Die anhaltende Trockenheit wirkt sich in Niederösterreich auf viele Bereiche negativ aus. Trotz vereinzelter Niederschläge am Wochenende fürchten sowohl Landwirtinnen und Landwirte als auch Umweltschützerinnen und Umweltschützer sowie die Politik eine noch länger dauernde Dürrephase. Die NÖN hat die wichtigsten Punkte zum Thema zusammengefasst:

Die Statistik

Auswertungen der GeoSphere Austria zeigen, dass nur vier Aprilmonate seit dem Jahr 1858 österreichweit trockener verliefen als der April 2026. „In vielen Teilen Niederösterreichs waren die Niederschlagsdefizite mit minus 70 bis minus 85 Prozent besonders hoch“, bilanziert Klimatologe Alexander Orlik von der GeoSphere Austria. An manchen Orten fiel nicht einmal 15 Prozent der Regenmenge, die in einem April im Mittel zusammenkommt. Dazu gehörten etwa die Orte Langenlebarn (Bez. Tulln), Retz (Bez. Hollabrunn) oder Allentsteig (Bez. Zwettl). Die Niederschlagsmengen der vergangenen Woche waren zu gering, um für eine Entspannung der Situation zu sorgen, sagt Orlik.

Die Landwirtschaft

„Die Betroffenheit ist enorm. Wir erleben derzeit eine der angespanntesten Frühjahrsentwicklungen der letzten Jahre“, beschreibt Johannes Schmuckenschlager. Präsident der NÖ Landwirtschaftskammer die aktuelle Situation der Bäuerinnen und Bauern. Besonders kritisch sei die Situation für Getreidekulturen wie Weizen oder Gerste, die sich derzeit in einer wichtigen Wachstumsphase befinden. Auch frisch angebaute Kulturen wie Mais oder Sojabohnen leiden unter der fehlenden Bodenfeuchte. Zudem gebe es bereits Einbußen im Grünland, wodurch auch die Futterversorgung schwieriger werden könnte.

Dauerkulturen, wie Weingarten- oder Obstanlagen seien etwas toleranter auf Trockenperioden, bleiben aber auch nicht gänzlich unbeeinträchtigt. Der Regen, der am Wochenende in einigen Regionen des Landes fiel, konnte die Trockenheit der vergangenen Wochen nicht abfedern, heißt es aus der NÖ Landwirtschaftskammer. Zu Ertragseinbußen werde es dennoch kommen. Wie hoch diese Verluste sind und wie sich die Lage in den nächsten Wochen entwickeln werde, sei lokal sehr unterschiedlich.

Trockenheit setzt Niederösterreichs Bauern massiv unter Druck

Landwirtschaft in Sorge

Der Grundwasserspiegel

Die anhaltende Trockenheit führt auch dazu, dass der Grundwasserspiegel in NÖ vielerorts niedrig ist. 46 Prozent der Messstellen zeigen einen „niedrigen“ Grundwasserspiegel, bei vier Prozent lautet die Einschätzung „sehr niedrig“, informierte Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf in der Vorwoche. Insgesamt seien landesweit ausreichend Ressourcen verfügbar. Lokale Engpässe seien jedoch möglich bzw. auch schon eingetreten. In diesen Fällen greifen mit dem Bund entwickelte Notfallpläne. Hier gebe es je nach Lage unterschiedliche Ansätze, von provisorischen Verbindungsleitungen in andere Gemeinden bis hin zur Zuführung von Wasser mittels Tankwagen.

Die ersten Gemeinden ohne Wasser

Im Bezirk Melk kam es in der Vorwoche bereits in einigen Gemeinden zu Versorgungsengpässen (die NÖN berichtete). In Artstetten-Pöbring blieb etwa der Ortsteil Artstetten ohne Trinkwasserversorgung. Besonders betroffen waren die höher liegenden Ortsteile der Katastralgemeinde. Ein Krisenstab wurde eingerichtet, der bis auf Weiteres aktiv bleibe. In Pöggstall erklärt die Gemeinde wiederum, dass trotz ausgesprochener Aufforderung zum sparsamen Umgang mit Trinkwasser der Wasserverbrauch sogar gestiegen ist. „Wer sich aktuell nicht an das Verbot hält, gefährdet bewusst die Wasserversorgung aller Haushalte“, hieß es am Freitag von der Gemeinde. In der Gemeinde Leiben kam es ebenfalls zu Engpässen in der Trinkwasserversorgung. Die Befüllung von Pools habe man übers Wochenende ausnahmslos verboten. Auch vom Gießen von Rasenflächen oder Autowaschen wurde dringend abgeraten. In Maria Taferl wurden in der Vorwoche die geltenden Einschränkungen bezüglich Wassersparens ebenfalls missachtet.

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Auf Poolbefüllungen sollte in betroffenen Regionen verzichtet werden.

Foto:
Alma Heigl

Beim Thema Pool-Befüllungen liege die Verantwortung laut Bundesminister Norbert Totschnig (ÖVP) „bei den Verantwortlichen vor Ort“, eine gewisse Einteilung sei gefragt. „Ich bin hier absolut gegen eine Zentralisierung, das ist vor Ort zu lösen“, sagt auch Pernkopf. Es brauche eine Abstimmung mit dem jeweiligen Wasserversorger. Nicht die Menge sei das Problem, „sondern das Zusammenfallen von vielen Pool-Füllungen“.

Zu trocken, kaum Regen: Wie steht es um unser Wasser?

Angespannte Lage

Auch am Achtersee, dem einzigen Badesee in Wiener Neustadt, wird der Rückgang der Pegel einmal mehr deutlich. Bei einem Lokalaugenschein der NÖN zeigen sich vereinzelt sogar wieder Schotterinseln, die aus dem Wasser emporragen. Auch die Stahltreppe, die bei einer der beiden Badezonen montiert wurde, reicht nicht mehr bis zum Wasser.

Die Flüsse

Drei Viertel der Fluss-Pegel in Österreich weisen aktuell Niedrigwasser auf, heißt es von der Naturschutzorganisation WWF. In Niederösterreich seien vor allem die Flüsse March und Kamp betroffen. Diese Entwicklung habe spürbare Folgen für Ökosysteme, Artenvielfalt und Wasserqualität, warnt man beim WWF. In den sogenannten „Restwasserstrecken“, in denen oft über 90 Prozent des Wassers für die Wasserkraft abgeleitet werden, erwärme sich das Wasser schnell, der Sauerstoffgehalt sinke. Das könne für viele Fischarten rasch tödlich enden, heißt es. Vom WWF werde ein Schutzpaket für die heimischen Flüsse, wie etwa die Wiederherstellung von Auen oder die Renaturierung verbauter Flussabschnitte, gefordert.

Der Ausblick

In den nächsten Tagen gebe es etwas Hoffnung, zumindest für die Landwirtschaft. „Eine Tiefdruckentwicklung ab Donnerstag führt voraussichtlich zu großflächigen und ergiebigen Niederschlägen“, prognostiziert Harald Seidl, Vorhersagemeteorologe bei GeoSphere Austria am Montagnachmittag. Es bestehe Hoffnung, dass sich die Dürre-Situation in der Landwirtschaft etwas entspannt. Beim Grundwasserspiegel sei eine Entspannung nicht so schnell in Sicht.