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Drastisches Sparprogramm stoppt die Produktion neuer Krimis für drei Jahre. Als Hauptgrund nennt der Sender die blockierte Rundfunkbeitragserhöhung.
Der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) hat ein einschneidendes Sparprogramm angekündigt, das beliebte Formate trifft: So wird für drei Jahre die Neuproduktion neuer „Tatort“- und „Polizeiruf“-Folgen eingestellt.
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Auch das „ARD-Mittagsmagazin“ gibt der MDR ab 2027 an den Norddeutschen Rundfunk (NDR) ab – rund 200 Mitarbeiter sind betroffen. Das Magazin „MDR um 2“ wird komplett gestrichen und soll durch ein Streamingformat ersetzt werden, was weitere 40 Stellen betrifft.
Anschaulich nachzulesen im Überblick sind die zum Teil drastischen Sparmaßnahmen auf dem Medienblog Flurfunk.
MDR-Intendant Ralf Ludwig begründete die Kürzungen mit der ausgebliebenen Erhöhung des Rundfunkbeitrags von 18,36 Euro auf 18,94 Euro zum 1. Januar 2025. Diese Blockade habe eine erhebliche Finanzlücke verursacht.
„Wir haben uns die Entscheidungen beileibe nicht leicht gemacht und wir würden uns die Situation gewiss auch anders wünschen. Aber Fakt ist: wäre die aus unserer Sicht rechtmäßige moderate Anhebung des Rundfunkbeitrags seit 1.1.2025 so umgesetzt worden, wie von der KEF empfohlen und wie im Verfahren vorgesehen, müssten wir diesen nun einschneidenden Weg nicht gehen. Doch die Realität lässt uns keine andere Wahl, wir können die seit 1.1.2025 fehlenden Einnahmen als MDR nicht mehr kompensieren.“
Die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) bezifferte den Einnahmeausfall für das Gesamtsystem bis Ende 2026 auf 538,3 Millionen Euro, wie aus dem KEF-Bericht hervorgeht.
Strategische Kürzungen
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Programmdirektor Boris Lochthofen erklärte, man wolle nicht in der Breite kürzen, sondern strategische Prioritäten setzen. Die regionale Stärke und Transformationsfähigkeit des Senders sollen bewahrt bleiben.
Dennoch sind die Einschnitte massiv: Ab 2027 stellt der MDR die UKW-Verbreitung von „MDR Sputnik“ ein, reduziert seine Social-Media-Aktivitäten um 30 Prozent und streicht Podcasts mit weniger als 6.000 Hörern pro Monat.
Als positive Maßnahme kündigte der Sender an, ab 2027 die drei eigenständigen Landesmagazine wieder an Feiertagen im MDR-Fernsehen auszustrahlen, wie auf der MDR-Website nachzulesen ist.
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Politik fordert Sparen – und beklagt fehlende Sichtbarkeit
Die politische Stimmung in Sachsen-Anhalt spricht gegen eine Erhöhung des Rundfunkbeitrags. Eine Enquete-Kommission des Landtags, an der alle Parteien beteiligt waren, hat einen Bericht verabschiedet, der eine Senkung des Beitrags für möglich hält und weitreichende Reformen fordert.
Die CDU-Fraktion kann sich langfristig sogar vorstellen, nur einen bundesweiten beitragsfinanzierten Sender zu haben, und will Intendantengehälter deckeln.
Doch die Sparmaßnahmen führen zu einem Widerspruch: Ostdeutsche Politiker hatten stets mehr Präsenz ihrer Regionen im öffentlich-rechtlichen Programm gefordert. Durch die Kürzungen verringert sich nun ausgerechnet die Sichtbarkeit des Ostens im Gemeinschaftsprogramm der ARD.
Der Wegfall von Tatort- und Polizeiruf-Produktionen aus Mitteldeutschland bedeutet weniger ostdeutsche Geschichten im Ersten.
Mitverantwortung des MDR?
In einem Kommentar in der FAZ widersprach Michael Hanfeld der Darstellung des MDR, allein Opfer der blockierten Beitragserhöhung zu sein.
Der Sender habe über seine Verhältnisse gelebt, etwa bei der kurzzeitigen Übernahme des teuren Mittagsmagazins vom RBB. Auch die KEF sieht bei den MDR-Zentralstandorten Halle, Magdeburg und Erfurt Prüfbedarf unter Effizienzgesichtspunkten (KEF-Bericht, Seite 165).
Der MDR leidet strukturell unter dem einheitlichen Rundfunkbeitrag: Durch den Bevölkerungsrückgang in seinem Sendegebiet nimmt er weniger ein als Anstalten in bevölkerungsreicheren Bundesländern. Zugleich droht ein Teufelskreis: Ein reduziertes Angebot könnte die Akzeptanz des Rundfunkbeitrags weiter senken.
Unklar bleibt, was mit den betroffenen Mitarbeitern geschieht. Auch der Zeitplan für Reformen ist widersprüchlich: Die Politik fordert kurzfristige Einsparungen, doch der Reformstaatsvertrag kann laut KEF-Sonderbericht erst ab 2029 wesentliche finanzielle Wirkungen entfalten.
Zwischen politischem Wunsch und realistischer Umsetzbarkeit klafft eine Lücke – die nun das Programm und die Beschäftigten ausbaden müssen.