Die Dominanz von US-amerikanischen Triebwerken wie der Unreal Engine und Unity ist in der Spieleindustrie nahezu unangefochten. Doch das könnte sich in Zukunft ändern: Arjan Brussee, Mitgründer des Killzone- und Horizon-Entwicklers Guerrilla Games sowie ehemaliger Produktdirektor für die Unreal Engine bei Epic Games, hat die Entwicklung einer neuen Plattform namens The Immense Engine bekannt gegeben. Brussee pitcht das ambitionierte Projekt als echte europäische Alternative zu den etablierten Marktführern aus den USA und China, die von Grund auf neu gedacht wird und die europäische digitale Souveränität stärken soll.
In einem niederländischen Podcast sprach Brussee erstmals öffentlich über sein Vorhaben. Ein zentrales Argument für das Projekt ist die rechtliche Absicherung: Bisher gibt es auf dem Markt keine namhafte Spiele-Engine, die vollständig in Europa entwickelt und gehostet wird und somit vollumfänglich mit den strengen europäischen Datenschutz- und Digitalrichtlinien konform geht.
Diese Unabhängigkeit von außereuropäischen Plattformen macht das System laut Brussee nicht nur für Spieleentwickler attraktiv, sondern öffnet auch Türen für anspruchsvolle 3D-Simulationen in den Bereichen Logistik, Infrastruktur und Verteidigung, wo Datensicherheit oberste Priorität hat.
Technologisch will sich The Immense Engine durch ein radikal neues Konzept abheben. Während etablierte Engines wie die Unreal Engine über Jahrzehnte gewachsen sind und laut Brussee auf klassischen, manuellen Menüstrukturen basieren, wurde sein neues System von Beginn an um künstliche Intelligenz herum aufgebaut.
Durch den tiefen Einsatz von KI-Agenten im Kern der Software sollen extrem zeitaufwendige Arbeitsschritte automatisiert werden. Brussee geht sogar so weit zu behaupten, dass ein cleveres KI-Framework es einem einzelnen Entwickler ermöglichen könnte, das Arbeitspensum von zehn bis fünfzehn Personen zu bewältigen.
Der Vorstoß kommt zu einer Zeit, in der viele Studios nach den jüngsten Preis- und Lizenzskandalen rund um Unity nach verlässlichen Alternativen suchen. Ob das neue System den Giganten der Branche tatsächlich gefährlich werden kann, muss sich jedoch erst noch zeigen.
Bisher wurden weder ein Veröffentlichungszeitraum noch konkrete technische Demonstrationen der Software gezeigt. Auch Details zur Teamgröße und den finanziellen Unterstützern im Hintergrund bleiben vorerst geheim. Dennoch bringt Brussee durch seine jahrzehntelange Erfahrung bei Epic Games und Guerrilla das nötige Fachwissen mit, um dem ehrgeizigen Projekt zumindest das nötige Gewicht in der Branche zu verleihen.
