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Ein bekannter Wirkstoff gegen Schlaflosigkeit könnte das Risiko für Herzschwäche deutlich erhöhen, wie eine neue Studie aus den USA zeigt.

Frankfurt – Wenn sie nicht schlafen können, greifen viele Menschen zu Präparaten mit Melatonin. Das Hormon senkt die Frequenz der Hirnwellen und macht müde, wie die Herzstiftung schreibt. Bisher galt es als besonders sicheres, natürliches Schlafmittel und als unbedenkliche Alternative zu verschreibungspflichtigen Schlafmedikamenten.

Eine neue Studie zeigt jetzt allerdings, dass die langfristige Einnahme von Melatonin das Risiko einer Herzschwäche um etwa 90 Prozent erhöhen kann. Auch bei einem gängigen Schmerzmittel wurden neue Nebenwirkungen entdeckt.

Wer Probleme mit dem Schlafen hat, landet schnell bei Melatonin. (Symbolbild)Wer Probleme mit dem Schlafen hat, landet schnell bei Melatonin. (Symbolbild) © IMAGO/HalfPoint ImagesRisiko bei bekanntem Schlafmittel: Herzschwäche-Fälle bei regelmäßiger Einnahme von Melatonin

Die Studie wurde von der American Heart Association (AHA) vorgestellt und nach Angaben des Deutschen Ärzteblatts im Vorfeld der jährlichen Jahrestagung der Vereinigung bekannt gegeben. Für sie untersuchten die Wissenschaftler die Datenbank TriNetX nach Daten von 65.414 Erwachsenen, die unter Insomnie (Schlaflosigkeit) litten und seit mehr als einem Jahr Melatonin verordnet bekommen hatten.

Die gleich große Kontrollgruppe nahm kein Melatonin zu sich. Ausgeschlossen wurden Menschen, die eine Herzinsuffizienz hatten. Ergebnisse: Im Verlauf der fünfjährigen Nachbeobachtungszeit trat bei 3.021 Melatonin-Anwendern (4,6 Prozent) eine Herzinsuffizienz neu auf, verglichen mit 1.797 Kontrollpersonen (2,7 Prozent). Das entspricht einem Anstieg um etwa 90 Prozent.

Wer diese 20 Lebensmittel kennt, holt beim Intervallfasten deutlich mehr rausKomposition mit Spinat, Maßband, leeres Papier Notizbuch und rosa Wecker auf weißem Hintergrund. Mock up. Intervallfasten DiätFotostrecke ansehenWeitere Studien sind nötig

Eine weitere Studie mit Patienten, die im Abstand von 90 Tagen mindestens zwei Melatonin-Verordnungen erhalten hatten, zeigte eine Zunahme um 82 Prozent. Den Wissenschaftlern zufolge stellen diese Ergebnisse die Auffassung von Melatonin als unbedenkliche Langzeittherapie infrage.

Weitere Studien seien notwendig. Allerdings sei noch nicht belegt, dass Melatonin wirklich die Ursache der häufiger aufgetretenen Herzinsuffizienz ist. Noch sei ein wissenschaftliches Gutachterverfahren nötig, so die Herzstiftung.

Was ist Melatonin?

Melatonin ist ein körpereigenes Hormon, das nach Angaben des NDR in der Zirbeldrüse gebildet wird. Ausgeschüttet wird es hauptsächlich bei Dunkelheit, während Helligkeit die Produktion unterdrückt. Deshalb wird Melatonin auch als Schlafhormon bezeichnet. Bei Kindern ist die Produktion am höchsten, mit zunehmendem Alter nimmt sie ab. Viele Menschen nehmen den Wirkstoff deshalb als Medikament ein, da es Melatonin verschreibungsfrei gibt. Wer unter Insomnie leidet, kann ihn sich auch ärztlich verschreiben lassen.

Was bedeutet das für Betroffene?

Die kurzfristige Einnahme von Melatonin (etwa gegen Jetlag) gilt weiterhin als vergleichsweise sicher, aber bei regelmäßiger Einnahme sollten Sie mit Ihrem Arzt sprechen. Vorsicht ist bei Menschen geboten, die unter einer Herzerkrankung leiden. (Quellen: herzstiftung.de, ahajournals.org, aerzteblatt.de, NDR.de, eigene Recherche) (sibö)

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