Wie bei jedem Krieg sind die ersten Profiteure in der Rüstungsindustrie zu finden. So meldeten mit den US-Konzernen Lockheed Martin, Boeing und Northrop Grumman drei der weltweit größten Rüstungsfirmen jeweils Rekordauftragsbestände zum Ende des ersten Quartals. Auch etliche Großbanken konnten ihre Gewinne im Lauf des Krieges deutlich steigern. JPMorgan verzeichnete etwa laut BBC den zweithöchsten Quartalsgewinn der Bankgeschichte

Logisch erscheinen auch die Gewinnsprünge der großen Ölkonzerne. Nach Einschätzung des saudischen Ölkonzerns Saudi Aramco fehlt dem Weltmarkt durch die vergangenen zwei Monate rund eine Milliarde Barrel Öl. Knappes Angebot sorgt für hohe Preise: Am Montag stieg der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent zur Lieferung im Juli um etwas mehr als vier Prozent auf 105,76 (89,85 Euro) Dollar.

Europas Ölmultis punkten stärker

Aramco meldete für das erste Quartal einen Anstieg des Nettogewinns um 25 Prozent auf 32,5 Milliarden Dollar (rund 27,6 Mrd. Euro). Die drei größten europäischen Ölkonzerne Shell, BP und TotalEnergies erzielten im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum Mehreinnahmen zwischen 3,3 und 4,75 Milliarden US-Dollar, so Schätzungen der „Financial Times“ von Montag.

BP profitierte am meisten: Der Konzern konnte laut BBC seinen Gewinn in den ersten drei Monaten des Jahres auf 3,2 Mrd. US-Dollar mehr als verdoppeln. Die europäischen Ölmultis, die sich auf den Handel fokussieren, steigen dabei besser aus als jene aus den USA, die mehr auf die Produktion setzen.

Patrick Pouyanne, Vorstandsvorsitzender der Total-Unternehmensgruppe, sagte gegenüber der „Financial Times“, seine Händler seien „in der Regel recht zufrieden, wenn sie einen volatilen Markt sehen“. Diese machten etwa Gewinne von über einer Milliarde US-Dollar durch Wetten auf Rohöl aus Dubai und Oman, indem sie jede verfügbare Ladung von dort aufgekauft hatten.

Erneuerbare wieder im Fokus

Der Iran-Krieg machte aber auch erneut die Notwendigkeit einer Diversifizierung deutlich, um die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu reduzieren. Sogar in den USA stieg das Interesse an der Branche der erneuerbaren Energien, mehr aber noch anderswo. Dänische Windkraftgiganten wie Vestas meldeten stark gestiegene Gewinne, in Großbritannien stiegen die Verkäufe von Solarmodulen von Octopus Energy seit Ende Februar um 50 Prozent, so die BBC.

Exportboom für Chinas E-Autos

Der Anstieg der Benzinpreise ließ freilich auch die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen steigen. Insbesondere Chinas Hersteller nutzen diese Chance. Während in der Volksrepublik der Automarkt ebenso unter den hohen Spritpreisen leidet wie in Europa, boomt der Export: Die Ausfuhren von Elektroautos und Plug-in-Hybriden schossen um 111,8 Prozent in die Höhe, wie der Branchenverband CPCA am Montag mitteilte.

Der Platzhirsch BYD verzeichnete einen Anstieg der Auslandsumsätze um mehr als 71 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zolldaten zeigen laut Bloomberg weiters, dass die chinesischen E-Auto-Exporte im März im Vergleich zum Vorjahr um 53 Prozent stiegen. Zu den großen Märkten gehören Australien, Belgien und Deutschland.

Innenansicht von BYB-Fabrik

Reuters/Rafael Martins

BYD ist einer der größten Profiteure vom Exportboom

Die kürzlich beendete Automesse in Peking zeugte davon, wie weit die chinesischen Hersteller ihre Fühler bereits ausfuhren. So lud Chery Automobile, einer der größten Produzenten, fast zwei Dutzend kanadische Autohändler nach Peking ein. Vor Kurzem eröffnete das Unternehmen in Barcelona seine neue Europazentrale, laut eigenen Angaben ist Chery inzwischen in 18 europäischen Ländern aktiv.

„Die Bestellungen sind gestiegen, und einige westliche Hersteller suchen dringend nach Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit chinesischen Elektroautoherstellern“, so Chery-Chef Yin Tongyue. Auch die chinesischen Batterieexporte stiegen im März gegenüber dem Vorjahr um gut ein Drittel.

Erneuerbare Energie für Afrika

Auch andere Branchen in China sehen sich im Zuge des Iran-Krieges nach neuen Exportmärkten um. Der britische Thinktank Ember errechnete laut Bloomberg, dass sich die Lieferungen von Solarmodulen im März gegenüber dem Monat davor verdoppelten, sie erreichten damit einen Rekordwert. Das sei nicht nur den hohen Energiepreisen geschuldet, sondern auch einem bevorstehenden Auslaufen einer Exportsteuervergünstigung.

Insgesamt 50 Länder hätten im März Rekordimporte von Solarmodulen aus China verzeichnet, viele davon in Afrika. Einer der größten chinesischen Solarmodulhersteller, Jinko Solar, schloss Ende April zwei Verträge mit Partnern in Nigeria ab, wo die Dieselpreise seit Beginn des Iran-Krieges enorm stiegen. Im März verzeichnete Nigeria dann einen Importanstieg bei Solarmodulen von 519 Prozent gegenüber Februar.

„Nigerianische Endverbraucher können nun ihre Abhängigkeit von Dieselgeneratoren verringern und auf zuverlässigen, sauberen und erschwinglichen selbst erzeugten Strom zugreifen“, ließ Jinko wissen.