Auf Kuba spitzt
sich wegen der anhaltenden US-Blockade die Energiekrise dramatisch zu. Die Öl-
und Treibstoffreserven auf der Insel sind nach Regierungsangaben aufgebraucht. Die
Stromversorgung ist großflächig zusammengebrochen. Hunderte Anwohner kamen zu
Protesten zusammen, was auf der kommunistisch regierten Karibikinsel selten geschieht. In
Teilen der Hauptstadt Havanna brannten Barrikaden. Wütende Anwohner
schlugen auf Töpfe und riefen »Schaltet das Licht an«.
Zuvor hatte der kubanische
Energieminister Vicente de la O Levy im Staatsfernsehen mitgeteilt, die
Treibstofflager seien leer. »Wir haben absolut kein Öl und absolut keinen
Diesel mehr«, sagte de la O Levy. Das nationale Stromnetz befinde sich in einem kritischen Zustand, die
Hauptstadt Havanna erlebe die schwersten Stromausfälle seit Jahrzehnten. Viele Stadtteile seien
20 bis 22 Stunden täglich ohne Strom, sagte de la O Levy.
Die kommunistische Regierung des Karibikstaates führt die Krise auf eine monatelange
US-Ölblockade zurück. US-Präsident Donald Trump droht Staaten mit Zöllen,
die Kuba beliefern. Die US-Regierung will mit diesem Boykott einen
wirtschaftlichen und politischen Wandel auf der Insel erzwingen. Die Versorgung
aus Venezuela, dem bisher wichtigsten Öllieferanten Kubas, ist seit der
Entmachtung von Staatspräsident Nicolás Maduro durch das US-Militär im Januar abgeschnitten.
Fluglinien streichen Flüge nach Kuba wegen Kerosinmangels
Die Situation sei
»sehr angespannt«, sagte der Energieminister und fügte hinzu, Kuba
sei »offen für jeden, der uns Treibstoff verkaufen möchte«. Kubas Präsident
Miguel Díaz-Canel hatte der US-Regierung am Mittwoch eine
»völkermörderische Energieblockade« vorgeworfen. Die Vereinten Nationen
bezeichneten Trumps Treibstoffblockade vergangene Woche als rechtswidrig.
© Lea Dohle
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Seit Anfang des
Jahres hat nur ein russischer Tanker mit 100.000 Tonnen Öl die Insel angelaufen.
Laut der kubanischen Regierung benötigt das Land mit rund zehn Millionen
Einwohnern aber monatlich mindestens acht solcher Lieferungen. Wegen des Treibstoffmangels
und seiner insgesamt maroden Infrastruktur kann Kuba nur ein Drittel seines
Energiebedarfs decken. Mehrere Fluggesellschaften fliegen die Karibikinsel mittlerweile
nicht mehr an, weil sie für den Rückflug dort nicht mehr genug Kerosin bekommen.
Kuba setzt nach Regierungsangaben die Verhandlungen über
Treibstoffimporte fort. Die steigenden Öl- und Transportpreise infolge des Irankriegs erschwerten diese Bemühungen jedoch.
Kubas Regierung erwägt Hilfsgelder der USA
Kubas Regierung erwägt
nun nach eigenen Angaben ein Angebot von US-Außenminister Marco Rubio über Hilfsgelder in Höhe von 100
Millionen Dollar (etwa 85 Millionen Euro). Die US-Regierung hatte
allerdings die Bedingung gestellt, das Geld müsse von der katholischen Kirche und
anderen unabhängigen Organisationen – nicht von der kubanischen Regierung –
verteilt werden.
»Wir sind bereit,
uns die Einzelheiten des Angebots und die Art und Weise, wie es umgesetzt
werden soll, anzuhören«, schrieb Außenminister Bruno Rodríguez auf X. Es sei
bisher jedoch unklar, ob es sich um Geld- oder Sachhilfe handle. Er forderte erneut
die Aufhebung der US-Blockade.
CIA-Direktor Ratcliffe nach Havanna gereist
Eine
US-Delegation um CIA-Direktor John Ratcliffe hat sich unterdessen am Donnerstag
in Havanna zu Gesprächen mit hochrangigen kubanischen Regierungsvertretern getroffen,
darunter mit dem Enkel von Ex-Präsident Raúl Castro. Das bestätigten kubanische und
US-amerikanische Behörden. Bei den Gesprächen ging es demnach um Geheimdienstkooperation,
wirtschaftliche Stabilität und Sicherheitsfragen.
Die Zusammenkunft
habe auf Antrag der US-Regierung stattgefunden, teilte die kubanische Regierung
mit. Kuba hätte eindeutig nachweisen können, dass die Insel »keine Bedrohung
für die nationale Sicherheit der USA« darstelle, hieß es weiter. Es gebe keinen
Grund, das Land weiterhin auf der US-Liste der staatlichen Sponsoren von
Terrorismus zu führen, für die Sanktionen gelten. Kuba finanziere oder dulde
keine terroristischen Organisationen und habe »niemals feindliche Aktivitäten
gegen die USA unterstützt«. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz hatte im April betont, dass von Kuba keine Gefahr ausgehe.
US-Präsident
Donald Trump hatte am Dienstag in seinem Onlinedienst Truth Social geschrieben:
»Kuba bittet um Hilfe, und wir werden reden!!!« Weitere Angaben zu
den Gesprächen machte er nicht. Trump hatte immer wieder gesagt, die USA
wollten Kuba »übernehmen«. Das nährte auf der Insel Befürchtungen
einer militärischen Intervention.
Trotz der hochrangigen Gespräche plant das US-Justizministerium laut Medienberichten eine Anklage des 94-jährigen kubanischen Ex-Präsidenten Raúl Castro, der Bruder des verstorbenen Revolutionsführers Fidel Castro. Der Zeitpunkt sei unklar, stehe aber möglicherweise kurz bevor, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf einen Vertrauten aus dem Ministerium.
Der Sender CBS hatte zuvor berichtet, dass es bei einer Anklage um den Abschuss von Flugzeugen der Gruppe Brothers to the Rescue, eines Zusammenschlusses aus Exilkubanern und Castro-Gegnern, im Jahr 1996 handele. Die Anklage
müsste von einer Grand Jury gebilligt werden.
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