Der Konflikt zwischen Pakistan und Afghanistan eskaliert. Nach neuen gegenseitigen Luftangriffen hat Pakistan der herrschenden Taliban-Regierung in Afghanistan den „offenen Krieg“
erklärt. „Unsere Geduld ist am Ende. Jetzt herrscht offener Krieg
zwischen uns und euch“, schrieb der pakistanische Verteidigungsminister
Khawaja Asif am Freitag im Onlinedienst X.
In der Nacht griff Pakistans Militär die afghanische Hauptstadt Kabul sowie die Provinzen Kandahar und Paktia an. In Kabul waren Explosionen und Sirenen zu hören. Sicherheitskreisen in Pakistan zufolge handelte es sich um Luft-
und Bodenangriffe gegen Posten, Hauptquartiere und
Munitionsdepots der Taliban entlang der Grenze. Beide Seiten
meldeten zahlreiche Tote. Die Zahlen gehen
jedoch stark auseinander und konnten zunächst nicht unabhängig überprüft werden.
Pakistans Militär greift Kabul an
Bereits Stunden zuvor war es zu heftigen Auseinandersetzungen entlang der afghanisch-pakistanischen Grenze gekommen. Afghanische Truppen hätten in der Nacht „breit angelegte“ Luftangriffe auf Militäreinrichtungen in Pakistan
geflogen, teilte ein Sprecher der radikalislamischen Taliban-Regierung in Afghanistan mit. Pakistan reagierte mit Vergeltungsschlägen.
Pakistans Präsident Asif Ali Zardari schrieb in der Nacht auf X, die
Reaktion der pakistanischen Streitkräfte sei umfassend und entschlossen.
Sein Land werde keine Zugeständnisse in Bezug auf Frieden und
territoriale Integrität machen. Der
pakistanische Innenminister Mohsin Naqvi sprach von einer „angemessenen Reaktion“ auf die „offene Aggression“ der Taliban.
Reporter der Nachrichtenagentur AFP in Kabul meldeten laute Explosionen
und Schussgeräusche über einen Zeitraum von mehr als zwei Stunden. Im
südafghanischen Kandahar, wo der Taliban-Anführer Hibatullah Achundsada
seinen Sitz hat, waren demnach Flugzeuggeräusche zu hören. UN-Generalsekretär
António Guterres forderte beide Länder zur Deeskalation auf.
Vergeltung für mehrere Selbstmordanschläge
Die Beziehungen
zwischen den beiden Nachbarländern sind seit Langem angespannt. Sie haben sich verschärft, seitdem die Taliban im August 2021 wieder die Herrschaft über Afghanistan übernommen haben. Die jüngsten Gefechte entstanden nach einem Bombenanschlag auf eine schiitische
Moschee in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad vor zwei Wochen, zu dem sich die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) bekannt hatte. Der Anschlag folgte auf eine Reihe von
Selbstmordanschlägen von Islamisten, für die Pakistan die
Taliban verantwortlich macht.
© Lea Dohle
Newsletter
Was jetzt? – Der tägliche Morgenüberblick
Vielen Dank! Wir haben Ihnen eine E-Mail geschickt.
Prüfen Sie Ihr Postfach und bestätigen Sie das Newsletter-Abonnement.
Pakistan wirft
den Taliban vor, Extremisten zu beherbergen. Die Taliban-Führung in Kabul weist dies zurück. Trotzdem hatte Pakistan am Sonntag Ziele mutmaßlicher Extremisten an der Grenze zu
Afghanistan angegriffen – nach eigenen Worten aus Vergeltung für die Terroranschläge in seinem Land.
Auch die Vereinten Nationen schreiben in einem
jüngst veröffentlichten Bericht, dass die Regierung in Kabul
verschiedenen Terrorgruppen im Land ein günstiges Umfeld biete und die pakistanischen Taliban unterstütze. Die regierenden Taliban bestreiten
das.
Afghanistan und Pakistan
Z+ (abopflichtiger Inhalt);
Afghanistan:
Das bisschen Leben
Z+ (abopflichtiger Inhalt);
„Im Land der Vergessenen“ von Aliyeh Ataei:
Die erste Kugel
Geflohene aus Afghanistan:
Das Ende der Barmherzigkeit