Hautarzt untersucht Muttermal | Bild: BR / stock.adobe.com / WavebreakmediaMicro

Darf ich in die Sonne gehen, obwohl ich schon einmal ein Melanom hatte?

Melanom

Ein Melanom, auch „schwarzer Hautkrebs“ genannt, ist eine besonders aggressive Form von Hautkrebs, die aus den pigmentbildenden Zellen der Haut entsteht. Häufig entwickelt sich ein Melanom aus einem bestehenden Muttermal oder tritt als neue dunkle Hautveränderung auf. Wird ein Melanom früh erkannt, sind die Heilungschancen in der Regel gut.

Dr. Monique Stengel: „Patienten mit Melanom-Vorgeschichte dürfen sich in der Sonne aufhalten, müssen jedoch konsequente Sonnenschutzmaßnahmen einhalten.

Die Leitlinien empfehlen Melanom-Patienten folgende Sonnenschutzprinzipien:

Sonnenvermeidung während der Spitzenzeiten (in der Regel 10 bis 14 Uhr)Tragen von sonnenschützender Kleidung, Hut und SonnenbrilleRegelmäßiges Auftragen von Breitspektrum-Sonnenschutzmittel (SPF 50 mit UVA/UVB-Schutz) auf exponierte Haut, insbesondere bei sonnenempfindlichen PersonenSonnenschutzmittel alle zwei Stunden und nach dem Schwimmen oder starken Schwitzen erneut auftragenNicht ins Solarium gehen

Konsequenter Sonnenschutz ist bei Patienten mit Melanom-Vorgeschichte entscheidend, denn UV-Strahlung ist der wichtigste beeinflussbare Risikofaktor für die Entwicklung eines neuen Melanoms. Patienten, die schon einmal ein Melanom hatten, haben ein erhöhtes Risiko für ein zweites Melanom (8 bis 18 Prozent der Patienten), wobei höhere UV-Exposition und Solariumnutzung dieses Risiko weiter steigern.

Eine Pilotstudie zeigt, dass Melanom-Patienten, die nach der Diagnose ihren Sonnenschutz verbesserten, ein signifikant besseres melanomspezifisches Überleben hatten. Besonders profitierten Männer und Patienten über 50 Jahre.“

Ab welchem Alter und wie oft sollte ich zum Hautscreening?

Dr. Monique Stengel: „Die Empfehlungen zum Hautkrebsscreening unterscheiden sich je nach individuellem Risikoprofil.

Für Menschen ohne erhöhtes Risiko wird ein Hautkrebsscreening ab 35 Jahren alle zwei Jahre empfohlen, die Kosten übernimmt die Krankenkasse.

Für Personen mit erhöhtem Risiko empfehlen Fachgesellschaften regelmäßige dermatologische Ganzkörperuntersuchungen, wobei die genaue Frequenz individuell festgelegt werden sollte. Risikofaktoren können sein:

heller Hauttyp, rote oder blonde Haare und blaue oder grüne Augenviele oder ungewöhnlich aussehende Muttermale (zum Beispiel unregelmäßige Form und Ränder, unterschiedlich gefärbt)eigene oder familiäre Melanom-Vorgeschichteschwere Sonnenbrände oder starke Solariumnutzung in der Vergangenheit (vor allem in der Kindheit und Jugend)geschwächtes Immunsystem (beispielsweise durch Erkrankungen oder Medikamente)männliches Geschlecht und Alter über 50

Empfehlenswert sind regelmäßige Selbstuntersuchungen der Haut ab dem 18. Lebensjahr unter Anwendung der ABCDE-Regel.“

ABCDE-Regel

Asymmetrie (unregelmäßige Form)
Begrenzung (unscharfe oder ausgefranste Ränder)
Colour (unterschiedliche Farben in einem Muttermal)
Durchmesser (größer als 6 Millimeter)
Entwicklung (wird größer, dunkler, hebt sich, juckt oder blutet)

Wichtig: Ein einzelnes Kriterium heißt nicht automatisch Krebs, ist aber ein Signal, das ärztlich abgeklärt werden sollte.

Was hilft bei Rosazea, und warum tritt sie verstärkt im Sommer auf?

Rosazea

Rosazea ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung, die vor allem das Gesicht betrifft. Typisch sind anhaltende Rötungen, sichtbare Äderchen sowie entzündliche Pusteln oder Knötchen, meist an Wangen, Nase, Stirn und Kinn. Die Beschwerden treten häufig schubweise auf.

Dr. Monique Stengel: „Bei über 90 Prozent der Rosazea-Patienten gibt es bestimmte Trigger, die das Hautbild verschlimmern. Im Sommer wird die Hauterkrankung bei den meisten hauptsächlich durch UV-Strahlung (Sonnenlicht) und Hitze getriggert. Diese beiden Faktoren gehören zu den wichtigsten und am besten dokumentierten Auslösern für Rosazea-Schübe.

Alkohol (besonders Weißwein und Spirituosen) erhöht das Rosazea-Risiko und die Schwere der Symptome.Emotionaler Stress löst bei rund 70 Prozent der Patienten mindestens monatlich einen Schub aus.

Es sind noch andere Trigger bekannt, zum Beispiel scharfes Essen. Um die individuellen Auslöser herauszufinden, kann das Führen eines Tagebuchs sinnvoll sein.

Folgende Maßnahmen können helfen, sommerliche Rosazea-Schübe zu vermeiden:

täglicher Breitspektrum-Sonnenschutz (LSF 50), vorzugsweise mit physikalischen Filtern (Zinkoxid oder Titandioxid) auf Wasserbasis, da diese weniger irritierend sindVermeidung direkter Sonneneinstrahlung, insbesondere in den Mittagsstunden, Tragen von Hüten und SchutzkleidungKühlung: Vermeidung von Überhitzung, Aufenthalt in klimatisierten RäumenHautpflege: duftstofffreie Feuchtigkeitscremes zur Verbesserung der Hautbarriere, zweimal tägliche sanfte Reinigung mit seifenfreien Produkten

In schweren Fällen hilft eine medikamentöse Therapie mit Gels und Cremes, die auf die betroffenen Stellen aufgetragen werden. Diese passt der Hautarzt an den Phänotyp des Patienten und seine vorherrschenden Symptome an. Bei unzureichender Besserung kann die äußere durch eine innerliche Behandlung ergänzt werden.“

Ist die Haut ein Spiegel der Seele?

Dr. Monique Stengel: „Diese Frage betrifft sowohl die Dermatologie als auch die Psychosomatik – und tatsächlich gibt es wissenschaftliche Belege für die Verbindung zwischen Haut und Psyche.

Die Haut und das Nervensystem haben einen gemeinsamen embryologischen Ursprung im Ektoderm, was eine enge neurobiologische Verbindung erklärt. Die Haut enthält ein komplexes Netzwerk aus sensorischen Nerven, Neuropeptiden und Immunzellen, die auf psychischen Stress reagieren können.

Psychodermatologische Erkrankungen wie Psoriasis, atopische Dermatitis, Rosazea und Akne werden nachweislich durch emotionalen Stress verschlechtert. Dieser aktiviert die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse und führt zu Entzündungsreaktionen in der Haut.Psychogene Hauterkrankungen wie Dermatitis artefacta, Trichotillomanie oder neurotische Exkoriationen zeigen, wie psychische Zustände krankhafte Veränderungen der Haut verursachen können.

Physiologische Mechanismen:

Emotionen wie Scham oder Verlegenheit führen zu Erröten.Angst kann Schwitzen und Blässe auslösen.Chronischer Stress kann die Hautbarrierefunktion beeinträchtigen und Entzündungsprozesse fördern.

Die Haut reagiert auf psychische Belastungen in zwei zeitlich unterschiedlichen Phasen: Akuter Stress löst innerhalb von Sekunden bis Stunden messbare Hautreaktionen aus, während chronischer Stress über Wochen bis Monate zu tiefgreifenden Veränderungen der Hautbarriere und Verschlechterungen entzündlicher Hauterkrankungen führt.

Die Aussage, dass die Haut ‚die Seele widerspiegelt‘, hat also durchaus eine wissenschaftliche Grundlage in der Psychodermatologie. Die Haut ist ein sichtbares Organ, das auf emotionale und psychische Zustände reagiert, sowohl akut (Erröten, Schwitzen) als auch chronisch (Verschlechterung von Hauterkrankungen bei Stress).“