Der längste Urfahraner Jahrmarkt aller Zeiten ist vorbei. Zurück bleibt bei dem einen oder anderen etwas Kopfweh – und das liegt nicht nur an dem einen oder anderen Bier zu viel.
Erweitert wurde nicht nur die Urfix-Dauer (von neun auf elf Tage), sondern auch der Bereich mit den Fahrgeschäften. Mit dem Münchner Lach+Freu Haus, Laserpix, Rio Rapidos und Kanurah gingen vier neue – teilweise sehr spannende – Fahrgeschäfte an den Start. Und auch das Wetter spielte mit, dennoch kamen „nur“ 550.000 Besucher. Tatsächlich waren es auch gefühlt weniger Besucher, das Gedrängle und Geschiebe war bis auf den finalen Samstag überschaubar. An den Bemühungen der Organisatoren lag es nicht, auch die Preise blieben bis auf wenige Ausnahmen im Rahmen – aber wo war dann der Fehler?
Hauptursache war wohl die allgemeine Krisenstimmung und das fehlende „Gerschtl“. Wenn man seit Monaten, ja Jahren hört, dass es abwärts geht und sowieso alles den Bach runter geht, glaubt man es irgendwann auch. Und auch die Verschiebung des Feuerwerks von Donnerstag auf Samstag kostete sicher eine hohe fünfstellige Besucherzahl. So blieb der Donnerstag flau, letztes Jahr war dieser Tag genau so dicht besucht wie der Samstag.
Wo aber gewiss noch Verbesserungsbedarf besteht? Hier ein paar Steilvorlagen:
Mehr Ideen braucht es an den Wochentagen. Der Dienstag etwa war ein toter Hund, im Bierzelt saßen keine 30 Leute. Warum kein 2-für-1-Tag, ein Frauentag (alle Frauen fahren von 18 bis 20 Uhr gratis) eine stärkere Einbindung von Vereinen („Vereinstag“ mit Gruppentarifen) oder mehr Konzerte / Bands im Zelt, vielleicht sogar in Richtung Schlager und „Mallorca-Party“?
Der „Kindertag“ am Mittwoch hat ebenfalls stark an Anziehungskraft verloren. Statt der Ursprungsidee mit halben Preisen für Kinder gibt’s nur mehr homöopathische Ermäßigungen. Das zieht nicht mehr, viele kommen sich auch (zurecht) veräppelt vor.
Mehr Gastro-Angebote. Am Oktoberfest gibt es 14 große Bierzelte (mit bis zu 5.000 Sitzplätze), die jeden Tag knackevoll sind. Am Jahrmarkt steht ein einziges Bierzelt, und selbst das ist im hinteren Bereich nicht mehr so wie früher mit Bänken, sondern mit Stehtischen und einer Bar ausgestattet. Hier sollte man nachdenken, wie man (vielleicht mit einem zweiten Zelt und einem zusätzlichen Anbieter) mehr Ideen, Wettbewerb und Drive hineinbringt.
Zu überdenken sind auch die beiden Messezelte im hinteren Bereich des Festgeländes: Messerschleifer trifft Gurkenhobel-Show, Teppichreiniger und Messerverkäufer. Was soll das bitte? Kann man diese Zelte nicht sinnvoller nutzen – etwa mit einem nach wie vor boomenden Streetfood-Bereich und Einbindung entsprechender Profis wie Sigi Goufas
Ebenfalls denkbar: Ein Shop mit Lederhosen und Dirndln, wie es sie im Umfeld des Oktoberfests sonder Zahl gibt.
Grundsätzlich braucht es viel mehr Möglichkeiten, sich auch mal hinzusetzen und durchzuschnaufen. Aktuell gibt es keine (schattigen) Chill- und Rückzugsbereiche außer ein paar Stehtischen oder Bierbänken, die allerdings alle mit Konsumzwang bei den diversen Hütten behaftet sind. Familien etwa können nur eine Runde drehen oder zwei, aber nicht zur Ruhe kommen.
Stark verbesserungswürdig: die WC-Bereiche (versiffte Container im Stil der 1980er-Jahre). Selbst bei Open Airs wie dem LIDO SOUNDS gab es bessere und komfortablere WCs – gerade Familien und Frauen ist das aktuelle Angebot fast nicht zumutbar (und kostet noch dazu 80 Cent, während man am Oktoberfest gratis bieselt).
Ebenfalls sträflich vernachlässigt: Marketing- und USP-Ideen, den Urfahraner Jahrmarkt als Marke zu stärken und zu positionieren. Am Oktoberfest gibt es etwa jedes Jahr einen neuen Oktoberfest-Bierkrug, einen Motiv-Wettbewerb (Logo/Plakat) und einen eigenen Oktoberfest-Shop.
Oder wie wärs mit einem jährlich neuen Jahrmarkt-Lebkuchenherz zum günstigen Preis (da große Bestellmenge) inklusive eines Wettbewerbs für den lustigsten Spruch, ein Fotowettbewerb, ein Jahrmarkt-Shirt, Jahrmarkt-Gutscheine und und und. Gibt’s alles nicht, schade.