Viele Boybands aus den 2000ern feiern gerade ihr Comeback. Fühlt ihr euch wie Teil einer riesigen Nostalgiewelle? 
Anthony: Absolut. Wir spielen seit Jahren viele 90er- und 2000er-Festivals. Das Schöne ist einfach, dass unsere Musik bis heute noch gehört wird. Sie läuft noch immer im Radio – in England und weltweit. Die Nostalgie ist etwas Schönes.
Simon: Spannend ist auch, dass wir inzwischen sogar auf 80er-Festivals auftreten. Die Leute, die mit 80er-Musik aufgewachsen sind, wurden später Blue-Fans. Das zeigt, dass unsere Musik Generationen überdauert. Darauf sind wir wirklich stolz.

Wenn ihr an die „All Rise“-Zeit denkt – was würdet ihr eurem jüngeren Ich heute sagen? 
Anthony: Lustig, überhaupt von einer „Ära“ zu sprechen (lacht). Wow … das klingt verrückt. Ich würde meinem jüngeren Ich sagen: Glaub nicht jedem Hype und nicht jedem Menschen, der vorgibt, dein Freund zu sein.
Simon: Ich würde Anthony da zustimmen. Wir haben wirklich dunkle Zeiten durchgemacht und sind trotzdem gemeinsam wieder herausgekommen, weil wir uns selbst immer treu geblieben sind. Wir sind gute Menschen und haben immer zusammengehalten. Andere Bands sind in schwierigen Zeiten auseinandergebrochen, wir hingegen hatten immer gegenseitig unseren Rücken frei und waren füreinander da. Am Anfang dachten wir immer: Sowas passiert uns nie. Alles war wie Champagner und Süßigkeiten. Und plötzlich verändert sich alles von einem Tag auf den anderen. Aber weil wir als Band so eng verbunden waren, haben wir es geschafft, da gemeinsam durchzukommen – auch wenn wir uns zwischenzeitlich trennen mussten, um uns selbst wiederzufinden. Meinem jüngeren Ich würde ich deshalb sagen: Bleib dir selbst treu – und bleibt euch gegenseitig treu.

Was ist heute anders an Blue im Vergleich zu den Anfangsjahren? Seid ihr heute entspannter oder diskutiert ihr manchmal noch genauso viel wie früher?
Anthony: Wir streiten nicht wirklich, wir diskutieren eher. Früher waren wir jung, alles war aufregend, jede Party war wichtig. Heute sind wir Väter, haben Familien und Kinder. Die Band ist immer noch ein Traumjob, aber jetzt geht es auch darum, Verantwortung zu übernehmen und für die Familie da zu sein.

Wie geht ihr nun mit Druck um – im Vergleich zu früher?
Simon: Der Druck heute ist wegen Social Media komplett anders. Wir mussten erst lernen, da überhaupt mitzuhalten. Heute brauchst du Facebook, TikTok und all diese Dinge. Wir sind damit aber nicht aufgewachsen. Damals gab es das nicht – höchstens MySpace (lacht). Es gab auch Teenie-Magazine und TV-Shows, in die man unbedingt wollte. Das vermisse ich manchmal. Heute musst du ständig posten: backstage, unterwegs, dies, das – es ist einfach nicht mehr dasselbe. Früher wusste man nie, was der Tag bringen würde, heute haben alle jederzeit Zugriff auf dich. Und wenn du nicht genug von dir zeigst, enttäuscht das manche Leute sogar. Aber trotzdem haben wir wahrscheinlich den besten Job der Welt

Was verbindet ihr mit Wien oder österreichischen Fans? 
Simon: Ich glaube, wir haben damals mal auf irgendeinem Festival gespielt. Was uns aber immer überrascht hat: Die Leute hier kannten unsere Musik – und das noch vor Social Media. Für uns als englische Band war das unglaublich. Manche sagen sogar, sie hätten durch unsere Songs Englisch gelernt. Das ist etwas sehr Besonderes.

Was sollen die Fans heute nach dem Konzert mitnehmen?
Anthony: Sie sollen glücklich rausgehen. Und mehr wollen.
Simon: Genau. Sie sollen ihre Jugendzeit noch einmal erleben und sagen: „Bitte kommt wieder.“

Und was hält Blue nach 25 Jahren eigentlich noch zusammen? 
Anthony: Freundschaft. Brüderlichkeit. Respekt. Und die Musik zuletzt.