Mit Valie Export ist eine der international bedeutendsten österreichischen Künstlerinnen und prägendsten Stimmen feministischer Kunst im Alter von 85 Jahren gestorben.

Valie Export, 2023 (Archivbild)

Valie Export, 2023 (Archivbild) Reuters / Leonhard Foeger

14.05.2026 um 17:42

Ihr 85. Geburtstag wurde mit einem großen Fest im Belvedere 21 gefeiert. Der „Presse“ hat sie wenige Tage davor ein Interview gegeben. Ihren 86. Geburtstag am 17. Mai erlebt Valie Export nicht mehr. Die weltbekannte Medien- und Performancekünstlerin, Filmemacherin und feministische Theoretikerin ist am Donnerstag in Wien gestorben.

Geboren wurde Valie Export 1940 in Linz als Waltraud Lehner. Nach der Klosterschule besuchte sie die Kunstgewerbeschule dort, mit 18 bekam sie ein Kind (sie nannte es Perdita, die Verlorene) und heiratete. 1960 zog sie nach Wien, studierte an der Höheren Bundes-Lehr- und Versuchsanstalt für Textilindustrie Textildesign und fand Anschluss an die Künstlerkreise rund um die Wiener Gruppe, Art Club und „Strohkoffer“. Aufgrund ihres „Lebenswandels“ wurde ihr das Sorgerecht für ihre Tochter (die später auch Medienkünstlerin wurde) entzogen.

Mit ihrem eigentlich in Versalien geschriebenen Künstlernamen setzte sie früh ein bewusstes Statement. Eines, das nicht zu übersehen sein sollte. Tatsächlich wurden in der Folge Aktionen wie das „Tapp- und Tastkino“ (1968), bei dem sie ihre nackten Brüste betasten ließ, die im Schritt offene „Aktionshose Genitalpanik“ oder „Aus der Mappe der Hundigkeit“, bei der sie Peter Weibel an einer Hundeleine durch die Wiener Innenstadt spazieren führte, Ikonen feministischer Kunst und zur Inspiration mehrerer Generationen von Künstlerinnen.

Valie Export mit Peter Weibel

Valie Export mit Peter Weibel APA / Mischa Nawrata, Wien

Im Umfeld des Wiener Aktionismus – sie war neben Peter Weibel mit Hermann Nitsch und Kurt Kren Mitglied des von Otto Muehl und Günter Brus gegründeten „Wiener Instituts für direkte Kunst“ –, dessen Frauenbild sie jedoch ablehnte, sorgte sie mit Körperaktionen und Expanded Cinema-Arbeiten auch auf den Chronikseiten der Zeitungen für Schlagzeilen.

1970 präsentierte sie in London ihre erste Videoarbeit „Split Reality“, in der dreiteiligen Fernseharbeit „Das Bewaffnete Auge“ setzte sie sich in den Dialog mit der Filmavantgarde, ihre Filme „Unsichtbare Gegner“, „Menschenfrauen“ und „Die Praxis der Liebe“ wurden bei den Filmfestspielen in Berlin gezeigt.

An ihren grundsätzlichen künstlerischen Anliegen – „Körper, Konzept, Medien“ – hielt sie bis zuletzt fest, ebenso an ihrem Kampf für Emanzipation, die sich heute gegen einen gesellschaftlichen Rückschritt behaupten müsse. Zumindest in den USA, so die Künstlerin im „Presse“-Interview vor einem Jahr: „Wir müssen wachsam sein. Aufpassen, aufpassen, aufpassen.“ In die Zukunft und die Jugend habe sie dennoch Hoffnung, sagte damals: „Ich glaube, dass die jungen Menschen erkennen werden, wie sie die Gesellschaft ändern müssen, damit sie für sie funktioniert.“

Valie Export nahm an internationalen Ausstellungen etwa im Centre Pompidou, bei der documenta oder im MoMA teil und lehrte später in Berlin und Köln. 1980 hat sie mit Maria Lassnig den Österreich-Pavillon bei der Biennale Venedig bespielt. Zahlreiche Preise und Ehrungen folgten, darunter der Oskar-Kokoschka-Preis und das Österreichische Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst. Der Große Österreichischen Staatspreis würde ihr noch fehlen, erzählte sie der „Presse“ letztes Jahr: „Den habe ich nie bekommen“. Das blieb bis zuletzt so.

2017 eröffnete in der Linzer Tabakfabrik das Valie Export Center für Medien- und Performancekunst. Künftig wird sich die Stiftung um ihr Werk kümmern. (APA/red.)