Die Anklage ist Kapferer eigenen Angaben zufolge vor einer Woche zugestellt worden, er werde den Einspruch nächste Woche abgeben. Dem ehemaligen Studienkollegen von Kammerer wird vorgeworfen, diese in den frühen Morgenstunden des 23. Juni 2005 durch zwei wuchtige Messerstiche in Brust und Rücken getötet zu haben. Ein Pensionist fand die blutüberströmte Leiche der Niederösterreicherin vor einer Telefonzelle im Innsbrucker Rapoldipark.
2013 „dringend tatverdächtig“
Der 42-Jährige hatte bereits vor mehr als zwölf Jahren als „dringend tatverdächtig“ gegolten. Er war kurz vor Weihnachten 2013 – aus Australien kommend – am Flughafen Wien-Schwechat von „Cold Case“-Experten des Bundeskriminalamts festgenommen worden. Damals hatte sich der Verdacht gegen den Angeklagten auf verschiedene Indizien gestützt, unter anderem auf seine DNA-Spuren an der Kleidung des Opfers. Nachdem sich diese als nicht so stichhaltig erwiesen hatten wie zunächst angenommen, wurde der Mann nach sieben Wochen enthaftet und das Ermittlungsverfahren im Februar 2014 eingestellt.
Nun fußt die Anklage auf einer DNA-Spur des Angeklagten auf dem Filter einer nur wenig angerauchten Zigarette, die in der Telefonzelle abgelegt war. Die Staatsanwaltschaft schließt, dass der Angeklagte am Tatort gewesen sein muss. Der Tatverdacht habe sich „wieder erhärtet“, auf Basis aller nunmehr vorliegender Ermittlungsergebnisse gebe es nur noch gegen den 42-Jährigen einen „konkreten Verdacht“, so die Anklagebehörde vor etwa zehn Tagen.
Zigarette lag schon 2013 vor
Kapferer sah schon damals die Anklage „auf schwache Beine gestellt“. Das bekräftigte er auch am Donnerstag. Bei seinem Einspruch werde es um die Klärung der Frage gehen, ob sein Mandant in der Sache überhaupt ein zweites Mal verfolgt werden darf. Die Zigarette sei immer schon vorgelegen, seinen Angaben zufolge wären die Untersuchungsmethoden auch 2013 schon gut genug gewesen, um dort DNA so wie heute verwertbar zu machen. Das Strafrecht folge dem Grundsatz „Ne bis in idem“ („nicht zweimal in derselben Sache“) und ziehe diesbezüglich eine enge Grenze, so Kapferer.

Fall Daniela Kammerer