Zum siebenten Mal hielt die WSG Tirol die Zugehörigkeit in Österreichs höchster Fußball-Liga. Präsidentin Diana Langes zeigt sich stolz und selbstbewusst gleichermaßen, aber die Herausforderung wird angesichts des knappen Budgets nicht kleiner.
Nach dem Klassenerhalt stehen Sie vor der achten Saison in der Fußball-Bundesliga. Ist acht jetzt auch eine Glückszahl?
Langes: Meine Glückszahl ist eigentlich die neun. Die Acht bringt in China Glück. Deshalb passt sie ganz gut zu uns, wir haben ja mit CATL einen chinesischen Sponsor. Für mich ist die Acht vor allem eine Zahl, die für die beinharte Arbeit steht, für den Zusammenhalt und das Herz, das im Verein steckt. Wir haben vielleicht nicht die meisten Mittel, dafür aber einen Verein mit der wahrscheinlich größten Leidenschaft. Deshalb erfüllt mich der Klassenerhalt mit besonderem Stolz. Mal schauen, wo uns die Neun noch hinführt.
Haben Sie eine Erklärung dafür, warum es noch einmal eng wurde? War man sich vielleicht zu sicher?
Langes: Zu sicher waren wir uns sicher nicht. In dieser Liga wird jeder Fehler sofort bestraft. Wir hatten heuer Phasen, in denen Kleinigkeiten gegen uns gelaufen sind. Aber genau in diesen Momenten zeigt sich der Charakter der Mannschaft. Sie hat immer dann geliefert, wenn es darauf angekommen ist.
Die WSG steht für viel mehr als nur die die bloße Zuschauerzahl.
Diana Langes (WSG-Präsidentin)
In die Bewunderung für den Underdog WSG mischen sich auch Schmährufe. Berührt es Sie noch, dass immer wieder Unkenrufe – Stichwort Zuschauer – aufkommen?
Langes: Natürlich hört man vieles. Aber leider unterschätzt der eine oder andere, was bei der WSG in den letzten Jahren alles passiert ist. Wir kämpfen Jahr für Jahr mit Vereinen, die über ganz andere finanzielle Möglichkeiten verfügen. Trotzdem sind wir noch da. Darauf dürfen wir stolz sein. Die WSG steht für viel mehr als nur die bloße Zuschauerzahl. Sie steht für Mut, Identität und dafür, dass auch ein kleiner Verein groß Geschichte schreiben kann.
Der halbe Kader könnte zur Disposition stehen. Ungeachtet der tollen Leistung des Duos Semlic/Köck: Wird man heuer vielleicht doch die eine oder andere Ablöse zahlen oder verlässt man sich aufs Neue auf die Findigkeiten der beiden Protagonisten?
Langes: Ein Spieler muss sowohl menschlich als auch sportlich zu uns passen. Unsere Philosophie wird sich nicht ändern: Der sportliche Hunger schlägt mitunter das wirtschaftliche Budget.
Wir werden weiterhin nur Dinge machen, die wirtschaftlich gesund sind.
Diana Langes (WSG_Präsidentin)
Die neue Saison kommt mit Riesenschritten. Konnte man einen neuen Sponsor gewinnen? Oder bleibt man bei den angegebenen sieben Millionen Euro?
Langes: Wir führen immer wieder gute Gespräche. Man merkt schon, dass die WSG anders wahrgenommen wird, als noch vor ein paar Jahren. Viele Unternehmen sehen, dass hier etwas mit Herz und Autentizität entsteht. Fakt ist: Wir werden weiterhin nur Dinge machen, die wirtschaftlich gesund sind. Die WSG soll und darf wachsen, aber nur mit Hausverstand.
Beeinträchtigen auch die Kosten für das adaptierte Stadion die Gesamtrechnung?
Langes: Natürlich ist das eine Herausforderung. Aber gleichzeitig ist es eine wichtige Investition in die Zukunft des Vereins und der ganzen Region. Auch für die Entwicklung unserer Fans. Wir denken nicht nur an morgen, sondern daran, wo die WSG in fünf oder zehn Jahren stehen soll. Wichtig ist, dass wir trotz aller Investitionen wirtschaftlich stabil bleiben.
Ab wann soll im neuen Schmuckkästchen gespielt werden und von wie vielen Zuschauern gehen Sie im Schnitt aus?
Langes: Wir arbeiten mit voller Energie daran, dass das Stadion Schritt für Schritt Realität wird. Und ich glaube, dass wir dort etwas schaffen können, was einzigartig in Österreich ist: klein, emotional, nahbar und mit echter Tiroler Identität. Bei den Zuschauerzahlen geht es mir weniger um die Quantität, sondern vielmehr um die Qualität: Der Zuschauer muss zufrieden sein, wenn er ins Stadion kommt. Die Menschen müssen gerne kommen und sich mit der WSG identifizieren. Dann kommt die Quantität von alleine.
Alle Jahre wieder die gleiche Frage – und nach der Aufregung um den späten Klassenerhalt durchaus berechtigt, wie man meinen könnte: Wie lange wollen Sie sich diesem Nervenspiel noch aussetzen?
Langes: Solange ich das Gefühl habe, dass wir gemeinsam noch etwas bewegen können. Wenngleich man schon auch sagen muss: Es geht nicht nur um Spaß. Das ist beinhartes Business, an dem viel Geld und viele Arbeitsplätze hängen. Die Verantwortung ist groß. Und sie kostet Nerven. Wenn man aber sieht, was so ein Verein bei den Menschen auslösen kann, weiß man auch, warum man es macht. Die WSG ist für mich schon längst viel mehr als nur Fußball.
Wer hat Sie heuer besonders beeindruckt?
Langes: Alle! Vom Zeugwart bis zum Sportdirektor. Das ganze Team. Der Charakter dieser Mannschaft ist unglaublich. Aber wenn ich einen rauspicken müsste, wäre es wohl Phillip (Anm.: Semlic). Er hat diesen Charakter geprägt. Aufgeben war und ist nie ein Thema.
Und gab es ein Schlüsselerlebnis in dieser Saison?
Langes: Es gab viele Schlüsselmomente. Aber das Schlüsselerlebnis schlechthin war vielleicht die Erkenntnis, dass wir immer dann am stärksten sind, wenn uns niemand mehr etwas zutraut. Die WSG wird vielleicht nie der lauteste Verein sein, aber immer einer der ehrlichsten. Wir wollen etwas Echtes aufbauen.