Es ist ein Satz, den man im Asset-Management selten so offen hört: „Ich möchte zum Kunden gehen und sagen: Schau her, ich habe was Gutes für dich.“ Marcus Perschke, Leiter Wholesale bei der BayernInvest und selbst an der bayerisch-tirolerischen Grenze lebend, formuliert damit in aller Klarheit, womit die Münchner Boutique jetzt den österreichischen Markt erschließen will: mit einem übersichtlichen Kreis von Fixed-Income-Fonds, an die man im eigenen Haus selbst glaubt – und einer Betreuungsphilosophie, die in Zeiten industrialisierter Mandatsabwicklung zunehmend selten wird.

Vom institutionellen Platzhirsch zum Wholesale-Player – der lange Anlauf

Die BayernInvest, Asset-Management-Tochter der BayernLB, ist seit rund 35 Jahren im Markt – historisch gewachsen aus dem institutionellen Geschäft. Mit knapp 100 Milliarden Euro Assets under Management ist die Gesellschaft alles andere als ein Newcomer. Im Publikumsfondsgeschäft jedoch trat man lange betont leise auf. Perschke, seit fast drei Jahrzehnten in der Branche, heuerte 2019 an, 2020 begann der Aufbau des Wholesale-Bereichs.

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Märkte im Fokus Q2/2026

10.06.2026 10:00

60 Min.

Christian Müller-Glissmann

„Wir haben vorsichtig in Deutschland angefangen. Unsere Fonds haben teilweise schon einen Track Record bis in die neunziger Jahre zurück – und trotzdem musste viel gemacht werden, um das Publikumsfondsgeschäft überhaupt richtig aufzusetzen“, schildert Perschke die ersten Jahre. Vertriebsvereinbarungen, Datenanbindungen an Mountain View, WM-Daten & Co, das gesamte Fundament für aktives Wholesale-Geschäft musste erst gelegt werden. Der Ansatz: Erst das Heimatgeschäft profitabel machen, dann expandieren. „Manche machen es vielleicht anders, wir jedenfalls sehen das als den vernünftigen nächsten Schritt.“

Im Gespräch

Warum Österreich – und warum genau jetzt

Für Perschke sind es drei Argumente, die Österreich als ersten strategischen Auslandsmarkt für den Wholesale-Vertrieb prädestinieren: geographische Nähe, kulturelle Passung – und harte ökonomische Logik. Nüchtern betrachtet spare man sich als bewusst schlankes Haus – mit einem gewissen Boutique-Charakter, was den Investmentfokus betrifft – die Übersetzung der gesamten Dokumentation. „Wir sind von den Assets in den Publikumsfonds her noch nicht an dem Punkt, um englische, französische, italienische und spanische Factsheets zu erstellen und in all diesen Märkten Standorte aufzubauen. Österreich hat den Vorteil, dass es mit denselben Dokumenten in derselben Sprache geht.“

Hinzu komme ein kultureller Faktor, den Perschke als wichtige Voraussetzung für ein gutes Wholesale-Geschäft hervorhebt: „Es ist einfach angenehm, mit den Österreichern zusammenzuarbeiten. Die Kooperation ist verbindlich, der persönliche Kontakt wird gelebt.“ Was nach weichem Faktor klingt, ist im beratungsintensiven Wholesale-Geschäft genau die Voraussetzung dafür, dass aus dem Markteintritt tragfähige Geschäftsbeziehungen werden.

„Es ist jetzt nur fair, den österreichischen Kunden den entsprechenden Service zu bieten. Alles andere wäre halbherzig“ – Marcus Perschke, Leiter Wholesale BayernInvest

15 Fonds statt Schaufenster-Marketing

Von insgesamt 18 Publikumsfonds sind 15 in Österreich zum Vertrieb zugelassen. Abgedeckt werden Euro-Anleihen (Staats- und Unternehmensanleihen), Corporate Bonds, High Yield, Nachranganleihen sowie nachhaltige Fixed-Income-Anlagelösungen. Perschke zieht damit bewusst eine Trennlinie zu internationalen Häusern, die mit einem oder zwei Produkten vorsichtig testen, ob der Markt überhaupt hergibt, was man vorher mit schmalem Budget aufgesetzt hat: „Registrierung kostet Geld und bringt administrativen Aufwand mit sich. Beides leisten wir gern, denn wir sind von unserer Produktpalette überzeugt.“

Im Fokus des Vertriebsaufbaus stehen Fondsselektoren bei Banken, Dachfondsmanager und Vermögensverwalter – also exakt jener Teil des Marktes, der das Produkt nach handwerklichen Kriterien prüft. Und genau hier sieht Perschke die Stärke der eigenen Aufstellung: „Wenn ich davon nicht überzeugt wäre, wäre ich nicht hier, um meine Erfahrung und meine Kundenkontakte einzubringen.“

Boutiquen-Charakter mit 100-Milliarden-Rückgrat

Knapp zwei Milliarden Euro bringt das Publikumsfonds-Geschäft der BayernInvest aktuell auf die Waage. Ein Wert, der für sich genommen den Begriff Boutique rechtfertigt – ebenso wie der konzentrierte Investmentfokus des Hauses. Doch Perschke und sein Kollege Hakem Saidi-Merella, Leiter Investment Management Global Fixed Income, legen Wert auf die Einordnung ins Gesamthaus: „Unsere Aufstellung insgesamt ist alles andere als Boutique, sondern bringt die Strukturen mit, die es zur Skalierung braucht.“ Die Gesellschaft verwalte rund 100 Milliarden Euro, darunter zweistellige Milliardenbeträge für einzelne Institutionelle. 

Praktisch zahlt sich das unter anderem auf der Beschaffungsseite aus: Als Adresse mit 100 Milliarden wird die BayernInvest beispielsweise bei Neuemissionen im Fixed-Income-Bereich regelmäßig angesprochen, bekommt Zuteilungen, die kleinere Häuser nicht erhalten.

Flaggschiffe: Renten Europa, Renten Global Opportunities, Reserve Euro

Drei Produkte stehen im Zentrum der Wholesale-Offensive. Der mit fünf Morningstar-Sternen ausgezeichnete Renten Europa kann seit Auflage 2006 gegen Euro-Staatsanleihen als Vergleichsindex eine jährliche Outperformance von rund 200 Basispunkten nach Kosten vorweisen – auf Zehnjahressicht sind es laut Saidi-Merella sogar 350 Basispunkte p. a. Der Global Bond Opportunities hebt die Strategie auf eine globale Ebene und nimmt aktiv Währungs- und Durations-Wetten in die Hand. Der Reserve EUR Bond zielt auf das Segment zwischen Geldmarkt und Renten-Kurzläufern und verspricht laut Perschke eine Mehrrendite von rund 100 Basispunkten pro Jahr gegenüber Geldmarktfonds – bei Verwaltungsgebühren, die in der institutionellen bei neun, in der Retail-Tranche bei 25 Basispunkten liegen.

Preisvorteil als Nebeneffekt der Jugend

Dass die Kostenstrukturen schlank kalkuliert sind, hat laut Perschke einen strukturellen Grund: „Wer vergleichsweise frisch am Wholesale-Markt ist, hat weniger hochmargige Produkte, bei denen es vielleicht weh tut, Gebühren proaktiv zu senken. Wenn man frisch in den Wettbewerb startet, kann man direkt mit schlanker Kalkulation reingehen.“ Der Wettbewerbsvorteil der kurzen Wege wird dabei offensiv gegen etablierte Häuser ausgespielt. Perschke sieht Fonds-Giganten aus den USA und UK als ausdrückliche Referenzen für aktives Fixed-Income-Management, an denen man sich messen lassen müsse: „Da müssen wir uns mit unseren Performances aber überhaupt nicht verstecken.“

Die Botschaft an den österreichischen Markt

Der Markteintritt fällt in eine Phase, in der Renten nach Jahren als Orchideenthema wieder Kernbestandteil jeder seriösen Portfolio-Allokation werden. Genau diese Rückkehr des Fixed-Income-Gedankens will Perschke auch in den Köpfen der österreichischen Selektoren wachhalten: „Diversifikation ist und bleibt wichtig. In dieser Hinsicht haben Anleihen zuletzt wieder eindrücklich gezeigt, welchen Wertbeitrag sie im Rahmen der Asset-Allokation leisten können – speziell im Zusammenhang mit aktivem Portfoliomanagement. Schließlich ist der Anleihenmarkt immer noch der größte Anlagemarkt der Welt.“

Das kommt mit Ansage. Und mit bayerisch-österreichischer Handschlagqualität. Die Alpenrepublik wird in den kommenden Monaten sehr genau beobachten, ob der Anbieter aus München halten kann, was Perschke in Wien versprochen hat. Der Track Record der Produkte jedenfalls redet eine deutliche Sprache – und das Selbstbewusstsein, mit dem die BayernInvest jetzt antritt, unterscheidet sich merklich vom halbherzigen Testballon, den internationale Häuser gern als Markteintritt verkaufen.

AUF EINEN BLICK: BAYERNINVEST IN ÖSTERREICH

Gegründet vor ca. 35 Jahren, Tochter der BayernLB, Sitz München mit Standort LuxemburgAssets under Management: rund 100 Mrd. Euro (gesamt) / ca. 2 Mrd. Euro (Publikumsfonds)18 Publikumsfonds, davon 15 in Österreich zum Vertrieb zugelassenFokus-Segmente: Euro-Staats- und Unternehmensanleihen, Corporate Bonds, High Yield, Nachrang, nachhaltige Fixed-Income-LösungenFlaggschiffe: Renten Europa (5 Sterne Morningstar), Global Bond Opportunities, Reserve EUR BondZielgruppe in Österreich: Fondsselektoren in Banken, Dachfondsmanager, VermögensverwalterAnsprechpartner Wholesale Österreich: Marcus Perschke, Oliver Gersten

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