Ein Zitat von ihr prangt auf Kettenanhängern, T-Shirts, Tassen: „Mom, I am a rich man“. Vor 30 Jahren betonte Cher damit ihre Unabhängigkeit – als sie berichtete, sie habe ihrer Mutter diese Antwort gegeben, als diese ihr riet, einen reichen Mann zu heiraten. Damals war Cher 50, und selbstverständlich war es in ihrer Generation noch nicht, als Frau auf eigenen Füßen stehen zu können: In Deutschland etwa verabschiedete der Bundestag erst vor 50 Jahren die „Hausfrauenehe“ – was damals höchst umstritten war.

Dass man bei einer Google-Suche zu der amerikanischen Popikone vor allem Vorschläge zu ihren Schönheitsoperationen bekommt, kann man befremdlich finden. Cher selbst dürfte es zu ihrem 80. Geburtstag am 20. Mai kaum anfechten. Gefeiert wird sie nicht nur für ihre Musik, die oft avantgardistischer war, als Kritiker meinten, sondern auch dafür, dass sie sich als Frau im Pop-Business über ein halbes Jahrhundert lang durchgesetzt hat.

„Überoperiert“? – Cher widersprach früh

Schon früh, in den 1980er Jahren, stand die Musikerin zu entsprechenden Eingriffen – und betonte, sie selbst sehe sich nicht als „überoperiert“ an. Medien spekulieren bis heute über die Zahl der Eingriffe (angeblich über 25) und die Summen, die dafür fließen sollen (eine halbe Million Dollar auf einen Schlag). Ein Umdenken scheint erst allmählich einzusetzen: So verteidigte Rocksängerin Pink ihre Musikerkollegin Madonna vor drei Jahren, als diese für ihr Aussehen massiv beleidigt wurde.

Cher gibt sich derweil gelassen – auch, was ihr Alter betrifft. „Es ist lächerlich“, sagte sie einmal. „Ich höre immer wieder diese Zahlen, aber ehrlich gesagt, ich verstehe sie nicht. Es sind nur Zahlen, also was ist das Problem?“ Geboren 1946 als Cheryl Sarkisian in Kalifornien, ist die künstlerische Kurzform ihres Namens längst ein Synonym für „Pop-Ikone“.

Von „I Got You Babe“ zu „Believe“

Bekannt wurde Cher 1965 als weiblicher Part des Duos Sonny and Cher; mit dem 1998 verstorbenen Sonny Bono war sie bis 1975 verheiratet. Neben ihrem Welterfolg als Solomusikerin erntete Cher auch als Schauspielerin große Anerkennung, 1988 gewann sie einen Oscar als beste Hauptdarstellerin. Als ihr größter Hit gilt heute neben der Ohrwurm „Believe“ von 1998 – der Song machte das bewusste Übersteuern durch Auto-Tune populär. Ihre Abschiedstour brachte ihr 2007 einen Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde ein.

Zur Freude ihrer Fans gab es wie bei vielen Künstlern auch bei Cher ein Comeback: mit Las-Vegas-Shows, einer Musical-Produktion über ihr eigenes Leben, die zuletzt auch auf deutschen Bühnen zu sehen war – und, nicht zu vergessen, einer Welttournee. Zuletzt erschien 2018 ihr Album „Dancing Queen“ mit Coversongs von ABBA; im selben Jahr war sie im Musical-Film „Mamma Mia! Here We Go Again“ zu sehen.

In einem Business, das von heftigem Konkurrenzkampf geprägt ist, bewahrte sich Cher offenbar eine gewisse Menschlichkeit. So besuchte sie Rockröhre Tina Turner kurz vor deren Tod im Mai 2023. Zu Jahresbeginn sammelte sie Sympathiepunkte, als sie bei der Grammy-Verleihung zunächst vergaß, die Nominierten der Kategorie zu nennen, in der sie den Preis überreichen sollte – nachdem sie selbst für ihr Lebenswerk geehrt worden war.

Derzeit soll die Buddhistin, die eine eigene Tierschutz-Stiftung gegründet hat, ihre dritte Hochzeit mit einem deutlich jüngeren Mann planen. Abfällige Sprüche quittierte sie mit dem Hinweis, andere würden nicht ihr Leben führen. Im Interview der „Bunten“ räumte sie im Herbst ein, sie habe „einige ziemlich wilde“ Entscheidungen getroffen – die sie jedoch dorthin geführt hätten, wo sie jetzt sei. Auf die Frage, ob sie rückblickend etwas ändern würde, sagte sie: „Wahrscheinlich nicht.“

Die wenigsten Frauen beziehungsweise Menschen werden wohl so reich wie Cher: Ihr Vermögen wird auf 600 bis 620 Millionen Dollar geschätzt, also um die 500 Millionen Euro. Doch ihr Selbstvertrauen und ihre Energie inspirieren auf zeitlose Weise: als Ermutigung, sich selbst etwas zuzutrauen, für sich einzustehen – die Person zu werden, die den Teil des eigenen Selbst retten kann, der unsicher oder vermeintlich schwach ist.