Trotz starker Beschwerden

Kortison-Nasenspray wegen Nebenwirkungen meiden?

Aktualisiert am 15.05.2026 – 07:36 UhrLesedauer: 4 Min.

Junges Mädchen wendet Nasenspray anVergrößern des Bildes

Junges Mädchen bringt ein Spray in die Nasenhöhle ein: Ein rezeptfreies Kortison-Nasenspray kann ebenso Nebenwirkungen haben wie rezeptpflichtige Präparate und ist für unter 18-Jährige nicht vorgesehen. (Quelle: Valeriy_G/getty-images-bilder)

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Manche Menschen lehnen Kortison-Nasenspray ab, da sie Nebenwirkungen befürchten. Hier erfahren Sie, ob und inwiefern solche Bedenken berechtigt sind.

Bei starkem allergischem Schnupfen, gegen den die üblichen Allergiemedikamente (Antihistaminika) nicht genügend wirken, kann ein kortisonhaltiges Nasenspray aus der Apotheke weiterhelfen. Auch bei chronischer Nasennebenhöhlenentzündung lassen sich die Beschwerden mit einem Kortison-Nasenspray lindern. Das Risiko für Nebenwirkungen ist dabei überschaubar. Woher kommt also der schlechte Ruf von Kortison?

„Kortison“ kann viel bedeuten

Dazu ist zu wissen: Wer von Kortison spricht, meint damit oft einen der künstlich hergestellten Arzneistoffe aus der Gruppe der Glukokortikoide. Davon gibt es über 30, deren Wirkstärke sich teils erheblich unterscheidet – wie etwa Hydrokortison, Prednisolon, Betamethason und Mometason. Auch Kortison-Nasenspray ist mit verschiedenen Wirkstoffen erhältlich.

Mehr wissen

Natürliches Kortison ist die Vorstufe von Kortisol, einem Hormon aus der Gruppe der Glukokortikoide, das entzündungs- und wachstumshemmend wirkt. Alle körpereigenen Glukokortikoide werden (neben weiteren Hormonen) im äußeren Bereich der Nebennieren gebildet: in der Nebennierenrinde.

Auf die Menge kommt es an

Doch egal, welcher Wirkstoff in Kortison-Nasenspray steckt: Die Nebenwirkungen sind vergleichbar. Entscheidend für die Verträglichkeit kortisonhaltiger Medikamente sind vor allem die Dosierung und die Behandlungsdauer. Das gilt nicht nur für Nasensprays, sondern für jede Darreichungsform – wie etwa Tabletten oder Salben.

In der ersten Zeit nach Einführung von Kortison als Arzneistoff war über seine möglichen Nebenwirkungen aber noch wenig bekannt. Darum verordneten Ärztinnen und Ärzte es früher häufig zu lange und zu hoch dosiert, was teils schwerwiegende Folgen hatte. Zu den möglichen unerwünschten Wirkungen von Kortison zählen beispielsweise:

Gewichtszunahme infolge von HeißhungerBluthochdruckerhöhte Blutungsneigungzu hohe BlutzuckerwerteDepressionengrauer oder grüner Stardünner werdende Hauterhöhte Anfälligkeit für InfekteKnochenschwundMagenschleimhautentzündungMuskelschwächeSchlaflosigkeitUnterfunktion der Nebennierenrinde(bei Frauen) ausbleibende Monatsblutung(bei Männern) Potenzstörungen(bei Kindern) Wachstumsstörungen

Wichtig ist also, nur so viel Kortison wie nötig, so kurz wie möglich einzusetzen, um das Risiko für Nebenwirkungen gering zu halten. Das gilt auch für Kortison-Nasenspray – einschließlich rezeptfreier Präparate. Diese sind daher nur zur Kurzzeitbehandlung von Erwachsenen nach einer ärztlichen Diagnose vorgesehen.

Einsatzmöglichkeiten für Kortison sind vielfältig

Inzwischen ist mehr über Kortison und seine möglichen Nebenwirkungen bekannt – und darüber, wie sich die Risiken einer Behandlung verringern lassen. Daher kommen die Wirkstoffe nicht nur gegen akute, sondern auch gegen chronische Erkrankungen zum Einsatz.

Dabei dient Kortison vor allem dazu, Entzündungsreaktionen zu hemmen oder das Immunsystem zu unterdrücken. Als Nasenspray eingesetzt (etwa bei Heuschnupfen, Hausstauballergie oder chronischer Sinusitis) lässt es die entzündete Nasenschleimhaut abschwellen: So fällt das Atmen durch die Nase wieder leichter. In anderen Darreichungsformen kommt Kortison aus vielen weiteren Gründen zur Behandlung infrage. Dazu zählen zum Beispiel:

sonstige allergische Reaktionen bis hin zum anaphylaktischen SchockAugenerkrankungen (wie die Entzündung der Augenhöhle bei Morbus Basedow)entzündliche Darmerkrankungen (wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa)Gelenkerkrankungen (zum Beispiel rheumatoide Arthritis oder Schultersteife)entzündliche Hautkrankheiten (wie Neurodermitis oder Schuppenflechte)Hormonersatz (etwa bei Unterfunktion der Nebennierenrinde)Krebserkrankungen (begleitend zur Chemotherapie)Lungenkrankheiten (unter anderem Asthma oder COPD)entzündliche Nervenerkrankungen (wie Multiple Sklerose)Organtransplantationen