Wenn es darum geht, die Lebensweise der Menschen in der Steinzeit kennenzulernen, gibt es nicht viele andere Wissenschaften als die Anthropologie, die weiterhelfen können. Einige Forschende fanden nun heraus, wie die Menschen damals aßen.
Anthropologie: Das lässt sich aus den Knochen lesen
In der Anthropologie gilt schon länger, dass große Evolutionsschritte des Menschen oft auf einer Veränderung der Ernährung basierten. Das war notwendig, um zum Beispiel ein größeres Gehirn oder eine ausdifferenzierte Gesellschaft zu ermöglichen. Um zu verstehen, wie sich die Menschen vor Millionen Jahren ernährten, untersuchte eine Forschungsgruppe um Frances Forrest von der Universität Fairfield nun eine Reihe von Tierknochen aus der Steinzeit.
Ihre Studie, die in der wissenschaftlichen Zeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America (PNAS) veröffentlicht wurde, fokussiert sich dabei vor allem auf die KBS-Menschen. Diese stammen aus einer Zeit, die mithilfe einer Ascheschicht im Boden auf ein Alter von 1,87 Millionen Jahren datiert wurde. Beschrieben wurde sie von der Paläontologin Anne „Kay“ Behrensmayer (K steht für Kay, B und S für „Behrens“).
Die KBS-Schicht beinhaltet in Kenya eine Fundstätte von Tierknochen. Die Tiere wurden von den damaligen Steinzeitmenschen zur Ernährung genutzt. Bei ihrer Untersuchung stellten die Forschenden mehrere wichtige Befunde fest: So wurde durch einen Vergleich mit anderen Fundstätten deutlich, dass die Menschen über weite Regionen hinweg ähnliche Strategien zur Beschaffung von Nahrung verfolgten. Die Anthropologie ging von diesem Zustand eigentlich erst für die Zeit vor 1,5 Millionen Jahren aus.
Topaktuell
So aß man in der Steinzeit
Unter anderem wählten die Steinzeitgesellschaften nach der Jagd genau aus, welche Teile eines erlegten Tieres sie mitnahmen, um es später zu verspeisen. Das setzt voraus, dass die Menschen bereits darüber Bescheid wussten, welcher Teil besonders nahrhaft war. Auch solche selektiven Prozesse sind eigentlich erst von späteren Gesellschaften bekannt. Einer der nahrhaftesten Teile eines erlegten Tieres war damals wie heute das Knochenmark.
Auch das war den Steinzeitmenschen bereits bekannt. Der Studie zufolge brachen sie regelmäßig die Knochen auf, um das Mark daraus zu konsumieren. Dazu kommt demnach auch die Fähigkeit, das Essensverhalten zu ändern, wenn sich die Umstände änderten. Dabei handelt es sich um wichtige evolutionäre Schritte, welche die Durchsetzung der Spezies des „Homo“ erst ermöglichten. Für die Anthropologie stellen die Erkenntnisse viele bisherige Annahmen darüber in Frage, wann diese Schritte erfolgten. Damit bietet die Studie das Potenzial, das Wissen über die Geschichte des Menschen zu ergänzen.
Quellen: „Early evidence for a stable and flexible foraging niche in the evolution of Homo“ (Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America, 2026)
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