord und gewinnt seinen ersten Weltcup.

Herren: Neo Suzuki holt erstes Lead-Gold der Saison

In Wujiang fand am Wochenende der erste Lead-Weltcup der Saison statt. Bei den Herren sicherte sich Neo Suzuki (JPN) den Titel – mit solidem Abstand zum restlichen Feld. Silber ging an den Olympiasieger aus Tokio, Alberto Ginés López (ESP). Dohyun Lee (KOR), der vergangenes Wochenende bereits in Keqiao Silber geholt hatte, gewann Bronze in Wujiang.

Für Suzuki ist es die zweite Goldmedaille in einem Lead-Weltcup – 2025 hatte er in Innsbruck zum ersten Mal gewonnen. Der 21-Jährige ist außerdem der amtierende asiatische Meister im Lead.

Mein Ziel für diese Saison: drei Goldmedaillen zu gewinnen und es auf alle Podiums zu schaffen.

Neo Suzuki

Podium: Neo Suzuki, Alberto Ginés López, Dohyun Lee | Bild: Kazushige Nakajima/World Climbing

Die Finalroute der Herren war in Wujiang so »boulderig« wie noch bei kaum einem Wettkampf. Kräftige Züge an Slopern, Campus-Abschnitte und Drehungen prägten die Route, an der sich die acht Finalisten die Zähne ausbeißen sollten. Der Japaner Neo Suzuki hatte sich auf dem letzten Rang für das Finale qualifiziert und kletterte als erster Athlet – sein Highpoint von 44+ sollte von keinem anderen Teilnehmer geschlagen werden.

Insbesondere die Crux im oberen Mittelteil forderte Stürze von gleich vier Athleten, die damit sehr nah beieinander platzierten. Das betraf auch den Gewinner des Boulder-Weltcups in Keqiao vergangenes Wochenende, Sorato Anraku. Er verblieb damit ohne Medaille – ebenso wie sein Landsmann und Favorit aus dem Halbfinale, Satone Yoshida.

Ein besonderes Highlight im Finale war der 20-jährige Franzose Victor Guillermin. Der Lead-Spezialist startet erst seit 2025 in Erwachsenen-Weltcups und erreichte in Wujiang sein erstes Finale. Das beendete er zwar auf dem letzten Rang, aber wohl als Publikumsliebling: Er fand ein überraschendes Kneebar in der Finalroute, aus dem er der ausverkauften Halle zuwinkte.

Ergebnisse Herrenfinale

Ergebnisse Finale Herren | Bild: World Climbing

Damen: Zweites Lead-Gold für Sanders, erneut Silber für Garnbret

Bei den Damen kam es erneut zum Showdown mit Janja Garnbret (SLO) – dieses Mal gegen Anastasia »Annie« Sanders (USA). In einem spannenden Finale musste Sanders als letzte Starterin mit dem unangefochtenen Highpoint der Slowenin gleichziehen, die beim Sprung kurz vor dem Top gestürzt war.

In allerletzter Sekunde verfehlte auch die US-Amerikanerin den rettenden Griff und sorgte mit ihrer Plus-Wertung für Gleichstand mit Garnbret. Aufgrund ihrer besseren Platzierung im Halbfinale ging das Gold an Annie Sanders – und Silber wie schon in Keqiao an die Slowenin. Chaeyhun Seo (KOR) holte sich in Wujiang Bronze, nachdem es in Keqiao nicht für das Halbfinale gereicht hatte.

Für Annie Sanders ist es die zweite Goldmedaille in einem Lead-Weltcup. Auch beim Bouldern hat die 18-Jährige bereits zwei Weltcups gewonnen.

Ich wusste erst nicht, ob ich über das Zeitlimit hinaus geklettert bin. Als ich verstanden habe, dass ich gewonnen habe, war das ziemlich überwältigend.

Annie Sanders

Podium: Annie Sanders, Janja Garnbret, Chaehyun Seo | Bild: Kazushige Nakajima/World Climbing

Wie auch bei den Herren war die Finalroute der Damen großgriffig und extrem oberkörperkräftig, was die vorherigen Platzierungen aus dem Halbfinale neu sortierte. Insbesondere die Italienerin Laura Rogora, im Halbfinale noch Dritte, kam mit dem Stil der Route wenig zurecht und stürzte im Finale auf Rang 8 ab. Auch die beiden Sloweninnen Lucija Markus und Rosa Rekar sowie die Australierin Oceania Mackenzie fielen früher als die Konkurrenz.

Für die Britin Erin McNeice war es der erste Final-Auftritt der Saison, nachdem sie zuvor Elfte in Keqiao geworden war. Gemeinsam mit Chaeyhun Seo hatte sie 2025 in Wujiang ein seltenes Doppel-Gold gewonnen – dieses Jahr beendete sie die Station auf Rang 4.

Unter den insgesamt 16 Lead-Finalistinnen und -Finalisten in Wujiang waren fünf Personen, die zuvor auch beim Boulder-Weltcup in Keqiao unter die besten acht kletterten: Annie Sanders, Janja Garnbret, Oceania Mackenzie, Dohyun Lee und Sorato Anraku. Zwei von ihnen sicherten sich bei beiden Events eine Medaille – ein Zeichen dafür, wie nah sich die ohnehin eng besetzten Starterfelder beider Disziplinen mittlerweile kommen.

Ergebnisse Damenfinale

Ergebnisse Finale Damen | Bild: World Climbing

Speed: Schon wieder Weltrekord für Zhao Yicheng

Die Speed-Saison startete in Wujiang mit einer Sensation: Der Chinese Zhao Yicheng stellte vor Heimpublikum einen neuen Weltrekord auf. Im Halbfinale gegen US-Amerikaner Sam Watson lief er die 15 Meter in 4,54 Sekunden und unterbot damit seine eigene Bestmarke von vor wenigen Wochen um 0,04 Sekunden.

Im darauffolgenden Finale setzte sich der erst 16-Jährige gegen seinen Landsmann, den amtierenden Weltmeister Jianguo Long, durch und holte Gold – in seinem allerersten Erwachsenen-Weltcup. Sam Watson sicherte sich im kleinen Finale Bronze gegen seinen Teamkollegen Michael Hom.

Bei den Damen ging der erste Speed-Titel in 2026 wenig überraschend an Aleksandra Kalucka. Die Polin schlug im Finale die Russin* Elizaveta Ivanova und lieferte dabei die schnellste Damen-Zeit des Events: 6,12 Sekunden. Bronze ging an die Indonesierin Desak Made Rita Kusuma Dewi.

*Seit dieser Saison dürfen russische und belarussische Athletinnen und Athleten unter der »Neutral Athletes Policy« wieder im Weltcup starten.

Siegerin Aleksandra Kalucka (POL) | Bild: Kazushige Nakajima/World Climbing

Sieger und Weltrekordhalter Zhao Yicheng | Bild: Kazushige Nakajima/World Climbing

Keine Halbfinals oder Finals für Team Germany

Für das deutsche Team endete der Lead- und Speed-Weltcup in Wujiang in der Qualifikationsrunde. Lead-Spezialist Yannick Nagel verpasste als bester Deutscher auf Platz 25 haarscharf den Einzug ins Halbfinale. Der 20-Jährige zeigt sich niedergeschlagen, aber resolut und mit Blick nach vorne auf den nächsten Weltcup.

Nicht der Saisonstart, auf den ich gehofft hatte. Das Halbfinale um einen Platz zu verpassen tut weh. In drei Wochen werde ich in Prag alles geben, was ich habe.

Yannick Nagel

Sebastian Halenke (Platz 33), Otto Reiter (Platz 41) und Max Dinger (Platz 42) konnten sich beim Lead im Mittelfeld platzieren. Auch bei den Damen reichte es nicht ganz für das Lead-Halbfinale. Das beste Ergebnis erzielte Roxana Wienand (Platz 39), gefolgt von Annika Müller (Platz 44).

Im Speed der Herren vertraten Sebastian Lucke und Andrin Zedler die deutsche Föderation. Lucke erzielte in der Qualifikation eine neue persönliche Bestzeit von 4,999 Sekunden und knackte damit als zweiter Deutscher aller Zeiten die 5-Sekunden-Marke. Auf Rang 21 blieb ihm dennoch der Finaleinzug als einer der Top 16 verwehrt.

Andrin Zedler sicherte sich mit einem Lauf in 5,21 Sekunden den 31. Platz. Mia Josephine Schultz erreichte bei den Damen in ihrem ersten Erwachsenen-Weltcup Platz 33 von 37. Ihre schnellste Zeit in der Qualifikation: 7,62 Sekunden.

Roxana Wienand erreichte Platz 39 | Bild: Kazushige Nakajima/World Climbing

Yannick Nagel erreichte Platz 25 | Bild: Kazushige Nakajima/World Climbing

Nächste Stationen: Salt Lake City, Bern, Madrid

Im Mai stehen noch drei weitere Weltcup-Termine auf dem Programm. Vom 15. bis 16. Mai startet die Weltcup-Reihe im Paraclimbing in Salt Lake City. Daraufhin findet vom 22. bis 24. Mai in Bern der Boulder-Weltcup statt. Vom 28. bis 31. Mai wird in Madrid der Boulder- und Speed-Weltcup ausgetragen.

Alle Termine zur laufenden Weltcup-Saison 2026 findet ihr hier.

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Credits Titelbild: Nakajima Kazushige/World Climbing